BayrischzellFreizeit und Kunst ganz ideal vereinen kann man gerade in Bayrischzell. Denn die Kunstwerke stehen mitten in der Natur. Jürgen Altmann, langjähriger Wirt der Kaffeebar Aroma im Glockenbachviertel und gebürtiger Bayrischzeller, stellt schon seit 2021 seine Peterbaueralm Künstlern ein Wochenende lang für die „Almvernissage“ zur Verfügung, eine Kunstausstellung der ganz besonderen Art. Doch in diesem Jahr ist alles ein wenig anders. Denn heuer begeht Bayrischzell das 950. Ortsjubiläum. Das sei, fand Altmann, eine gute Gelegenheit, die „Almvernissage“ vom Berg ins Tal zu holen und so das Dorf in eine begehbare Galerie unter freiem Himmel zu verwandeln.Umgesetzt hat er die Idee gemeinsam mit dem Verein Kultursprung. 129 Skulpturen, Installationen und Land-Art-Werke von 51 Künstlern stehen, hängen, liegen nun entlang von Wegen, auf Dorfplätzen, in einem Waldstück, aber auch in Schaufenstern und Vorgärten oder in der evangelischen Heiliggeistkirche. Der Vorteil: „Wir bespielen den Ort rund um die Uhr, sieben Tage die Woche“, sagt Altmann. Auch nachts, denn manches Werk ist beleuchtet. Jedes Kunstwerk erklärt sich per QR-Code selbst. Der Lageplan der Arbeiten samt QR-Code, die Beschreibung zum Anhören und Lesen und der Kontakt zu den Künstlern findet sich auf der Website zum Art Walk (kuenstlerweg.treffpunkt-bayrischzell.de/karte).Art Walk Bayrischzell, bis 26. SeptemberOberammergauMelchior Schedler hat „Die Hafeneinfahrt von Boston, Massachusetts“ als Materialcollage mit Segeltuch und Bügeleisen umgesetzt. Oberammergau MuseumMelchior Schedler ist ein sehr vielseitiger Mensch. Vielleicht liegt das daran, dass er wie jeder Oberammergauer durch die Passionsspiele früh mit dem Theater in Berührung kam. Nach seinem Studium arbeitete er erst als Bühnenbildner, unter anderem an den Münchner Kammerspielen, bevor er begann, Bücher, Theaterstücke und mehr als 40 Hörspiele, vor allem für Kinder und Jugendliche, zu schreiben. 1973 sorgte er mit seiner Streitschrift „Schlachtet die blauen Elefanten!“ für intensive kulturpolitische Debatten, als er gegen die „Verpreußlerung“ der Kinder, „gegen „Putzigkeiten“ wie „Gurkenkönige, fliegende Lokomotiven und Zauberer“ wetterte.Trotz all seiner vielen Aktivitäten fand er noch Zeit zum Malen. Anlässlich seines 90. Geburtstages präsentiert das Oberammergau Museum eine Auswahl von Schedlers Bildern, Zeichnungen und Objekten. Stilistisch bewegt sich der Künstler zwischen Magischem Realismus, allegorischer Malerei, Manierismus und Surrealismus. Die Palette reicht von ironischen Zeichnungen bis hin zu expressiven Gemälden und Objekten, die von Literatur, Märchenwelt und Theatertraditionen inspiriert sind. Schedler ist ein fabelhafter Erzähler, der aber nie darauf verzichtet, die gesellschaftliche Wirklichkeit kritisch zu hinterfragen.Die verschlungenen Wege des Glücks. Melchior Schedler, bis 13. September, Oberammergau Museum.FürstenfeldbruckDietmar Gross greift zu altmeisterlicher Technik und schafft so auch Mischwesen mit mythologischem Hintergrund. Carsten Costard, MainzDas Prinzip der Ausstellung ist die Grenzüberschreitung. Das ist einerseits vergnüglich und fantasieanregend, andrerseits gelegentlich ein wenig schockierend. Denn die vier Meister des Phantastischen Realismus, die diese Ausstellung im Kunsthaus Fürstenfeldbruck versammelt, verstehen ihr Handwerk hervorragend. Allen voran Rudi Hurzlmeier, einer der ganz Großen der Komischen Kunst, der es schätzt, sein Publikum mit abgründigen und oft surreal anmutenden Bildern zu irritieren.Das gilt auch für Dietmar Gross, einem Spezialisten für seltsame Mischwesen und eigenartige Tiere. Er greift in realistischer Malweise und altmeisterlicher Technik Themen aus der Kunstgeschichte und Mythologie auf, füllt sie mit zeitgenössischen Inhalten, verfremdet sie ironisch. Barock überbordend sind Yongbo Zhaos Bilder, getragen von tiefgründigem Sarkasmus, purer Ironie und anarchischem Humor. Seine Vorbilder sind unübersehbar: Bosch, Bruegel, Rubens, Goya und andere Meister. Ganz anders der Argentinier Alejandro Manríquez, der seine Position als grotesken Existenzialismus bezeichnet. Auch er übersteigert, verbindet Komik und Tragik, spiegelt in der Groteske die menschliche Existenz und macht so innere Wirklichkeiten sichtbar.Phantastischer Realismus heute, bis 26. Oktober, Kunsthaus im Museum FürstenfeldbruckTegernseer TalTony Craggs Skulptur „Tommy“ ist gefertig aus glasfaserverstärktem Kunststoff Tegernsee Art MastersEin Ausflug an den Tegernsee lohnt sich immer, doch derzeit ganz besonders. Die 2. Tegernsee Art Masters widmet sich nämlich der Kunst des Bildhauers Tony Cragg. Am Seeufer in Rottach-Egern, Bad Wiessee, Tegernsee und Gmund stehen fünf große Skulpturen des in Wuppertal lebenden und aus Liverpool stammenden Künstlers. Werke aus bedeutenden Serien, die den Turner-Preisträger und mehrfachen Documenta-Teilnehmer jahrzehntelang beschäftigt haben. Und es ist schon großartig, die Arbeiten aus wechselnden Perspektiven und in unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu erleben. In unmittelbarer Nähe des Tegernsees am Seeweg in Rottach-Egern steht die monumentale Skulptur „Senders“, eine 6,5 Meter hohe Arbeit aus weißem Fiberglas.