Viele Menschen haben das Bedürfnis, ihre Blumenbeete und Balkonkästen in ein „Insektenparadies“ oder zumindest „Insektenbuffet“ zu verwandeln (Namen von Samenmischungen). Es fühlt sich einfach gut an, wenn im Lavendel-Pott vom Discounter ein Schild mit einer fröhlichen Biene steckt. Der moralische Gärtner verzichtet natürlich auf ästhetische Selbstsucht in Form gefüllter Dahlien oder Geranien, die Insekten keine Nahrung bieten. Damit diese Opferbereitschaft nicht unbemerkt bleibt, kann man sich entsprechende Hinweisschilder für den Garten kaufen, etwa „Bienenretter“ oder „Insekten-Tankstelle“.Ein Insekt ist jedoch meist aus dieser Liebe ausgeschlossen: die Wespe. Stattdessen wird ganz unverhohlen geklagt: Sie zerstört unsere Grillabende und Kaffeekränzchen, ja raubt die Sommerleichtigkeit. Die Wespe kann es uns einfach nicht recht machen. Wenn zu viele herumschwirren, wird über Wespenplagen gejammert. Sind es zu wenige, liest man vom Insektenschwund und davon, wie nützlich Wespen sind (sie jagen Insekten, die noch unbeliebter sind als sie selbst, wie Blattläuse). Wie steht es dieses Jahr? Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern sorgt für Klarheit: Es gibt derzeit viele Wespen.Müffeln für die GrillpartyAnders als bei den allseits beliebten Bienen quillt das Internet über vor eher fragwürdigen Tipps gegen Wespen. In der F.A.Z. wurde etwa geraten, auf Parfüm zu verzichten und sich nicht mehr die Haare zu waschen. Legen Wespen derart viel Wert auf Körperhygiene bei ihren Opfern? Sicher, die Tiere haben sehr feine Geruchsorgane. Dieser Tipp konsequent umgesetzt hat allerdings womöglich den Nebeneffekt, auch menschliche Besucher fernzuhalten. Im „Spiegel“ hingegen war zu lesen, das effektivste Gegenmittel sei ein Hornissenvolk im Garten. Wespen haben Angst vor Hornissen, Menschen aber leider auch. Fallen wiederum locken noch mehr Wespen an, zudem verenden sie offenbar recht qualvoll im Zucker-Spüli-Mix, was für Insektenfreunde ein moralisches Dilemma darstellt. Zudem senden gestresste Wespen Alarmpheromone aus, die andere Wespen herbeilocken und aggressiv stimmen.Der clevere Gärtner hat andere Optionen: Eine Blühmischung „Wespenfeind“ findet man nicht, aber es gibt durchaus Pflanzen, die Wespen theoretisch fernhalten könnten. Wespen mögen keine ätherischen Öle. Lavendel ist eine gute Wahl, was vor allem flüchtigen Terpenoiden zu verdanken ist, wie Linalool. Ebenso Zitronenmelisse, Basilikum oder Minze, die Poleiminze hat einen besonders intensiven Duft. Auch Duftgeranien sind keine Freude für Wespen. Offenbar mögen Wespen auch Ringelblumen nicht, ebenso wie den Geruch von Tomatenpflanzen oder Knoblauch. Doch bevor man nun Knoblauch neben der Terrasse pflanzt, ist zu klären: Gibt es wissenschaftliche Belege für diese häufig geäußerten Empfehlungen?Tatsächlich tauchen an Bienenstöcken durch ein paar Tropfen Lavendelöl weniger Wespen auf, es gab 75 Prozent weniger „aggressive Interaktionen“ zwischen den Tierchen, zeigte eine Studie. Ein Pestizidunternehmen hat 2012 21 ätherische Öle getestet. Wespen mieden viele davon, etwa Patschuli, Thymian, Minze, Llang Llang. Besonders effektiv war ein Mix aus Nelke, Geranium, Zitronengras und Rosmarin. Eine Einschränkung: Bislang wurden nur Öle untersucht, nicht die Pflanzen selbst. Gartenjournale hoffen schlicht, dass auch die Pflanzen einen Effekt haben. Getrocknete Blüten enthalten jedoch nur rund drei Prozent ätherische Öle. Schaden tut der Lavendel im Garten sicher nicht – immerhin ist er ja ein Bienen-Favorit. Verzichten sollte man jedoch auf Bärenklau und Efeu, die locken Wespen an. Obwohl man sich damit zumindest ein „Wespenfreund“-Schild verdient.