1. In New York City diskutieren sie über die Regeln

Annalena Baerbock

Annalena Baerbock hat viele Ideen für die Arbeitsweise der Uno – und mit ihren Forderungen nun zwei Länder gegen sich aufgebracht.In dem einen Jahr, in dem die frühere deutsche Chefdiplomatin als amtierende Präsidentin der Uno-Generalversammlung tätig war, machte sie durch ein paar politische Vorstöße von sich reden. Sie schlug vor, die Prinzipien der Generalversammlung zu verändern. Sie sprach sich für »kürzere Debatten und intelligentere Terminplanung« aus. Sie erklärte mehrfach, sie wolle sich für ein »transparentes« und »glaubwürdiges« Auswahlverfahren einsetzen, wenn der bisherige Uno-Generalsekretär Guterres Ende des Jahres aus dem Amt scheidet. Mehr als einmal plädierte sie dafür, dass Guterres eine Frau im Amt nachfolgen sollte.

Bei Veranstaltungen hatte Baerbock das Publikum dann über mögliche Kandidatinnen und Kandidaten abstimmen lassen, laut Diplomaten war das erstmalig so. Zudem hatte sie den Sicherheitsrat gebeten, keine Kandidaten zu berücksichtigen, die nicht zuvor an einem Dialog mit der Generalversammlung teilgenommen haben. Forderungen, die den USA und Russland zu weit gehen. Die Folge: persönliche Attacken gegen Baerbock. Von »Kompetenzüberschreitung« und »Heuchelei« war die Rede, Baerbock sehe sich als »diplomatischen Superstar«.