AnalyseWarren Buffett, Stanley Druckenmiller, David Tepper und andere Ausnahmekönner der Investmentbranche geben einen raren Einblick in ihr Portfolio. Diesen Unternehmen trauen sie gemäss den neusten Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC am meisten Kurspotenzial zu.Die Gelegenheit ergibt sich nicht oft: Einmal pro Quartal müssen professionelle Anleger gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC ihre Positionen an den amerikanischen Aktienmärkten offenlegen. Damit lässt sich ein Blick ins Portfolio der besten Investoren erhaschen. Die Publikation der sogenannten «13F-Filings» wird in der Finanzbranche deshalb stets mit grossem Interesse verfolgt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Freitagabend nach Handelsschluss in New York war es so weit. Warren Buffett, David Tepper, Seth Klarman und andere Top-Anleger informierten darüber, wo sie neue Beteiligungen aufgebaut haben und welche Positionen reduziert oder vollständig veräussert worden sind. The Market hat die wichtigsten Veränderungen in ihren Portfolios analysiert.Dazu vorab ein Hinweis. Die SEC-Dokumente, offiziell als «13F Filings» bezeichnet, sind eine Momentaufnahme per Ende Juni. Das ist deshalb wichtig, weil sich zur Zeit des Stichdatums ein abrupter Stimmungswechsel an den US-Börsen abspielte.Halbleiteraktien, die im zweiten Quartal eine phänomenale Rally rund um das Thema künstliche Intelligenz angeführt hatten, markierten am 22. Juni den vorläufigen Zenit. Es folgte eine scharfe Korrektur im Juli, in der viele der populärsten KI-Aktien Verluste von 30 bis 50% erlitten.Seit Anfang August hat eine markante Gegenbewegung eingesetzt, der US-Leitindex ist auf ein Allzeithoch vorgeprescht. Auch das Technologiebarometer Nasdaq 100 hat einen kräftigen Schub verspürt, konnte bisher aber keinen neuen Kursrekord verbuchen.Wie die Ausnahmekönner der Investmentbranche sich in diesem volatilen Marktumfeld verhalten haben, lässt sich den SEC-Unterlagen nicht entnehmen. Dennoch gehen daraus Anhaltspunkte hervor, welche Sektoren, Branchen und Einzelunternehmen ihrer Ansicht nach am meisten Potenzial versprechen.Wichtig ist ebenso, dass die 13F-Daten nur einen Teil der Investitionen abbilden. Call- und Put-Optionen müssen gegenüber den US-Aufsichtsbehörden deklariert werden. Angaben zu Leerverkäufen oder anderen Anlagen wie Anleihen und Rohstoffen lassen sich den Daten hingegen nicht entnehmen.Die folgende Analyse konzentriert sich zudem ausschliesslich auf echte Stock Picker. Investoren also, die sich zumeist mit einer Wachstums-, Momentum- oder Value-Strategie in einer beschränkten Anzahl Aktien engagieren, für die sie besonders zuversichtlich sind. Ihr Depot ist stark konzentriert, die zehn grössten Positionen machen in der Regel rund 60 bis 70% des Portfolios aus.Andere prominente Anlageprofis wie George Soros, Mario Gabelli oder Paul Tudor Jones, die einen breit ausgerichteten Ansatz verfolgen, werden nicht berücksichtigt. Dies, weil sich ihr Portfolio aus Hunderten oder sogar Tausenden verschiedener Titel zusammensetzt und einzelne Bewegungen weniger gut interpretierbar sind.Warren Buffett, Berkshire HathawayWarren BuffettBild: BloombergWarren Buffett hat die operative Leitung von Berkshire Hathaway zwar gegeben, doch bei Entscheidungen zum Aktienportfolio bleibt der «Weise von Nebraska» weiterhin eng involviert. Das zeigen die 13F-Dokumente deutlich: Die Position am Google-Mutterkonzern wurde im zweiten Quartal nochmals ausgebaut, und zwar um satte 83%.Mit einem Wert von annähernd 38 Mrd. $ per Ende Juni ist Alphabet damit zur drittgrössten Beteiligung von Berkshire nach Apple und American Express avanciert. Buffett hat an der Berkshire-Generalversammlung im Frühjahr gesagt, dass er selbst massgeblich für die Position verantwortlich sei und CEO Greg Abel den Entscheid unterstütze.Die zusätzlichen Titel wurden hauptsächlich über eine Privatplatzierung