Satelliten reflektieren das Sonnenlicht und hinterlassen Spuren am Nachthimmel. Das beeinträchtigt sogar Teleskope im WeltraumDerzeit kreisen 13 000 aktive Satelliten um die Erde. Bis Ende der 2030er Jahre könnten es eine halbe Million sein. Für die Astronomie sind das erschreckende Aussichten.04.12.2025, 05.30 Uhr5 LeseminutenDiese Simulation zeigt am Beispiel des Arrakihs-Teleskops, wie stark astronomische Beobachtungen in Zukunft durch die Spuren von Satelliten gestört werden könnten.Borlaff, Marcum, Howell / NasaWenn man in einer sternklaren Nacht in den Himmel schaut, kann es passieren, dass man Zeuge eines seltsamen Phänomens wird: Lichtpunkte huschen über den Himmel, als wären sie an einer Perlenschnur aufgereiht. Für das Phänomen gibt es eine profane Erklärung. Bei den Lichtpunkten handelt es sich um Satelliten, die von der Sonne angestrahlt werden und das Licht reflektieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Was für Laien schön anzuschauen ist, ist für Astronomen ein Ärgernis. Denn die Satelliten hinterlassen auf Teleskopaufnahmen unerwünschte Lichtstreifen. Diese lassen sich zwar herausfiltern. Gibt es allerdings zu viele Streifen, können bei der Bereinigung der Bilder wichtige Informationen verlorengehen. Das betrifft vor allem Phänomene, die nur kurzzeitig sichtbar sind.Bis jetzt hat man vor allem untersucht, in welchem Ausmass Satelliten bodengestützte Teleskope beeinträchtigen. Doch das Problem hat eine grössere Dimension. Im Fachmagazin «Nature» warnen Forscher der Nasa davor, dass Satellitenkonstellationen auch die weltraumgestützte Astronomie bedrohen.Weltraumteleskope sind umgeben von SatellitenDerzeit gibt es ungefähr 13 000 aktive Satelliten. Die meisten davon sind Kommunikationssatelliten, die in einer Höhe von 300 bis 1200 Kilometern um die Erde sausen. In diesem erdnahen Bereich kreisen auch einige Weltraumteleskope um die Erde. Vor der Lichtverschmutzung auf der Erde sind sie geschützt. Doch ihre Sicht wird durch die lichtreflektierenden Satelliten beeinträchtigt.Während der Beobachtung von zwei interagierenden Galaxien mit dem Hubble-Weltraumteleskop fliegt ein Satellit durchs Bild und hinterlässt eine Leuchtspur.Space Telescope Science Institute / NasaDass da ein Problem auf die weltraumgestützte Astronomie zurollt, hat sich bereits vor drei Jahren abgezeichnet. Forscher der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und von Google hatten im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops ausgewertet. Auf 4,3 Prozent der Aufnahmen, die zwischen 2018 und 2021 gemacht worden waren, fanden sie mindestens einen Streifen eines Satelliten.Damals gab es längst noch nicht so viele Satelliten wie heute. Das amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX hatte gerade erst damit begonnen, seine Starlink-Satellitenkonstellation aufzubauen. Heute besteht diese aus 9000 aktiven Satelliten, die schnelles Internet in abgelegene Gegenden bringen. Auch andere Firmen haben damit begonnen, ähnliche Konstellationen zu errichten.Bis 2030, so eine Schätzung der ESA, dürften bereits 100 000 Satelliten um die Erde kreisen. Wenn man alle Gesuche zusammenzählt, die bei der Internationalen Fernmeldeunion und der amerikanischen Federal Communications Commission für Satellitenkonstellationen eingereicht wurden, könnten es bis Ende der 2030er Jahre sogar mehr als eine halbe Million Satelliten sein.Aktive Satelliten im Orbit zwischen 1958 und 2038. Eingezeichnet sind die Umlaufbahnen von vier Weltraumteleskopen.Was das für die weltraumgestützte Astronomie bedeuten würde, haben nun Forscher des Ames Research Center der Nasa in Moffett Field in Kalifornien untersucht. Die Gruppe simulierte den Effekt der Satelliten auf die Beobachtungen von vier Weltraumteleskopen. Dabei gingen die Forscher von der Zahl, der Grösse, der Geometrie und den Bahndaten der Satelliten aus, die in den Gesuchen genannt werden.Das Hubble-Teleskop dürfte in Zukunft viel