Ruhig steht Manuel Baum am Rand und beobachtet das Trainingsspiel. Nur manchmal gibt der Coach des FC Augsburg Anweisungen oder klatscht nach einer guten Aktion. Von Aufregung ist bei all dem keine Spur, weder bei Baum noch bei seiner Mannschaft. Etwas Hektik macht sich nur breit, als die Kinder unter den rund 50 Zuschauern den Spielern nach dem Training Stifte für Autogramme entgegenrecken und die Eltern die Handys für Erinnerungsfotos zücken.Es war kurz vor dem ersten Pflichtspiel der Saison an diesem Samstag bei Energie Cottbus auch deshalb interessant, das konzentrierte Arbeitsklima beim FC Augsburg zu erleben, weil es wie ein Gegenschnitt zu den Eindrücken aus dem vergangenen Sommer wirkte. Damals hatte Sandro Wagner seinen ersten Cheftrainerposten in der Bundesliga beim FCA angetreten und so viel mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen, dass sich der sonst so beschauliche Standort gefühlt fast schon zu einem Hotspot der Branche entwickelt hatte. Statt ruhig ging es aufgekratzt zu, und zu besichtigen war eine ungewohnte Unruhe auch in der Spielweise. Das änderte sich erst wieder, als Baum Anfang Dezember übernahm, nachdem sich die Augsburger von Wagner getrennt hatten und damit auch von jenem Rummel, der sich vor allem um ihn gedreht hatte und weniger um den FCA.Auch jetzt hält sich das Interesse an den Augsburgern in Grenzen, obwohl sie mit Baum eine ziemlich spektakuläre Flugkurve hingelegt haben und hoffnungsfroh in ihre 16. Bundesligasaison in Serie gehen können. Hinter ihnen liegt trotz des missratenen Starts unter Wagner mit zehn Punkten aus zwölf Spielen und dem frühen Aus im DFB-Pokal beim Zweitligisten VfL Bochum ja die drittbeste Saison der Vereinsgeschichte. Platz neun samt 43 Zählern stand am Ende in der Bilanz.„Mir ist wichtig, dass die Leistung die gleiche ist, und dann schauen wir mal, was an Punkten herauskommt“, sagt BaumAllein in der Rückrunde waren die Augsburger auf 28 Punkte gekommen. Mehr Ertrag hatten da nur der FC Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und der VfB Stuttgart erwirtschaftet, also jene Mannschaften, die auch in der Gesamttabelle die ersten vier Plätze belegten. Danach war es nur logisch, dass sich Baum mit Geschäftsführer Michael Ströll und Sportdirektor Benjamin Weber auf eine weitere Zusammenarbeit als Cheftrainer verständigte und seine vor einem Jahr angetretene Position als sogenannter „Leiter Entwicklung und Fußballinnovation“ endgültig aufgab.Fragt man Baum jetzt, was mit dem Aufschwung verbunden ist, spricht er von ehrgeizigen Zielen. Baum sieht keinen Grund, warum es nicht so erfolgreich weitergehen sollte. Festmachen will er das aber weniger an Punkten. „Mir ist wichtig, dass die Leistung die gleiche ist, und dann schauen wir mal, was an Punkten herauskommt“, sagt Baum, „man braucht im Fußball immer mal wieder das Momentum und ein bisschen Glück. Aber wenn die Leistung stimmt, dann wird das kommen. Und warum soll das nicht noch mal so sein?“ Also wie in der vergangenen Rückrunde.Man kann das wohl so sagen: Der FC Augsburg hat wieder zu sich selbst gefunden und deshalb an Aufmerksamkeit eingebüßt. Ein bisschen kurios ist es dabei schon, dass die Augsburger deutlich erfolgreicher spielen unter Baum, aber viel weniger Interesse auf sich ziehen als im Misserfolg unter Wagner. Doch künstlich und gegen sein Naturell will Baum nicht für Aufregung sorgen, ganz im Gegenteil. Geht es nach ihm, soll seine Mannschaft eher noch unaufgeregter werden, auch schon jetzt in Cottbus. „Mit einem coolen Selbstverständnis“, sagt Baum, solle die knifflige Pokalaufgabe bei dem Zweitliga-Aufsteiger gelöst werden, also mit jener Kühle, Konzentration und Schärfe, die erfolgreiche Favoriten auszeichnet. Zum Ausdruck kommen soll dabei „die Ambition, echt weit zu kommen“. Und zwar, so formuliert es Baum, „idealerweise irgendwann mal bis in die Stadt, wo es um den Pokal geht. Deswegen tritt man in so einem Wettbewerb an“. Bisher war das Viertelfinale 2024/25 das Maximum für den FCA.Neu in der Startelf ist zunächst wohl nur Linksverteidiger Hennes Behrens zu erwartenSo ruhig und sachlich, wie der 46 Jahre alte Baum die ehrgeizigen Vorhaben vorträgt, soll seine Mannschaft auch spielen. Von Vorteil könnte dabei sein, dass die Belegschaft weitgehend zusammengeblieben ist. Neu in der Startelf ist zunächst wohl nur Linksverteidiger Hennes Behrens zu erwarten. Der 21-Jährige war zuletzt von Hoffenheim an Heidenheim ausgeliehen und wurde nun vom FCA bis 2031 fest verpflichtet, nachdem sich Dimitrios Giannoulis in seine Heimat zu Paok Saloniki verabschiedet hat.Bei aller Überzeugung von der eigenen Stärke weiß Baum, dass sich die Augsburger schon einige Male gleich zu Saisonbeginn in der ersten Pokalrunde blamiert haben. Auch mit ihm als Trainer in seiner ersten Amtszeit beim FCA zwischen 2016 und 2019 ist das passiert, als sie sich in der Saison 2017/18 beim damaligen Drittligisten 1. FC Magdeburg aus dem Pokal verabschiedeten (0:2). Schon drei Jahre zuvor, als Magdeburg noch Viertligist war, waren sie dort ausgeschieden (0:1). Ebenso erging es ihnen 2019/20 beim damaligen Viertligisten SC Verl (1:2) und 2023/24 beim damaligen Drittligisten SpVgg Unterhaching (0:2). Auch jetzt gelten die Augsburger als einer jener Bundesligisten, die in der ersten Runde am ehesten gefährdet sein könnten. Im englischen Fußball wird als echte Bewährungsprobe ein nasskalter Abend in Stoke bezeichnet. Vielleicht ist ein warmer Augustnachmittag in Cottbus ja das deutsche Äquivalent. Und diesmal wolle man „mit einem super Gefühl heimkommen“, sagt Baum. Das heißt aus seiner Sicht: cool bleiben und gewinnen.