bei der Kapitalerhöhung von Anfang Juni erworben. Alphabet emittierte damals überraschend neue Titel im Wert von insgesamt fast 85 Mrd. $, woran sich Berkshire mit 10 Mrd. $ beteiligte.Im Berichtszeitraum wurde zudem die Position an Delta Air Lines um 44% auf 5,4 Mrd. $ ausgebaut. Grössere Zukäufe hat Berkshire ferner beim Häuserbauer Lennar gemacht. Passend dazu taucht eine Beteiligung am Branchennachbarn D.R. Horton neu in den SEC-Unterlagen auf. Hinzu kommt die vor wenigen Wochen vollzogene Übernahme von Taylor Morrison, einem weiteren Häuserbauer mit Sitz in ArizonaKein anderer Fonds mit einer aktiven Aktienauswahl ist grösser als das Berkshire-Portfolio. Zum Stichdatum ist es auf nahezu 300 Mrd. $ gewachsen. Nach einer Serie von vierzehn Quartalen, in der es stetig getrimmt worden war, resultieren in der Berichtsperiode erstmals Nettokäufe von rund 20 Mrd. $.Zusätzlich hat Berkshire eigene Titel im Wert von mehr als 4,2 Mrd. $ erworben, der grösste Betrag seit dem ersten Quartal 2023. Der Aktienkurs von Buffetts Riesenkonglomerat flirtete zu Wochenbeginn mit einem neuen Allzeithoch, hat seither jedoch Terrain eingebüsst.Stanley Druckenmiller, Duquesne Family OfficeStanley DruckenmillerBild: BloombergStanley Druckenmiller ist an Wallstreet als einer der grössten Draufgänger bekannt. Oft folgt er bei der Eröffnung einer neuen Position seinem Instinkt und nimmt erst danach eine ausführliche Recherche vor. Sein Investmentstil ist eine Mischung aus fundamentalen Kriterien und Markttechnik. Für ein Engagement muss sowohl die Story als auch das technische Kursbild stimmen.Wie sich den 13F-Unterlagen seines Duquesne Family Office entnehmen lässt, hat «Druck» bei einer Reihe von Tech-Konzernen deutlich aufgestockt. Namentlich zählen dazu die Halbleiterkonzerne TSMC und STMicroelectronics sowie Seagate Technology, ein Anbieter von Harddisk-Speicherlösungen.In grossem Stil zugekauft hat Duquesne ebenso bei Amazon, wozu Call-Optionen auf den Internetriesen hinzukommen. Unter den Top-10 im Depot ist neu auch Alphabet.Wie Buffett setzt Druckenmiller verstärkt auf Fluggesellschaften. Die Beteiligung an United Airlines wurde signifikant erhöht, und bei Delta Air Lines wurde eine Position eröffnet. Andere bedeutende Neuzugänge sind der Medienkonzern Fox, der IT-Grosshändler CDW und D.R. Horton, womit eine weitere Parallele zu Berkshire besteht.Reduziert worden sind die Beteiligungen am Aluminiumkonzern Alcoa, am Industrieunternehmen Woodward, am Generikahersteller Teva Pharmaceuticals sowie in geringerem Umfang an BBB Foods, einem Discounter mit Fokus auf Mexiko. Ganz getrennt hat sich Druckenmiller von Broadcom, dem Fintech-Unternehmen Figure Technology Solutions und der Fastfood-Holding Restaurant Brands, zu der unter anderem Burger King, Tim Hortons und Popeyes zählen.David Tepper, Appaloosa ManagementDavid TepperBild: BloombergAktien aus dem Technologiesektor sind auch im Portfolio von David Tepper prominent vertreten. Der Gründer des Hedgefonds Appaloosa Management scheut sich nicht vor aggressiven Wetten und setzt bevorzugt auf Momentum-Aktien mit hoher Kursdynamik. Gemäss den SEC-Formularen hat er in der Berichtsperiode vor allem den Einsatz bei bestehenden Kernanlagen erhöht.Das Engagement an Meta Platforms etwa hat sich um mehr als 50% vergrössert. Bedeutende Zukäufe wurden ebenso bei TSMC und Uber gemacht. Neu im Portfolio sind Broadcom, Boeing, SpaceX sowie das Neocloud-Unternehmen CoreWeave. Wie Buffett und Druckenmiller sieht Tepper offenbar ebenfalls Potenzial in der zivilen Luftfahrt. So hat er sich neu an American Airlines beteiligt.Im Gegenzug hat Appaloosa das Risiko bei Micron Technology reduziert, wobei der Speicherchip-Hersteller per Ende Juni allerdings noch immer die zweitgrösste Beteiligung war. Zurechtgestutzt wurden die Investments beim Haushaltsgerätehersteller Whirlpool und beim auf Mobilfunk-Chips spezialisierten