Was wurde aus dem mutigen Kampf gegen die Diktatur in Minsk? Passen die Ideale von einst noch zum Alltag – im Exil und im Land selbst?
Straßenszene in Minsk, 2025
Itar Tass/imago
I ch verließ Belarus Ende 2020. Das war weniger als ein halbes Jahr nach der berüchtigten Präsidentschaftswahl. Seit ich weg war, schaute ich auf die Menschen von herab, die in Belarus geblieben waren. Ich gab ihnen die Schuld daran, dass sich mein Leben so abrupt verändert hatte: Sie hätten nicht genug gekämpft, sie seien feige gewesen, sie hätten die Freiheit nicht ausreichend geschätzt.
Jahrelang dachte ich, ich würde erst in ein Belarus der Zukunft zurückkehren wollen, in ein ideales Land, das zu einer vorbildlichen Demokratie geworden wäre. Solange dort aber alles so blieb, wie ich es verlassen hatte, empfand ich Belarus schlicht als abstoßend.







