Herr Stadtrat, Sie planen eine Sexparty im Mannheimer Rathaus. Wann ist es so weit?Das wird sich noch zeigen. Zunächst muss geprüft werden, wer von den 50 Interessenten, die sich auf die erste Ankündigung hin gemeldet haben, ernsthaft dabei sein will. Da wird es auf jeden Fall noch mal einen Aderlass geben.Sie wollen Neulinge zu einem „verbindlichen Gruppensex-Training“ laden, „damit bei der politischen Swingerparty niemand unvorbereitet ist“. Wie soll man sich das vorstellen?Es geht darum, bei den Leuten, die nicht Teil der Swingerszene sind, herauszufinden, ob sie ernsthaftes Interesse haben. Es ergibt wenig Sinn, wenn die Leute nur am Rand rumstehen und zugucken oder spontan das Handy rausholen und filmen. Außerdem ist es entspannter, wenn man sich vorher kennengelernt hat und ein bisschen Connection da ist. Und schließlich ist es für die Neulinge auch eine ungewohnte Situation, Stichwort Erektion. Da ist es hilfreich, vorher Gruppensex im kleinen Rahmen gehabt zu haben.Schön und gut. Aber gehört so etwas ins Rathaus? Dass das allein wegen seiner zentralen Lage „perfekt geeignet“ sei, wie Sie schreiben, überzeugt jetzt nicht auf Anhieb.Prinzipiell ist Feiern im Rathaus kein Problem. In München gibt es zum Beispiel das sogenannte Rathaus Clubbing, wo quasi das Rathaus in eine Disko verwandelt wird. Im Mannheimer Rathaus ein, zwei, drei Räume herzurichten – je nachdem, wie groß das Interesse ist –, wäre prinzipiell machbar.Die Begeisterung von behördlicher Seite dürfte sich in Grenzen halten.Momentan ist es ein Abtasten auf beiden Seiten. Aber jetzt geht es erst mal darum, die Personenanzahl zu klären, denn damit ist die Raumfrage eng verbunden.Auf der Seite der Wählervereinigung „Die Mannheimer“, der Sie angehören, werden Sie ganz trocken als Politiker beschrieben, der „gegen steigende Mieten, für mehr Sicherheit und für eine gute Gesundheitsversorgung“ eintritt. Ist das mit dem Swingen nur PR?Nein, aber es ist nur ein Teilbereich meiner Arbeit, der von den Medien allerdings stärker aufgegriffen wird als die anderen.Was Sie aber auch provozieren, indem Sie sich einen „Politiker zum Anfassen“ nennen oder die Parole ausgeben: „Gruppensex mit dem Stadtrat dürfte das Nonplusultra an Bürgernähe sein.“Formulierungen, die zum Schmunzeln anregen, sind nur der Aufhänger. Dahinter steht eine ernsthafte Botschaft, die allerdings von Boulevardmedien oft weggelassen oder stark verkürzt dargestellt wird.Ihr Anliegen haben Sie vergangenes Jahr in einem zehnseitigen Konzeptpapier umrissen, das im Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim unter dem Aktenzeichen A328/2025 zu finden ist.Ja, genau. Ich will ein FKK-Swingerparadies in Mannheim schaffen.Wenn ich es richtig verstanden habe, ein Dorf für 1000 bis 2000 Gäste nach dem Vorbild des „village naturiste“ im französischen Cap d’Agde.Ja, dorthin haben wir letztes Jahr ja auch eine politische Bildungsfahrt gemacht, eine Mischung aus Urlaub und Bildungsprogramm.Das heißt?Es kam zu Gruppensex unter den Teilnehmern, ist kein Geheimnis. Aber wir haben auch viele Hintergrundgespräche vor Ort geführt und so einen sehr guten Überblick zu dem Projekt gewonnen. Das ist eines der interessantesten kommunal verwalteten Nischen-Tourismus-Projekte weltweit. Und wenn man sich anguckt, dass das in einer Zeit entstanden ist, in der die Kommunen in Frankreich in Not waren, wie jetzt bei uns, könnte man davon lernen. Da hat man nicht gesagt: Wir sparen jetzt alles kaputt, sondern: Wir ergreifen jetzt sinnvolle Infrastrukturmaßnahmen. Man hat erkannt, dass FKK-Tourismus eine Marktlücke ist. So wurde aus dem privat betriebenen Campingplatz, den es da vorher gab, zunächst ein FKK- und dann ein FKK- und Swingerdorf. Das beschert der Stadt Agde jährlich Millioneneinnahmen.In Ihrem Konzeptpapier treten Sie diversen Einwänden entgegen. So solle nicht die Stadt die Swingerclubs betreiben, sondern deren Betrieb in private Hand legen, aber vom Eintritt profitieren. So wie in städtischen Schwimmbädern privat betriebene Kioske geführt würden.Ja, das funktioniert dort gut. Wäre doch besser, so an mehr Geld zu kommen als durch Steuer- oder Gebührenerhöhungen.Die Mannheimer scheinen bisher skeptisch.Mein Anliegen ist zunächst mal, das Thema medial etwas mehr in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und zu enttabuisieren. Meiner Beobachtung nach ist es weiter verbreitet, als die Berichterstattung annehmen lässt, übrigens durch alle politischen Lager hindurch. Bei der Bildungsfahrt nach Frankreich war das gesamte politische Spektrum von links bis rechts abgedeckt. Und in der größten Online-Swinger-Community Deutschlands sind mir auch schon Profile von Politikern verschiedener anderer Parteien aufgefallen.