Frankfurt. In einem kleinen Dorf in Nordsachsen, eine gute halbe Stunde Autofahrt von Leipzig entfernt, will das Münchener Start-up Hades Mining seltene Erden fördern. Es wäre das erste Seltenerdprojekt in Deutschland.Doch ist der Abbau des Vorkommens in Storkwitz überhaupt wirtschaftlich? Bereits 2012 hat ein deutsches Unternehmen dort Probebohrungen genommen, gab das Projekt aber wenige Jahre später wegen mangelnder Rentabilität wieder auf. Was hat sich seitdem verändert?Der Chef von Hades äußert sich mehr als zuversichtlich: „Es handelt sich um ein attraktives Vorkommen, das das Potenzial dazu hat, Europa zu helfen, sich bei seltenen Erden unabhängiger von China zu machen“, sagt Max Werner.Für Hades könnte das Projekt außerdem eine Möglichkeit sein, seine Technologie zu testen und zu demonstrieren. Das 2025 gegründete Start-up hat eine Laserbohrtechnologie entwickelt, um kritische Rohstoffe abzubauen und Geothermie, also die Nutzung von Wärme aus dem Inneren der Erde, effektiver zu gestalten. Das Unternehmen hat dafür 20,5 Millionen Euro Risikokapital eingesammelt, unter anderem von den deutschen Wagniskapitalgebern HV Capital und Headline.Mit dem Laserbohrer könnten Rohstoffe deutlich schneller und kostengünstiger abgebaut werden als mit herkömmlichen Bohrern, erklärt Vorstandschef Werner. Das erhöhte die Wirtschaftlichkeit von Rohstoffprojekten weltweit, sagt er.Hades will aber, anders als in der Bergbaubranche üblich, kein reiner Servicedienstleister sein – also die Technologie entwickeln und an Bergbaukonzerne verkaufen. Das Unternehmen will auch selbst Rohstoffprojekte entwickeln und dort seine eigene Technologie anwenden.Der erste Schritt soll nun das Seltenerdvorkommen in Storkwitz sein. Die Explorationslizenz dafür hat das Unternehmen nach eigener Angabe vor wenigen Monaten erst beantragt und nun vom sächsischen Oberbergamt erhalten.Vorkommen bereits gut untersuchtDass es in Storkwitz seltene Erden gibt, gilt bereits als belegt: „Das Vorkommen ist bereits gut untersucht“, sagt Werner. Bereits in der DDR sei dort gebohrt und seltene Erden nachgewiesen worden, berichtet er.Diese historischen Befunde seien 2013, als ein deutsches Unternehmen das Vorkommen erkundete, aktualisiert und in einen sogenannten Jorc-Report überführt worden. Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Dokument für Bergbauunternehmen, das den Fund und die Menge von Mineralien oder Erzen offiziell bestätigt.Bohrkern einer Erkundungsbohrung nach Zinn in Gottesberg im sächsischen Vogtlandkreis: Dass in Nordsachsen Seltene Erden lagern, ist seit DDR-Zeiten bekannt. Foto: dpaDem Jorc-Report zufolge handelt es sich um mindestens 20.000 Tonnen seltene Erden, davon etwa 2900 Tonnen Neodym, wie Werner sagt. Neodym wird unter anderem für Permanentmagneten von Elektrofahrzeugen benötigt und ist daher für die Autoindustrie unverzichtbar.Für wie sinnvoll wird ein Abbau erachtet?Doch dass der Abbau zu wettbewerbsfähigen Preisen möglich ist, bezweifeln Experten. So findet etwa Geologe Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) klare Worte: „Ich persönlich glaube nicht daran, dass es jemals zu einem Abbau kommen wird“, sagt er. Dafür sei das Vorkommen zu klein, sitze zu tief und sei zu niedriggradig, erklärt Elsner.Rohstoffe Milliardeninvestement in Seltene Erden aus Brasilien: Sind die USA auf dem richtigen Weg? So liege der Erzgehalt bei 0,45 Prozent. „Die Chinesen fangen erst ab einem Erzgehalt von einem Prozent an abzubauen, weil die Vorkommen dann erst profitabel sind“, erklärt Elsner. Zudem handele es sich um eines der zehn kleinsten Vorkommen, die jemals weltweit erkundet wurden, sagt er weiter. Das Fen-Vorkommen in Südnorwegen etwa ist seiner Einschätzung nach 800-mal so groß.Westliche Seltenerdprojekte können selbst unter günstigen Bedingungen kaum mit China konkurrieren. Durch langjährige Investitionen, technologische Vorteile und staatliche Subventionen bietet China Rohstoffe zu Preisen an, die marktwirtschaftlich agierende Wettbewerber kaum erreichen. Zudem war die Industrie bislang nicht bereit, für Rohstoffe aus nicht-chinesischen Quellen höhere Preise zu zahlen.