seltener eine freie Sicht auf den Himmel haben. Laut den Simulationen wird auf 40 Prozent der Aufnahmen mindestens ein Satellitenstreifen zu sehen sein. Das entspricht einer Verzehnfachung gegenüber dem Zeitraum 2018 bis 2021. Im Mittel werden es zwei Streifen pro Bild sein.Noch härter trifft es drei andere Teleskope, die die Nasa-Forscher exemplarisch untersucht haben. Mit dem Spherex-Teleskop durchmustert die Nasa seit März den Himmel im nahen Infrarotbereich. Die ESA will ab 2030 mit dem Arrakihs-Teleskop Modelle der dunklen Materie überprüfen. Und auch das chinesische Xuntian-Teleskop ist betroffen. Es soll ab nächstem Jahr zusammen mit der chinesischen Raumstation um die Erde kreisen. Bei diesen drei Teleskopen könnten mehr als 96 Prozent der Bilder durch Streifen verunstaltet werden.Dass die Weltraumteleskope unterschiedlich stark betroffen sind, lässt sich teilweise durch ihre unterschiedliche Flughöhe erklären. So kreist das chinesische Teleskop in einer Höhe von nur 450 Kilometern um die Erde und hat damit die meisten Satelliten über sich. Die Simulationen der Nasa-Forscher zeigen, dass auf jeder Aufnahme des Teleskops im Mittel 92 Streifen zu sehen sein werden.Neben der Umlaufbahn eines Teleskops spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle. So profitiert das in einer Höhe von 540 Kilometern fliegende Hubble-Teleskop von seinem kleinen Sichtfeld, das seltener von Satelliten durchkreuzt wird. Auch die Belichtungszeit, das räumliche Auflösungsvermögen und die Ausrichtung eines Teleskops haben einen Einfluss darauf, wie häufig auf den Bildern Satellitenstreifen zu finden sein werden.Die Handlungsmöglichkeiten sind begrenztAstronomen können nur wenig gegen das störende Licht tun. Weil die Satelliten vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung zu sehen sind, könnten sie auf die Nachtstunden ausweichen. Das ist jedoch nicht immer möglich. Zudem reflektieren hochfliegende Satelliten das Sonnenlicht auch dann, wenn die Sonne längst untergegangen ist.Deshalb sucht die Internationale Astronomische Union (IAU) den Kontakt zu Satellitenbetreibern, um gemeinsam Lösungen zu finden. So gibt es Versuche, die Oberfläche von Satelliten schwarz zu färben, so dass sie das Sonnenlicht weniger stark reflektiert. «Das hilft jedoch nur bedingt», sagt Willy Benz, der Präsident der IAU. Die Satelliten seien vielleicht nicht mehr mit blossem Auge zu erkennen. Für die empfindlichen Teleskope seien sie aber immer noch zu hell.Eine naheliegende Lösung wäre es, Satellitenkonstellationen in Zukunft tiefer fliegen zu lassen als Weltraumteleskope. Dann würden die Satelliten aber stärker von der dünnen Atmosphäre abgebremst und schneller verglühen. Die Satellitenbetreiber dürften kaum gewillt sein, ihre Satelliten alle paar Jahre zu ersetzen.Zudem würden beim Verglühen der Satelliten vermehrt metallhaltige Aerosolpartikel in die oberen Schichten der Erdatmosphäre eingetragen. Es gibt Befürchtungen, dass diese Partikel die Ozonschicht schädigen könnten.Nicht alle Weltraumteleskope sind durch Satellitenkonstellationen im erdnahen Weltraum bedroht. So kreist das James-Webb-Teleskop um einen Punkt, der 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Und auch von der Rückseite des Mondes liesse sich der Nachthimmel im Prinzip ungestört beobachten. Weltraumteleskope an diese geschützten Orte zu bringen, sei jedoch sehr teuer, sagt Willy Benz. Für Teleskope der mittleren Preisklasse komme das nicht infrage.Benz sieht deshalb nur einen Ausweg. Man müsse durch Regulierungen die Zahl der Satelliten im erdnahen Weltraum begrenzen. Es gelte, eine Lösung zu finden, mit der sowohl die Astronomen als auch die Satellitenbetreiber leben könnten.Passend zum Artikel
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Derzeit kreisen 13 000 aktive Satelliten um die Erde. Bis Ende der 2030er Jahre könnten es eine halbe Million sein. Für die Astronomie sind das erschreckende Aussichten.