„Tommy“ in Gut Kaltenbrunn hingegen erinnert an ein Gewächs. Gefertigt ist die Skulptur aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), den der Künstler grün eingefärbt hat. Ebenfalls in Gut Kaltenbrunn steht die früheste Arbeit der Ausstellung: die Bronzeskulptur „Early Forms St. Gallen“ von 1997. Die Werkgruppe, begonnen Mitte der 1980er-Jahre, nimmt Gebrauchsgegenstände wie Schalen und Gefäße zum formalen Ausgangspunkt der Komposition. Die „Stacks“ in Bad Wiessee, die Cragg seit den 1970er-Jahren in vielen Varianten immer wieder modifiziert hat, wurzeln in den gestapelten Überresten der Industriegesellschaft, für Cragg die „Schlüssel zu einer Vergangenheit, die unsere Gegenwart ist“ (Tony Cragg, 1987). Bleibt noch „Points of View“ aus poliertem Edelstahl, direkt am Ufer vor Schloss Tegernsee. Zwei aufragende Säulen, deren spiegelnde Oberflächen Himmel und Wasser einfangen und sich so ständig verändern.Seemeile Nr. 1 – Elemente, bis 5. Oktober, verschiedene Standorte am Tegernsee (tegernsee-art-masters.com.)BernriedLothar-Günther Buchheim undatiertes Bild „Schiffe am Ufer“, Tempera auf Leinwand. Buchheim Stiftung, Bernried / Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg1972 brach Lothar-Günther Buchheim zu einer vierteljährigen Malreise in die Südsee auf. Er wollte das südliche Licht als Impuls für seine Malerei nutzen. Doch das tropische Klima mit Regengüssen und hoher Luftfeuchtigkeit machte ihm das Arbeiten nicht leicht. Die visuelle Herausforderung, nach der gesucht hatte, fand er erst nach der Rückkehr in der Farbenpracht des Feldafinger Herbsts. Ein Aquarell aus der damals entstandenen Serie „Feldafing“ hängt in der aktuellen Ausstellung seines Museums neben den „Weiden“ (1909) von Karl Schmidt-Rottluff. Es nicht zu übersehen, wie sehr ihn dieser Maler, dessen Werke er sammelte, auch in seinem eigenen Stil beeinflusst hat.Buchheim war aber nicht der einzige Künstler, den Schmidt-Rottluff nachhaltig beeindruckte. In „Aufruhr der Farben“ nutzt Stephan Dahme, Direktor des Buchheim Museums, die Gelegenheit, sich mit der Rezeption des großen Expressionisten zu befassen und nach dessen Spuren in den Werken anderer Künstler zu suchen. Dahmes Konzept: unbekannte Künstler neben berühmte Expressionismus-Stars wie Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde oder Max Pechstein zu platzieren. Gemeinsam ist allen die Farbe als zentrales künstlerisches Ausdrucksmittel. Dahmes ungewöhnliches Vorgehen funktioniert, die Werke der fast vergessenen Künstler halten den Vergleich gut aus.Aufruhr der Farben. Karl Schmidt-Rottluff und das Erbe der Brücke, bis 15. November, Buchheim Museum BernriedRegensburgGert und Uwe Tobias haben die Technik des Holzschnitts aktualisiert. Hier ein Werk von 2025. VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Alistair OverbruckIn Regensburg kann man unglaublich viel besichtigen. Den gotischen Dom mit seinem „Lachenden Engel“, das „Haus der Bayerischen Geschichte“, die „Steinerne Brücke“ oder das antike Römertor Porta Praetoria. Aber vielleicht findet sich zwischendurch auch Zeit für einen Besuch des Kunstforums Ostdeutsche Galerie. Dort stellen gerade die Zwillingsbrüder Gert & Uwe Tobias aus, die zu den bekanntesten Druckgrafikern ihrer Generation zählen. Anlass der Ausstellung ist ihre Auszeichnung mit dem Lovis-Corinth-Preis. Die Brüder, 1973 in Brașov, Rumänien geboren, haben die Technik des Holzschnittes aktualisiert und ein vielschichtiges Werk mit Collagen, Schreibmaschinenzeichnungen, Wandmalereien, Installationen und Keramikplastiken geschaffen. Was sie vierhändig in Holz schneiden und bunt drucken, erzählt transsilvanische Mythen, entführt in bunte, phantastische Welten mit einem unverwechselbaren Bildkosmos voller rätselhafter Figuren. Sehenswert.Gert & Uwe Tobias. Lovis-Corinth-Preis 2026, bis 27. September, Kunstforum Ostdeutsche Galerie.