Die Königin der Nacht macht sich bereit. Schminkt sich, richtet sich die Haare, schlüpft in die Rüschchenbluse und in den Plisseerock. „Sie besitzt 1000 Gewänder.“ Und ein Parfum aus Paris, natürlich Paris, „denn dort leben alle Königinnen“. Der Junge beobachtet sie bei ihren Verrichtungen. Er wünscht sich, einmal mitgehen zu dürfen in die Bar, in den Palast, „dessen Türen sich nur für Offiziere und Geschäftsherren öffnen“. Alle umschwärmen dort die Königin, „auch der Mann, dessen Vornamen der Junge trägt, und der einst ihr Prinz war. Er ist Richter. Seine Unterschrift ziert jedes Verbotsschild der Stadt“. Viele Jahre nachdem der Junge das beobachtet hat, schreibt er es auf. Schreibt über seine Mutter. Der Junge ist Lukas Bärfuss, und das Buch heißt „Königin der Nacht“. Untertitel: „Ein kurzes Buch über meine Mutter.“
Erinnerungen eines Aufsteigers: der neue Roman von Lukas Bärfuss
Lukas Bärfuss' neuer Roman trägt den Untertitel „Ein kurzes Buch über meine Mutter“. Dafür nimmt er selbst darin erstaunlich viel Raum ein.






