Braucht es menschliche Sommeliers in Zukunft noch? Getty Images Die Westschweizer Plattform Karafe.ch empfiehlt ihren Kundinnen und Kunden anhand eines Fragenkatalogs passende Weine. Wie treffsicher der virtuelle Sommelier tatsächlich ist, habe ich in einem kurzen Erfahrungsbericht festgehalten.Weine werden zunehmend über das Internet gekauft. Doch auch Onlinehändler spüren die derzeitige Zurückhaltung der Konsumenten und Konsumentinnen. Einen neuen Weg schlägt deshalb das Startup Karafe.ch ein. Die beiden Westschweizer Charles Perrier und Bryan Cornelius wollen vor allem ein jüngeres Publikum beziehungsweise die digitalaffine Generation ansprechen. Der Zugang zum Wein solle dabei auf spielerische Weise erfolgen, erklärte das Duo kürzlich gegenüber der NZZ.Als erster Schritt wird dabei ein Geschmacksprofil der Nutzer erstellt. Dazu beantwortet der Kunde zunächst einige Fragen mit einer Auswahl vorgegebener Antworten, wie etwa diese: «Wenn du dich für eine einzige Schokolade entscheiden müsstest, welche wäre es?», «Welche Fruchtfamilien magst du am liebsten?», «Welche Düfte sind für dich am angenehmsten?» Aus all diesen Angaben entsteht ein Profil, das von einem Algorithmus – und nicht von einer künstlichen Intelligenz – erstellt wird. Dieser virtuelle Sommelier schlägt passende Weine vor, die den Vorstellungen des Kunden entsprechen sollen.Ich selbst habe den Fragenkatalog ausgefüllt und geschaut, ob meine önologischen Vorlieben wirklich getroffen werden. Wie sieht mein Geschmacksprofil auf Karafe.ch aus? Die beiden Westschweizer Charles Perrier und Bryan Cornelius wollen mit ihrem Startup Karafe.ch ein jüngeres Publikum ansprechen. Anaïs Paulus Tipps für Weine, Rebsorten und RegionenMittelschwere, runde und frische Weine entsprächen am besten meinen Vorlieben, so heisst es. Wein sei für mich vor allem ein Energieschub. Ich meide schwerfällige Tropfen und suche stattdessen eine knackige Frucht, mineralische Spannung, Leichtigkeit und Balance bis zum letzten Schluck. Kurz gesagt: «Ich will Pep, Vibration und vor allem Gleichgewicht.» Dem kann ich nur zustimmen, allerdings ist Wein für mich weniger ein Energieschub als vielmehr ein komplexes, genussvolles Getränk.Der virtuelle Sommelier zählt weiter auf, welche Regionen und Rebsorten mir besonders zusagten. Gut leben kann ich mit den Vorschlägen wie Gamay aus dem Beaujolais, Cabernet Franc von der Loire, Terroir-Chardonnay, Nebbiolo aus Piemont und straffem Riesling. Weniger zu den Vorlieben zählen dagegen die aufgeführten Orangeweine sowie «unreifer Pinot noir».Schliesslich werden konkrete Weinempfehlungen genannt, die natürlich aus dem Sortiment der Onlineplattform stammen. Der Schwerpunkt liegt auf Weinen aus der Schweiz und Frankreich, aber auch solche aus Italien und Spanien werden berücksichtigt. Bei etlichen Beispielen steht derzeit allerdings der Hinweis «ausverkauft».Unter den fünfzehn konkreten Geheimtipps des virtuellen Sommeliers gibt es durchaus Weine, die ich probeweise kaufen würde, obwohl sie teilweise von unbekannten Produzenten stammen. So scheint der Syrah Entre Nous 2021 des vorzüglichen Walliser Winzers Christophe Abbet (Fr. 26.90) ebenso einen Versuch wert zu sein wie der Weisswein La Louvetrie Muscadet Sèvre et Maine sur lie 2023 der Domaine Landron (Fr. 14.90).Eine passende Empfehlung ist zudem der Pinot noir 2024 des aufstrebenden Guts Maison Cap vom Bielersee (Fr. 32.90). Der Crémant Rosé Prélud der Domaine Payen (Fr. 15.95) schafft es dagegen eher nicht in meinen Weinkeller. Bei den Vorschlägen fehlt ausserdem ein Riesling. Das liegt wohl daran, dass Karafe.ch derzeit keinen Wein dieser Sorte im Sortiment führt. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Wie gut ist ein virtueller Sommelier? Ein kleiner Test
Die Plattform Karafe.ch empfiehlt der Kundschaft anhand eines Fragenkatalogs Weine. Doch wie treffsicher ist der virtuelle Sommelier tatsächlich?








