1923 übersteht die erste deutsche Demokratie mehrere Umsturzversuche. Trotzdem steigt die NSDAP zur Massenbewegung auf. Wie gelang es ihr?

NSDAP-Mitglied Heinrich Himmler (Mitte), eine Fahne haltend, mit einer Gruppe nationalsozialistischer paramilitärischer Kämpfer während des Hitler-Ludendorff-Putsches, München, 9. November 1923. © Three Lions/​ Getty Images

Als Außenminister Walther Rathenau am 24. Juni 1922 in Berlin von Mitgliedern der rechtsextremen Organisation Consul ermordet wurde, stand die junge Weimarer Republik unter Schock. Es war nicht der erste politische Mord nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Seit ihrer Gründung war die erste deutsche Demokratie Angriffen ihrer Gegner ausgesetzt. Rechte Freikorps marschierten auf und wollten den Umsturz, Monarchisten wünschten sich den Kaiser zurück und im Münchner Hofbräuhaus wurde 1920 die NSDAP gegründet. Auch die von Moskau gesteuerte KPD wollte ein anderes System. Doch kampflos gaben sich die Verteidiger der Republik nicht geschlagen.

Aber wie genau wehrt sich eine Demokratie? Wie wehrhaft war Weimar? Diese Frage diskutieren wir in unserer neuen Doppelfolge.

Der zweite Teil der Doppelfolge widmet sich dem gescheiterten Putschversuch Adolf Hitlers und seiner Unterstützer in München im Herbst des Krisenjahres 1923 – und der Frage, warum Hitler trotz Haft und NSDAP-Verbot zur größten Gefahr für die Demokratie aufsteigen kann. Wir sprechen über den Ausnahmezustand, in dem sich Deutschland damals befindet. Darüber, dass Hitler nur knapp der Ausweisung entgeht, und wie auch in Thüringen und Sachsen die Demokratie unter Druck gerät, allerdings von links. Und wir diskutieren die Frage der Parteiverbote: 37 Mal werden in Weimar antidemokratische Parteien verboten, aber immer nur für kurze Zeit. Warum haben die Verteidiger der Republik ihr schärfstes Schwert immer wieder aus der Hand gegeben?