Julian Weber schrie nach seinem Wurf für die Geschichtsbücher seine Freude durch das Stadion, dann bejubelte der 31-Jährige gemeinsam mit seinem Teamkollegen Nick Thumm den deutschen Doppelerfolg bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham. Mit Meisterschaftsrekord von 90,40 Meter im letzten Versuch sicherte sich Weber seinen zweiten EM-Titel und fing den sensationell führenden Thumm, 21, noch ab. Wenig später machte die Sprintstaffel der Männer auch ohne Europameister Owen Ansah mit Silber einen weiteren Toptag für das deutsche Team perfekt.„Ich wollte einfach zeigen, dass ich ein mentales Biest bin“, sagte Weber: „Und jetzt bin ich unfassbar froh, dass ich es geschafft habe.“ Der 31-Jährige hatte im ersten Durchgang 83,71 Meter erzielt und sich danach lange nicht mehr steigern können. Mit dem fünften Wurf schmetterte dann Thumm den Speer 83,76 Meter weit – persönliche Bestleistung, Führung.Weber war schon oft als Favorit zu interkontinentalen Meisterschaften angereist und dann ohne Medaille geblieben, bei Europameisterschaften lief es für ihn aber meist besser – und am Samstag schlug er im letzten Moment zurück. Sein Speer flog und flog und flog, Weber jubelte bereits, als das Wurfgerät noch in der Luft war. Mit Meisterschaftsrekord hatte er letztlich doch noch seinen zweiten EM-Triumph nach München 2022 in der Tasche.Angefeuert von Owen Ansah rannten die deutschen Sprinter kurz darauf im Finale über 4x100 Meter auf Platz zwei. Kevin Kranz, Marvin Schulte, Heiko Gussmann und Lucas Ansah-Peprah mussten sich nach 38,64 Sekunden im Finale nur Großbritannien (38,45) geschlagen geben. Bronze ging an Belgien (38,70).Farken ist über 1500 Meter chancenlos, Siebenkämpferin Weißenberg gelingt ein starkes ComebackAngesichts der Affäre um einen womöglich verweigerten Dopingtest von Ansah, der am Vorabend zu Gold über 200 Meter gesprintet war, hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband entschieden, seinen schnellsten Läufer nicht in der Staffel einzusetzen. Ansah droht neben einer Sperre die Aberkennung aller Resultate und Erfolge seit Juli, das würde auch das komplette Ergebnis einer Staffel mit seiner Beteiligung umfassen.Überraschend chancenlos war hingegen Robert Farken über 1500 Meter. 250 Meter vor Schluss ging auf einmal nichts mehr beim deutschen Rekordhalter aus Leipzig, der beim Sieg des Niederländers Stefan Nillessen (3:35,70) auf Rang neun (3:37,49) durchgereicht wurde. Nach dem Vorlauf hatte Farken noch Gold als Ziel benannt. „Es war eine vertane Chance, ich werde aber wieder angreifen“, sagte Farken.Siebenkämpferin Sophie Weißenberg indes bejubelte in Birmingham ein starkes Comeback. Die 28-Jährige, die vor zwei Jahren bei Olympia einen Achillessehnenriss erlitten hatte, landete mit 6496 Punkten auf Platz fünf. Der Sieg ging an die Irin Kate O'Connor (6751). Ebenfalls eine Topleistung war Platz vier für Hochspringerin Christina Honsel (1,92 Meter).Bei den deutschen Frauen war der Traum von einer Staffelmedaille schon beim letzten Wechsel im Vorlauf geplatzt. Der Versuch der Stabübergabe von Sophia Junk auf Schlussläuferin Gina Lückenkemper ging schief, das DLV-Quartett war raus. Frust gab es am Morgen auch bei Geher Leo Köpp, der auf Medaillenkurs im Halbmarathon disqualifiziert wurde.
Leichtathletik-EM: Julian Weber schleudert den Speer im letzten Versuch zu Gold
Der Speerwerfer ist mit 90,40 Metern nicht zu schlagen – setzt sich aber erst im letzten Versuch gegen Landsmann Nick Thumm durch. Auch die Sprintstaffel der Männer gewinnt Silber.











