Grafik der WocheGold und Silber verspüren nach einer längeren Konsolidierungsphase Auftrieb. Aktien von Minenkonzernen ziehen ebenfalls kräftig an. Überraschende Interventionen der Trump-Regierung im US-Bondmarkt sprechen dafür, dass der freundliche Trend im Edelmetallsektor anhält.«Die Marktteilnehmer lernen, sich auf den Ball zu konzentrieren und nicht auf den Schiedsrichter», erklärte Fed-Chef Kevin Warsh erst vor wenigen Wochen. Er bezog sich damit auf die steigenden Renditen langfristiger US-Staatsanleihen und seine Ansage, dass die Notenbank die Märkte nicht mehr steuern werde. Anstelle des Fed versucht nun aber einfach ein anderer Schiedsrichter das Spiel zu kontrollieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das ist das Fazit, dass Investoren aus einer überraschenden Intervention von US-Finanzminister Scott Bessent ziehen. Er teilte gestern Mittwoch mit, dass er in den nächsten Monaten mindestens doppelt so viele Treasuries mit Laufzeiten zwischen zehn und dreissig Jahren zurückkaufen werde als geplant. Für den Zeitraum vom 9. September bis zum 4. November wurden ursprünglich Rückkäufe von bis zu 14 Mrd. $ angekündigt. Nun werden es 28 Mrd. $ oder mehr sein.Im Verhältnis zum riesigen Volumen des amerikanischen Bondmarktes sind das zwar bloss bescheidene Beträge. Was für die Märkte zählt, ist jedoch das Signal: Anstelle des Fed pumpt jetzt das US-Finanzministerium Liquidität. Die angekündigte Intervention ist möglicherweise bloss der Anfang. Spekulationen um eine Kontrolle der Zinskurve kommen auf.Die Reaktion erfolgt prompt. Die Rendite dreissigjähriger Treasury Bonds ging am Mittwoch um 9 Basispunkte auf 5,19% zurück, nachdem sie zu Wochenbeginn mit über 5,3% auf den höchsten Stand seit 2007 geklettert war. Auch die Rendite zehnjähriger Treasury Notes gab nach, und der Dollar schwächte sich ab.Grösster Tagesgewinn für Minenaktien seit 2022Diese Entwicklungen verleihen Edelmetallen neuen Glanz. Gold und Silber sind nach einer längeren Konsolidierungsphase zum Leben erwacht. Die Ankündigung aus dem US-Finanzministerium hat den Aufwärtstrend beschleunigt. Der Goldpreis avancierte am Mittwoch um 4,4% auf 4523 $ pro Unze und notiert noch 16% unter dem Rekordhoch von Anfang Jahr. Silber legte 5,8% auf 67 $ zu.Besonders markant sind die Bewegungen von Minenaktien. Der VanEck Gold Miners ETF (GDX) mit den grössten Namen der Branche preschte im gestrigen Handelsverlauf 9,4% vor. Das ist der grösste Tagesgewinn seit November 2022. Schwergewichte wie Newmont, Barrick Mining und Agnico Eagle Mines verbuchten Avancen von 7 bis 11%. Seit dem Tief vom 20. Juli verbucht der GDX-ETF ein Plus von 38%.Eine plausible Erklärung für die ausgeprägte Reaktion ist, dass Edelmetalle zur Kategorie der Long-Duration-Anlagen gehören, die besonders empfindlich auf Veränderungen der langfristigen Renditen reagieren. Da sie keine Zinsen zahlen, verringert sich ihr Nachteil gegenüber anderen Anlagen, wenn die Renditen am Bondmarkt sinken. Da sie zudem in Dollar gehandelt werden, steigt ihr Preis normalerweise, wenn sich die US-Währung abwertet.Verändern sich die Notierungen von Gold und Silber, reagieren Minenaktien oft noch stärker. Der Grund dafür heisst Operational Leverage. Gemeint ist damit der Hebeleffekt, dank dem sich die Margen in der Förderung wegen des hohen Anteils fixer Kosten bei steigenden Edelmetallpreisen überproportional ausweiten. Umgekehrt verhält es sich, wenn die Preise sinken.Interventionen im Bondmarkt häufen sichInteressant wird, wie es mit der Aufgabenteilung zwischen dem Fed und dem US-Finanzministerium weitergeht. Bessent und Warsh gingen beide durch die Schule des legendären Investors Stanley Druckenmiller, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten. Es würde nicht überraschen, wenn der Bondmarkt die Bereitschaft in Washington zu Interventionen erneut testet.Am Grundproblem ändern die bisherigen Aktionen wenig. Die US-Staatsschulden sind diese Woche erstmals über 40 Bio. $ gestiegen – mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Im Juli belief sich das Budgetdefizit auf über 430 Mrd. $, das höchste Niveau für einen Monat seit mehr als fünf Jahren. Das wachsende Angebot an Staatsanleihen dürfte ein Grund dafür sein, dass Investoren mit höheren Renditen kompensiert werden wollen.Bessents Ankündigung folgt kurze Zeit nach seinem Coup von Ende Juli, mit dem er Japan bei der Stützung des Yen zur Hilfe eilte. Japan ist der grösste ausländische Eigentümer von Treasuries. Verkauft es diese zur Stützung des Yen, kann zusätzlicher Aufwärtsdruck auf die langfristigen Renditen in den USA entstehen. Diesen Effekt wollte die Regierung in Washington vermutlich dämpfen, indem sie Euros veräusserte, um Yen zu kaufen.«Meine Aufgabe ist es, der oberste Bondverkäufer der Nation zu sein, und die Renditen auf Treasuries sind ein verlässliches Barometer für den Erfolg dieses Unterfangens», sagte Bessent im vergangenen November. Wenn er sich dafür mit Markteingriffen noch mehr anstrengt, kann das Investoren im Edelmetallsektor nur willkommen sein.