Nachdem sich die neue Koalition aus CDU, Grünen, Volt und FDP mit ihrem Anhängsel Pro Auto formiert und ihre Ziele in Grundzügen umrissen hat, übt die Wiesbadener SPD engagiert Opposition. Zu diesem Job gehört es, potentielle Bruchstellen im neuen Regierungsbündnis zu suchen. Die lassen sich in einer Koalition mit vielen Beteiligten, die teils inhaltlich sehr weit auseinanderliegen, auch relativ leicht finden. In der gewaltigen Distanz zwischen den Grünen und der FDP mit Pro Auto etwa liegt reichlich Konfliktpotential.Allerdings ist auch der Wunsch der Vater der sozialdemokratischen Analyse, wonach schon im Koalitionsvertrag der Bruch zwischen CDU, FDP und Pro Auto auf der einen und Grün plus Volt auf der anderen Seite angelegt sei. Womöglich spielt dabei auch die Erinnerung an den enormen Managementaufwand eine Rolle, der nötig war, um das sogenannte Linksbündnis über die volle Wahlperiode zusammenzuhalten.CDU übt sich erst einmal in BescheidenheitTatsächlich erstaunlich ist aber, dass in der neuen Konstellation nicht nur die Grüne Christiane Hinninger Bürgermeisterin (und Dezernentin) bleibt, sondern auch Andreas Kowol wieder ein Dezernat erhält, wenn auch nun das für Soziales und nicht mehr das Verkehrsressort. Gerade Kowol wurde aus der bisherigen Opposition heraus heftig kritisiert. Doch die CDU übt sich erst einmal in Bescheidenheit und wird erst zur Halbzeit der Wahlperiode entsprechend ihrem starken Kommunalwahlergebnis mit drei Dezernaten ausgestattet. Den Grünen verbleibt dann noch eines, Kowol wird in den Ruhestand geschickt. Möglicherweise wollte man nicht riskieren, dass bei einer für eine andere Lösung notwendigen Abwahl und anschließenden Neuwahl Dezernentin Hinninger, die als eine Initiatorin der Maracuja-Koalition gilt, nicht wiedergewählt wird. Sie gilt inzwischen in den eigenen Reihen als umstritten.Taktisch klug ist es aus Sicht der Maracuja-Koalition in jedem Fall, der nun oppositionellen SPD eine Dezernentenstelle zuzubilligen. Das erleichtert nicht nur die Zusammenarbeit mit dem SPD-Oberbürgermeister. Damit ist die SPD auch in der Mithaftung, wenn „Maracuja“ einerseits verkündet, mit Personalabbau und mehr Künstlicher Intelligenz dem 2027 drohenden Defizit von mindestens 200 Millionen Euro entgegenwirken zu wollen, andererseits aber bei den Dezernentenstellen kräftig ausbaut. Denn mit der neuen Stelle für die SPD und der Umwandlung der Digital-Dezernatsstelle von Volt in einen Vollzeitposten ist erst einmal eine massive Steigerung der Personalkosten verbunden. Das kann die SPD jetzt natürlich nicht lautstark beklagen.