Halbleiterkonzern Qualcomm.Ein Thema, um das sich viele Positionen im Depot von Appaloosa bisher gedreht haben, ist China. Das ist nun nicht mehr der Fall. Das Engagement an Alibaba, lange ein Name unter den Top 10, hat Tepper um mehr als 40% gekürzt. Weitere Beteiligungen an chinesischen Unternehmen wie PDD und JD.com wurden abgestossen. Das Gleiche gilt für den KraneShares CSI China Internet ETF (KWEB).Seth Klarman, Baupost GroupSeth KlarmanBild: BloombergSeth Klarman zählt zu den meistbeachteten Praktikern aus der Zunft der Value-Investoren. Die Strategie seines Hedgefonds Baupost Group basiert auf dem Prinzip der «Margin of Safety»: ein disziplinierter, risikoaverser Ansatz mit strengem Fokus auf Unternehmen, die zu einem deutlichen Abschlag bewertet sind. Dieses «Sicherheitspolster» muss ausreichend gross sein, um vor Fehleinschätzungen und unvorhersehbaren Marktereignisse zu schützen.«Wir befinden uns in einer Zeit enormen Wandels und hoher Volatilität», sagte das «Orakel von Boston» unlängst in einem Interview mit dem Podcast «Masters in Business». Seine Aussage bezieht sich auf die extremen Kursschwankungen an den Börsen. «Wenn eine Aktie beliebt ist, können Anleger gar nicht genug davon bekommen und der Kurs schiesst durch die Decke. Sobald aber die Stimmung bei einer Aktie kippt, wird sie gnadenlos abgestraft.»Wie aus den 13F-Unterlagen hervorgeht, hat Baupost in der Berichtsperiode einige bedeutende Veränderungen vorgenommen. Bei Amazon, der grössten Position, hat Klarman erneut aufgestockt. Ebenso hat er das Exposure bei Alphabet und Genuine Parts ausgebaut, einem Distributor für Automobil- und Industrieersatzteile mit Sitz in Atlanta. Wie es aussieht, war das Timing ideal. Der Kurs von Genuine Parts ist seit dem Tief von Mitte Mai rund 45% vorgeprescht.Hinzu kommen drei neue Beteiligungen in kleinerem Umfang: der Börsenbetreiber CME (einer der grössten Handelsplätze für Terminkontrakte und Optionen), Axalta Coating Systems (ein Spezialist für Lacke und Beschichtungen von Fahrzeugen) sowie Pershing Square (die Anlagegesellschaft des Investors Bill Ackman, die Ende April an die Börse gekommen ist).Grösser Abstriche hat Klarman bei der Fastfood-Holding Restaurant Brands vorgenommen, von der sich Druckenmiller sogar ganz getrennt hat. Getrimmt wurden ebenso die Positionen an der Eisenbahn-Gruppe Union Pacific, am Industriekonzern Wesco International und am Finanzberater Aon.Wie Berkshire hat auch Baupost die Aktien des Versicherungsbrokers Willis Towers Watson vollständig veräussert, lange eine Kernposition im Depot.David Einhorn, Greenlight CapitalDavid EinhornBild: BloombergZu den Hardlinern unter den Value-Investoren zählt ebenso David Einhorn. Im Gegensatz zu den meisten Wallstreet-Koryphäen finden sich im Portfolio seines Hedgefonds Greenlight Capital so gut wie keine grossen Namen. Auf Technologiewerte verzichtet der passionierte Pokerspieler fast vollständig, womit er sich ebenfalls von der Konkurrenz abhebt.Bei der Analyse der SEC-Unterlagen fällt auf, dass Einhorn beim Kohleförderer Core Natural Resources erheblich zugekauft hat. Zu seinen grössten Positionen zählt neu Fortune Brands Innovations, ein Spezialist für Alarmanlagen und andere Sicherheitsvorkehrungen in Eigenheimen.Neue Aussenseiterwetten im Greenlight-Depot sind zudem Primo Brands, ein Anbieter von Wasserspendern, der Zahlungsdienst PayPal und das Medienhaus Warner Bros. Discovery, das vom Wettbewerber Paramount Global übernommen werden soll. Einhorn erwartet sich davon vermutlich auf ein lukratives Arbitragegeschäft, zumal der Kurs von Warner Bros. Discovery mit 27.99 $ unter der Barofferte von 31 $ handelt.Getrennt hat sich Einhorn vom Modehaus Victoria’s Secret und dem Heimtrainer-Unternehmen Peloton. Ebenso hat er sämtliche Titel der Ölservicegesellschaft Weatherford International verkauft. Die Kernposition am Krankenversicherer Centene wurde um rund 40% gesenkt.