Aktivisten von Tiananmen-Mahnwachen in Hongkong verurteilt – ihnen drohen lange HaftstrafenLange erinnerten Menschen in Hongkong an die blutige Niederschlagung der Proteste in Peking 1989. Zwei frühere Organisatoren wurden nun verurteilt. Deutschland und Frankreich fordern ihre sofortige Freilassung.21.08.2026, 12.09 Uhr2 LeseminutenChow Hang-Tung spricht im Jahr 2021 vor Journalisten.AP(dpa/Reuters) Ein Gericht in Hongkong hat zwei prodemokratische Aktivisten und frühere Mitorganisatoren einer jährlichen Mahnwache für das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989 schuldig gesprochen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Lee Cheuk-Yan und Chow Hang-Tung samt ihrer Organisation zwischen Juli 2020 und September 2021 zum Umsturz der Staatsmacht angestiftet hatten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Strafmass wird erst später verkündet. Den beiden drohen nach dem nationalen Sicherheitsgesetz, das Peking der chinesischen Sonderverwaltungsregion auferlegt hatte, bis zu zehn Jahre Haft. Lee und Chow hatten sich zu den Vorwürfen nicht schuldig bekannt. Ein dritter Angeklagter, Albert Ho, hatte sich schuldig bekannt.Laut den Richtern sollen die Angeklagten zum «Ende der Ein-Partei-Diktatur» aufgerufen haben. Damit hätten sie versucht, die Legitimität der Regierungsgewalt der Kommunistischen Partei Chinas infrage zu stellen, hiess es im Urteil weiter.Einzige Andacht auf chinesischem BodenDie Hong Kong Alliance in Support of Patriotic Democratic Movements of China organisierte lange die Kerzenandacht, bei der Menschen der Opfer der blutigen Niederschlagung der Tiananmen-Proteste in Peking am 4. Juni 1989 gedachten. Es war das einzige öffentliche Gedenken auf chinesischem Boden. Die Mahnwachen waren auch Ausdruck der politischen Freiheiten, die Peking der ehemaligen britischen Kronkolonie nach ihrer Rückgabe an China zugesagt hatte. In Festlandchina werden die Ereignisse des 4. Junis zensiert und tauchen weder in Medien noch in offiziellen Geschichtsbüchern auf.Seit der Einführung des nationalen Sicherheitsgesetzes 2020 als Reaktion auf heftige Proteste in Hongkong findet die Mahnwache nicht mehr statt. Die Verurteilung der Aktivisten zeige, wie öffentliche Trauerbekundungen in Hongkong zu einem Verbrechen geworden seien, teilte die Asienleiterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit.Deutschland und Frankreich fordern FreilassungRegierungen weltweit sollten sich für jene Hongkonger einsetzen, die dafür bestraft würden, Peking für die Auslöschung der Freiheiten Hongkongs zur Rechenschaft zu ziehen, erklärte sie.Erste Staaten reagierten am Freitag denn auch bereits auf die Verurteilung. «Deutschland und Frankreich bedauern zutiefst das Schuldspruch gegen die Menschenrechtsanwältin und Demokratieaktivistin Chow Hang-Tung», hiess es in einer gemeinsamen Erklärung der Aussenministerien beider Länder. Man fordere ihre sofortige Freilassung und appelliere an die Behörden in Peking und Hongkong, Bürgerrechte und Freiheiten zu achten.