Mit ihrem Geld finanzieren Mietende üppige Aktionärs-Dividenden. Dabei sind es die Bewohner*innen, die der Stadt erst ihren Wert verleihen

Lieben den Vergesellschaftungsartikel im Grundgesetz: Ak­ti­vis­t*in­nen von „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ über den Dächern Berlins

Florian Boillot

D ie Wände sind feucht, die Zimmer dunkel. Mitte des 19. Jahrhunderts füllt der Geruch des Aborts aus dem Innenhof die Räume vieler Berliner Mietskasernen. Oft teilen sich bis zu zehn Ar­bei­te­r*in­nen und Kinder ein einziges Zimmer. Hauswirte und Besitzer machen Betten zur doppelten Einnahmequelle, indem sie sie tagsüber an sogenannte Schlafgänger aus der Nachtschicht vermieten.

„Syphilitische und Brustkrankheiten herrschen in einer Ausdehnung, die kaum zu glauben ist“, schreibt der Fabrikantensohn Friedrich Engels über die Behausungen der Ar­bei­te­r*in­nen in seiner Heimatstadt Wuppertal. Der Berliner Fotograf Heinrich Zille kommt zu dem Schluss: „Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt.“