Eklat in New York: Annalena Baerbock bringt die USA und Russland gegen sich aufIm September endet die Amtszeit der Deutschen als Präsidentin der Uno-Generalversammlung. Die Amerikaner bezeichnen sie spöttisch als «diplomatischen Superstar», weil sie ihre Kompetenzen überdehnt hat.21.08.2026, 14.04 Uhr4 LeseminutenDie Präsidentin der Uno-Generalversammlung, Annalena Baerbock, im Juli an einer Debatte über den neuen Generalsekretär in New York.Eduardo Munoz / ReutersDie Amtszeit von Annalena Baerbock bei der Uno endet so, wie ihre Zeit als deutsche Aussenministerin: im Eklat. Die Vereinigten Staaten und Russland warfen ihr in dieser Woche vor, sie würde ihre Kompetenzen als Präsidentin der Generalversammlung überschreiten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Baerbock, deren Amtszeit im September endet, setze den Trend in der Uno-Führung fort, sich mehr als «diplomatische Superstars» denn als Verwaltungschefs zu verstehen, sagte die amerikanische Diplomatin Jennifer Locetta am Mittwoch. Russlands Botschafter bei den Vereinten Nationen, Vassily Nebenzia, schloss sich der Kritik einen Tag später an. Man sehe mit Sorge, welche Rolle Baerbock sich selbst anmasse.Nun dürfte man Baerbock weder in Russland noch im Trump-Lager sonderlich wohlgesinnt sein. Als Aussenministerin hatte sie den Krieg gegen die Ukraine stets deutlich kritisiert. Im amerikanischen Wahlkampf unterstützte sie Trumps Kontrahentin Kamala Harris.Der Streit folgt einem MusterDennoch folgt der Streit in New York einem Muster, das sich durch die Karriere der deutschen Politikerin zieht. Sie tritt stets für die gute Sache ein, setzt diese jedoch so überdreht und hemdsärmelig durch, dass sie dabei regelmässig mit diplomatischen Konventionen bricht.Die Amtszeit von António Guterres endet im Dezember. Derzeit wird ein Nachfolger für den Uno-Generalsekretär gesucht. Bei der Kandidatenkür gibt sich Baerbock derzeit Befugnisse, die die Gepflogenheiten der Vereinten Nationen für ihr Amt gar nicht vorsehen. Die Präsidentin der Generalversammlung hat mit der Wahl eigentlich wenig zu tun.Der Generalsekretär wird von der Generalversammlung auf Empfehlung des Sicherheitsrats ernannt. Der Rat diskutiert hinter verschlossenen Türen, bis Einigkeit herrscht. Wie üblich laufen derzeit hinter den Kulissen bereits Testabstimmungen, zuletzt an diesem Freitag. Da es an der Intransparenz des Verfahrens seit geraumer Zeit Kritik gibt, wurde eine im Internet übertragene Debatte zwischen den Kandidaten eingeführt, die einem TV-Duell vor Wahlen gleicht. Das Format ist für die Auswahl des Sicherheitsrats aber im Grunde unerheblich.Baerbock grüsst die WeltbürgerBaerbock sieht das allerdings anders. Wenn man sich die Übertragung vom 23. Juli ansieht, wird das schon bei der Begrüssung klar. «Meine Damen und Herren, liebe Weltbürgerinnen und Weltbürger, ich grüsse Sie aus der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York, dem Herzen des Multilateralismus», sagt Baerbock. «Der heutige Tag markiert einen entscheidenden Schritt bei der Wahl des nächsten Uno-Generalsekretärs.» Eine Einleitung, welche die Bedeutung der Veranstaltung deutlich überinterpretierte.Zum Schluss der Debatte folgte ein weiterer Punkt, der mit der bisherigen Praxis brach. Die Zuschauer, darunter Diplomaten, Mitarbeiter der Uno und Vertreter der Zivilgesellschaft, stimmten über die sechs anwesenden Kandidaten ab.Für die Amerikaner war das ein Affront. Die Diplomatin Locetta sprach von einem unfairen, intransparenten