Ein halbes Jahr nach dem Start der Ostdeutschen Allgemeinen zieht Verleger Holger Friedrich Bilanz – und spart nicht mit Kritik an der deutschen Medienlandschaft. Dass sich 36 Jahre nach der Wende ein Medium „unabhängig von westdeutsch-normativen Situationen behauptet“, sei für ihn „schon eine Spur Genugtuung“, sagt Friedrich im Podcast „Machtspiel“ der NZZ. „Wir haben jetzt die Probezeit überstanden.“ Jeden Tag kämen zahlende Leser hinzu.
Die Ostdeutsche Allgemeine soll dabei einen Blick bieten, den Friedrich bei anderen Medien vermisst. Er lese dort einen „etwas weniger ideologisch geprägten Blick auf den Rest der Welt“, der deutlich größer sei als die westliche Perspektive. Als Beispiel nennt er einen Text von Thomas Fasbender über dessen jüngsten Besuch in Moskau. Solche Eindrücke bekomme man seiner Ansicht nach „sonst nirgendswo“.
Deutlich schärfer wird Friedrich beim medialen Blick auf Ostdeutschland. Er nehme eine „gewisse Ignoranz gegenüber Realitäten“, Wunschdenken und „kollektiven Hochmut“ wahr. Viele sehr kluge Menschen arbeiteten in Strukturen, in denen man sich „in den eigenen Blasen wechselseitig referenziert“ und sachliche Kritik gar nicht gewünscht sei. Komme sie dennoch, werde sie teilweise wie eine „Majestätsbeleidigung“ behandelt.







