Die Spitäler haben sich finanziell erholt. Aber gegen Cyberangriffe sind sie schlecht gewappnetDie bessere Lage bei den Finanzen verschafft den Spitälern Luft, sich um die IT zu kümmern. Denn dort hapert es gleich mehrfach, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung KPMG zeigt.20.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenIn Operationssälen und Intensivstationen gibt es viel Medizintechnik und hochspezialisierte Software. Für Spitäler würde es sich wirtschaftlich lohnen, bei der IT vermehrt zusammenzuarbeiten.Gian Ehrenzeller / KeystoneDie Schweizer Spitäler haben die Talsohle überwunden. Sie machen wieder mehr Umsatz, und die Kosten sind rückläufig. Das geht aus der jährlichen Umfrage «Clarity on Healthcare» der Unternehmensberatung KPMG bei fünfzig Schweizer Spitälern hervor.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei 96 Prozent der befragten Spitäler war das operative Betriebsergebnis positiv. Das liegt vor allem daran, dass die Spitäler dank höheren Tarifen und höheren Fallzahlen mehr eingenommen haben. Aber auch die Ausgaben für Personal, Medikamente, Implantate und medizinisches Material sind leicht gesunken im Verhältnis zum Umsatz. Waren die Spitäler in den letzten Jahren vorwiegend mit Massnahmen zur kurzfristigen Stabilisierung der finanziellen Lage beschäftigt, können sie sich nun wieder vermehrt strategischen Aufgaben widmen.Florian Schmid ist Direktor bei KPMG Schweiz und Leiter der Studie. Er sagt: «Die Spitäler sollten dieses Momentum nutzen und sich nun vermehrt mit Themen wie digitaler Leistungserbringung, künstlicher Intelligenz und Shared-Services-Ansätzen beschäftigen.»Kaum Pläne für Kooperationen bei der ITHeute haben viele Spitäler noch eine eigene IT-Abteilung. Viele verschiedene Systeme für ein einziges Spital einzuführen und zu unterhalten, ist teuer. Zudem braucht es für fünf IT-Abteilungen mehr Personal, als wenn man sie zusammenlegen würde. Und da es nicht genug qualifizierte (Medizin-)Informatiker gibt, ist es wiederum schwierig, die Leute zu rekrutieren.Aus der Umfrage geht hervor, dass die Spitäler denn auch viel Potenzial sehen, die IT zu zentralisieren und Kooperationen mit anderen Spitälern einzugehen. Allerdings befinden sich viele noch in der Konzeptphase. Pläne für Kooperationen über die Organisation hinaus gibt es noch kaum. Obwohl dies gerade für kleine Spitäler sinnvoll wäre.«Die meisten Spitäler haben die Grösse eines KMU, aber trotzdem eine vergleichsweise komplexe IT-Landschaft», sagt Schmid. Sie reicht von der Software für die Verwaltung bis zu hochspezialisierten Systemen für Radiologie, Labor, Operationssäle und Intensivstationen. Hinzu kommen zahlreiche medizinische Geräte, die ebenfalls an den Computer angeschlossen sind. Es gibt viele Schnittstellen, und die Systeme müssen rund um die Uhr verfügbar sein. Die Anforderungen an Datenschutz und Cybersicherheit sind hoch.Cybersicherheit wird vernachlässigtLaut der Umfrage bestehen aber gerade bei der Cybersicherheit wesentliche Lücken. Dabei wäre das Thema dringlich, weil durch die Digitalisierung immer mehr Schnittstellen zu Cloud-Diensten, Medizintechnik-Anbietern und weiteren externen Partnern entstehen. Dadurch steigt das Risiko von Cyberattacken.Bei vielen Spitälern fehlt eine Cyberstrategie. Vereinzelt bezweifeln die Befragten, dass die Führungsgremien über das nötige Wissen in diesem Bereich verfügen. Die Mehrheit der befragten Spitäler glaubt nicht daran, den Regelbetrieb nach einem Hackerangriff innerhalb von 24 Stunden wieder in Gang setzen zu können.Auch bei der künstlichen Intelligenz sind die Spitäler gefordert. Einige setzen KI bei der Dienstplanung, für die Analyse von Dokumenten, zur Transkription von Arztberichten und bei der Codierung ein. Allerdings werden erst maximal 20 Prozent der möglichen KI-Anwendungen im Arbeitsalltag eingesetzt.«Die Spitäler sehen die Hürden für den Einsatz von KI stärker bei regulatorischen und datenschutzbezogenen Rahmenbedingungen als beim fehlenden Investitionswillen», sagt Schmid. Erschwerend komme hinzu, dass jeder Kanton einen eigenen Datenschutzbeauftragten habe. Wenn die Spitäler ihr Potenzial bei der KI ausschöpfen könnten, sänken die Kosten mittelfristig weiter.Investoren am Kapitalmarkt positiver gesinntUm diese Investitionen in Cybersicherheit und künstliche Intelligenz zu tätigen, sind die meisten der fünfzig befragten Spitäler finanziell dann doch zu wenig solide aufgestellt. Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) war 2025 mit 5,4 Prozent zwar so hoch wie die letzten fünf Jahre nicht mehr. Den Zielwert von 10 Prozent erreichen aber viele auch heute noch nicht. Die Spitäler können zwar im Schnitt die Abschreibungen auf ihre Gebäude wieder decken, aber die Einnahmen für künftige Investitionen reichen bei weitem nicht.Daher nehmen ein paar wenige Spitäler bereits jetzt Geld für grosse langfristige Investitionen am Kapitalmarkt auf. Künftig könnten es mehr werden. Denn die Lage auf dem Kapitalmarkt hat sich für die Spitäler leicht verbessert. Laut der Umfrage nehmen Pensionskassen, Versicherungen und professionelle Vermögensverwalter Spitalanleihen wieder positiver wahr. Das hängt damit zusammen, dass viele Spitäler im Besitz des Kantons sind, der wiederum Garantien abgeben kann, bei einem drohenden finanziellen Ausfall einzuspringen.Passend zum Artikel
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