Damit hatte in Baden-Württemberg wohl niemand gerechnet: Der Mannheimer Stadtrat Julien Ferrat, der im vergangenen Jahr mit einer Einladung zu einer politischen Bildungsreise in eine FKK-Anlage in Frankreich bundesweit Aufsehen erregte, verfolgt neue Pläne. Doch die kommen nicht gut an, zumindest nicht bei der Stadt Mannheim. Denn in deren Rathaus möchte der Politiker der Wählervereinigung „Die Mannheimer“ eine Swingerparty organisieren.Die Party soll nach Worten des Kommunalpolitikers unter dem Motto „Ein FKK-Swinger-Paradies für Mannheim“ stehen. Der 35-Jährige erklärte am Donnerstag dazu: „Das Rathaus ist zentral gelegen und somit für Swingerpartys perfekt geeignet. Es gibt keine Hausordnung oder kommunale Satzung, die Swingerpartys im Rathaus explizit verbietet.“Und er fügte gleich ein wirtschaftliches Argument hinzu: „Ein FKK-Swinger-Paradies in Mannheim würde jährlich Millionen in die Stadtkasse spülen.“ Sollte die Swingerparty im Rathaus von der Mannheimer Stadtverwaltung untersagt werden, werde er den Rechtsweg beschreiten. „Notfalls ziehe ich bis vor das Bundesverfassungsgericht.“Mir ist es wichtig, von Bürgernähe nicht nur abstrakt zu reden, sondern Bürgernähe auch praktisch zu leben.Julien Ferrat, Stadtrat in MannheimFerrat betonte in seiner Mitteilung: „Mir ist es wichtig, von Bürgernähe nicht nur abstrakt zu reden, sondern Bürgernähe auch praktisch zu leben. Die Veranstaltung richtet sich an neugierige und aufgeschlossene Bürger der Stadt Mannheim, die Kommunalpolitik von einer neuen Seite erleben möchten.“ Stadt Mannheim äußert erhebliche Zweifel Die Stadt Mannheim reagierte nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa am Freitag eher ausweichend auf die Ankündigung. „Zu der von Stadtrat Julien Ferrat angekündigten Veranstaltung liegen der Stadt Mannheim bisher keine konkreten Informationen vor“, hieß es. Mannheim ist mit rund 320.000 Einwohnern nach Stuttgart die zweitgrößte Stadt in Baden-Württemberg.Anhand der bisher bekannten und spärlichen Informationen bestünden erhebliche Zweifel an der Zulässigkeit und Durchführbarkeit der von ihm genannten Pläne, schrieb die Stadt auch an Ferrat selbst, wie dieser mitteilte. Die Stadt äußerte sich nicht dazu, auf welcher Grundlage und wann über das ungewöhnliche Ansinnen entschieden werden könnte. Stadt Mannheim steht in Kontakt mit Ferrat Der Kommunalpolitiker gab an, es hätten sich schon die ersten Interessenten gemeldet. „Insofern wird auf jeden Fall eine politische Swingerparty stattfinden – idealerweise im Rathaus, notfalls in privaten Räumlichkeiten“, sagte er der dpa. Der Mannheimer Stadtrat Julien Ferrat posiert mit einem Einladungsplakat vor dem Rathaus. © Foto: privat/Julien Ferrat Ferrat zufolge hat die Stadt bereits Kontakt mit ihm aufgenommen und nach konkreteren Informationen gefragt. „Es ist ein Abtasten auf beiden Seiten“, sagte er der dpa. In einer E-Mail der Stadt an Ferrat, aus der die Agentur zitiert, hieß es: „Bislang haben Sie diesbezüglich noch keinen Antrag auf Raumüberlassung gestellt. Unsere Zweifel hinsichtlich der Zulässigkeit eines derartigen Vorhabens hatten wir Ihnen bereits mitgeteilt.“ Aufruf im Amtsblatt von Stadt unterbunden Ferrat hatte eigentlich vorgehabt, auch diesen Aufruf am Donnerstag im Amtsblatt zu veröffentlichen. Das verhinderte die Stadt jedoch. Dies war laut dem Stadtrat damit begründet worden, dass mit dem Aufruf für die Leser eventuell irreführende Informationen verbreitet werden könnten. Er wolle seinen Beitrag für das Amtsblatt nun überarbeiten und erneut eine Veröffentlichung beantragen, sagte er der dpa.Schon im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat für Aufsehen und Empörung gesorgt, als er eine Anzeige im Amtsblatt veröffentlicht und dabei zu einer „Politischen Bildungsfahrt nach Cap d'Agde“ in Frankreich aufgerufen hatte.Zu Cap d'Agde an der französischen Mittelmeerküste gehört die FKK-Anlage Village Naturiste. Dort hatte Ferrat dann mit seiner Reisegruppe von knapp 30 Teilnehmern im August 2025 einige Tage verbracht.Die CDU hatte 2025 den Beitrag im Amtsblatt scharf kritisiert. „Ich finde den Aufruf an der Stelle hirnverbrannt, weil ich glaube, dass er der Politik eher schadet“, sagte Christian Hötting, CDU-Kreisvorsitzender in Mannheim.„Ich kann da nichts Sinnvolles drin erkennen, was die Stadt, was die Menschen in dieser Stadt nach vorne bringt. Es ist einfach nur so ein bisschen zum Fremdschämen“, so Hötting. Die Stadtverwaltung hielt sich damals mit einer Bewertung des Beitrags zurück. (lem)