und beispiellosen Vorgehen. Die meisten Zuschauer hätten gar keine offizielle Rolle bei der Wahl des Generalsekretärs. Hinzu kam, dass Baerbock den Sicherheitsrat laut Locetta zuvor aufgefordert hatte, nur Kandidaten in Erwägung zu ziehen, die sich auch bei der Generalversammlung vorgestellt hätten. Spätestens damit war für die Amerikaner wohl eine Grenze überschritten.Baerbock wünscht sich eine Uno-GeneralsekretärinBaerbock macht aus ihren Präferenzen für den Nachfolger von Guterres keinen Hehl. Die Deutsche sagte der «Süddeutschen Zeitung» im Juli, dass sie sich eine Frau wünsche. Auch bei der Debatte in New York betonte sie, dass der nächste Generalsekretär – «she or he» – die Weltbevölkerung vertrete, die bekanntermassen zur Hälfte aus Frauen bestehe. Um mit diesem Anliegen durchzudringen, nimmt sie es mit den Regeln offenbar nicht so genau.Dieses Muster zeigt sich auch in ihrem Weg nach New York. Eigentlich hätte an ihrer Stelle die erfahrene deutsche Diplomatin Helga Schmid sitzen sollen, frühere OSZE-Generalsekretärin und Chefunterhändlerin bei den Atomverhandlungen mit Iran. An ihrer Eignung für das Amt bestanden keinerlei Zweifel.Bevor sie den Posten hätte antreten sollen, zerbrach jedoch die deutsche Regierungskoalition. Baerbock, deren Grüne Verluste zu verzeichnen hatten, stand kurz davor, wieder einfache Bundestagsabgeordnete zu werden. Da schnappte sie Schmid den Posten weg. Ausgerechnet die Ministerin, die sich stets für ihre feministische Aussenpolitik rühmte.Zwischen hoher Diplomatie und «Go-to Bagel Spot»Baerbock fand auch dafür eine Erklärung im Sinne einer höheren Sache. Der Uno-Generalversammlung komme in diesen stürmischen Zeiten und mit einem notorisch blockierten Sicherheitsrat eine wichtige Rolle zu, sagte sie im vergangenen März. Das klang so, als wollte Baerbock das Amt der Präsidentin durch ihre Präsenz als ehemalige Ministerin aufwerten. Zur Wahrheit gehört aber wohl auch, dass sie ungern so abrupt auf ihr Leben in der internationalen Diplomatie verzichten wollte.Ihre Ankunft in New York inszenierte sie auf ihren Social-Media-Kanälen wie eine Influencerin. Sie zeigte sich beim Heranwinken eines Taxis auf High Heels, unterlegt von der New-York-Hymne «Empire State of Mind», oder beim Kaffeetrinken in ihrem «Go-to Bagel Spot». Es ging in den Beiträgen zu ihrem neuen Posten also weniger um die schwierigen diplomatischen Aufgaben die vor ihr lagen, als um sie persönlich.Ähnlich lief es auch in ihrer Zeit als Aussenministerin. Im Zusammenhang mit ihren Reisen in den Nahen Osten sprach das Auswärtige Amt selbstbewusst von «Pendeldiplomatie». Das für Deutschland so wichtige Verhältnis zu Israel hinterliess sie jedoch nach Streits mit dem Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu an einem Tiefpunkt. Entwicklungsländer, die sie anfangs mit ihrer feministischen Aussenpolitik besonders bedachte, attestierten ihr rückblickend «neo-koloniale Einmischung» und Ignoranz.Am Ende wiederholt sich damit in New York, was Baerbock auch schon in Berlin erlebte. Sie bleibt weniger mit ihren Idealen in Erinnerung als mit der Art und Weise, wie sie diese durchzusetzen versucht.Passend zum Artikel
Geriert sich als «diplomatischer Superstar»: Baerbocks letzte Tage bei der Uno werden von Kritik begleitet
Im September endet die Amtszeit der Deutschen als Präsidentin der Uno-Generalversammlung. Die Amerikaner bezeichnen sie spöttisch als «diplomatischen Superstar», weil sie ihre Kompetenzen überdehnt hat.












