Wenn ausnahmsweise alles nach Plan läuft, soll im Sommer 2027 ein weiteres Stück Berlin fertig sein: eine 38 Meter breite Treppe am Kanal vor dem falschen Stadtschloss, mit schattenspendenden Bäumen und Sitzgelegenheiten. Die Treppe soll „zur Stärkung der Aufenthaltsqualitäten im Bereich der Spreeinsel“ beitragen, wünscht sich die Senatsverwaltung. Aber sie ist schon jetzt ein Denkmal gescheiterter Visionen. Denn ursprünglich sollte sie Teil eines Flussbads werden, wie es früher viele an der Spree gab, über 30 davon, bis vor 101 Jahren das Baden aus gesundheitlichen Gründen verboten wurde. Nur leider hat man vergessen, die Spree in die Pläne einzuweihen, jedenfalls machte die bisher keine Anstalten, ihre Wasserqualität so zu verbessern, dass ein unbesorgter Badespaß möglich wäre. Nun steht die Treppe da wie ein Sprungturm ohne Becken. Immerhin hat Berlin das Bad, dass es nicht ermöglichen will, jahrelang konsequent mit Millionen gefördert.Dass es in Paris, Kopenhagen oder Basel heute wieder möglich ist, in den Flüssen zu baden, in Berlin aber nicht, liegt auch daran, dass selbst so eine optimistische Idee in Berlin im Kulturkampf untergeht. Denkmalschützer scheinen, bei aller Liebe zur Rekonstruktion, die Idee eines Comebacks historischer Stadtbadekultur für ein besonders versifftes Projekt zu halten – nicht wegen der Wasserqualität, sondern weil sie finden, dass so ein öffentliches Geplansche nicht zum preußischen Klassizismus der Kulisse passt.Auch für illegales Schwimmen braucht es gute Bedingungen: gestrandete Flussbad-Demo am Berliner SchinkelplatzPicture AllianceDie Bade-Aktivisten dagegen scheinen der Ansicht zu sein, man könne schon allein durch einen beherzten Köpfer in die städtische Brühe für die Bedingungen sorgen, die das Baden in der Spree zu einem unbedenklichen Vergnügen machen, und reden sich das Wasser sauber. Das wiederum erinnert eher an die trotzige Haltung des damaligen CDU-Umweltministers Klaus Töpfer, der 1988 in den Rhein sprang, um dessen Sauberkeit zu beweisen. So dreht sich die Debatte im Kreis: Baden bleibt verboten, weil die Spree zu dreckig ist, sagen die einen; die Spree ist zu dreckig, weil das Baden verboten ist, sagen die anderen. Das Abwasser fließt weiter in den Fluss.Am Donnerstag hat der Verein „Flussbad Berlin“, der schon seit 2012 für die Rückeroberung der Spree als Badegewässer kämpft, wieder einmal zum Protestschwimmen eingeladen, diesmal solidarisch unterstützt von Bademeister Matthias Lilienthal und den Genossen des „Volksbads“. Leider lag die Konzentration von E.-coli-Bakterien 2,5 Mal höher, als vertretbar gewesen wäre, „der schwimmende Teil der Demo“ fiel aus, zum wiederholten Mal. Dabei hatten die Veranstalter bis zum Schluss ganz doll gehofft, dass sich die Wasserqualität verbessert. Hat aber nichts geholfen.