PfadnavigationHomePolitikDeutschlandZahlen der BundesregierungDeutlich mehr Ausreisen als Abschiebungen – Charterflug nach Pakistan kostete 518.000 EuroStand: 07:58 UhrLesedauer: 4 MinutenBeamte der Bundespolizei bringen einen Mann auf einen Abschiebeflug nach PakistanQuelle: picture alliance/dpa/Boris RoesslerNur rund die Hälfte der Ausreisepflichtigen hat im ersten Halbjahr die staatliche Förderung für die freiwillige Ausreise genutzt. Ein Charterflug nach Pakistan kostete dagegen rund 518.000 Euro und war damit der teuerste Abschiebeflug im ersten Halbjahr.In der ersten Hälfte dieses Jahres haben deutlich mehr ausreisepflichtige Ausländer Deutschland freiwillig verlassen, als abgeschoben wurden. Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion ließen sich 17.892 Menschen ihre Ausreise mit einer Grenzübertrittsbescheinigung bestätigen. Im selben Zeitraum wurden 9663 Menschen abgeschoben.Nach Angaben der Bundesregierung erhielten 9276 Ausreisepflichtige, die freiwillig ausreisten, Fördermittel des Bundes in Anspruch. Die Zahl der Abschiebungen sank gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres um 18,2 Prozent. Rund 9000 weitere Abschiebungsversuche scheiterten laut „Bild“-Zeitung. Zuständig für die Rückführungen sind in erster Linie die Ausländerbehörden der Länder, die dabei von der Bundespolizei unterstützt werden.Lesen Sie auchLaut Bundesregierung lebten in Deutschland zur Jahresmitte knapp 259.000 Ausreisepflichtige, von denen 77 Prozent eine Duldung besaßen. Eine Duldung gibt es, wenn die Abschiebung vorübergehend nicht möglich ist, etwa weil ein Reisedokument fehlt oder jemand krank ist.Etwas mehr als 60 Prozent der Ausreisepflichtigen, die sich Ende Juni in Deutschland aufhielten, waren abgelehnte Asylbewerber. Ausreisepflichtig werden können unter anderem auch Arbeitsmigranten, die keine Beschäftigung mehr haben, Touristen mit abgelaufenem Visum oder ehemalige Studenten, die keinen neuen Aufenthaltstitel erhalten haben.Widerstand erschwert Abschiebungen – Piloten weigern sichHäufig scheitern geplante Abschiebungen, weil jemand nicht gefunden wird. Auch rechtliche Gründe oder gesundheitliche Probleme können dazu führen. Bei den 734 Abschiebungen, die im ersten Halbjahr dieses Jahres nach der Übernahme durch die Bundespolizei scheiterten, waren Widerstandshandlungen in 130 Fällen der Grund. In 56 Fällen gab es medizinische Bedenken, wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht.Lesen Sie auchZugenommen hat den Angaben zufolge die Zahl der Piloten, die sich weigern, Ausreisepflichtige in der von ihnen gesteuerten Linienmaschinen zu befördern. Im ersten Halbjahr 2026 kam dies in 280 Fällen vor. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2025 hatte es 514 solche Fälle gegeben. Die Beweggründe der Piloten werden von der Bundesregierung nicht statistisch erfasst.Lesen Sie auchDer Einsatz körperlicher Gewalt als „Hilfsmittel“ wurde im ersten Halbjahr 2026 bei der Abschiebung von insgesamt 786 Menschen dokumentiert. Zu den angewandten Methoden zählen typischerweise Fesselungs- und Fixierungsmittel. Besonders oft wurden diese Maßnahmen bei Abschiebungen nach Algerien, Marokko und Nigeria angewendet.„Auch wenn die absolute Zahl leicht abgenommen hat: Abschiebungen werden immer rigider durchgesetzt“, kommentiert die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger, die von der Bundesregierung vorgelegten Zahlen. Sie fordert „humanitäre Bleiberechtsregeln statt Abschiebungen um jeden Preis.“ Erschreckend findet die Abgeordnete, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres 84 Menschen in die Russische Föderation abgeschoben wurden, nach 126 Abschiebungen dorthin im Gesamtjahr 2025.Teuerster Abschiebeflug führt nach PakistanDie Linksfraktion hat die Bundesregierung auch um eine Aufstellung der Kosten für die Sammelabschiebungen im ersten Halbjahr dieses Jahres gebeten. Die Liste zeigt, dass eine Abschiebung vom Flughafen Leipzig/Halle nach Pakistan vom vergangenen Mai der in Bezug auf das Fluggerät mit rund 518.000 Euro der teuerste Abschiebeflug in diesem Zeitraum war. Allerdings gab es bei dieser Abschiebung den Angaben zufolge eine Finanzierung des Charterfluges durch die EU-Grenzschutzagentur Frontex. An Bord waren demnach 33 Ausreisepflichtige und 75 Bundespolizisten.Keine Finanzierung durch Frontex gab es bei zwei Sammelabschiebungen nach Afghanistan im April und Juni dieses Jahres, die jeweils Flugkosten von mehr als 300.000 Euro verursachten.Jeweils rund 400.000 Euro kosteten mehrere von Frontex finanziell unterstützte Flüge nach Nigeria, wobei teilweise neben Nigeria auch andere afrikanische Staaten wie Ghana, Gambia, Guinea-Bissau oder Senegal angesteuert wurden. Für die Sicherheitsbegleitung bei Rückführungen sind dem Bund im ersten Halbjahr 2026 Kosten in Höhe von rund 5,93 Millionen Euro entstanden.Kosten entstehen aber auch auf anderer Seite: In 867 Fällen verhängte die Bundespolizei nach Regierungsangaben im ersten Halbjahr ein Zwangsgeld gegen eine Fluggesellschaft, weil sie einen Ausländer ohne gültigen Aufenthaltstitel beziehungsweise Pass nach Deutschland gebracht hatte. Die Gesamtsumme lag bei rund 1,46 Millionen Euro. Pro unrechtmäßiger beförderter Person werden laut Gesetz zwischen 1000 Euro und 5000 Euro fällig.dpa/ceb