Analyse
Warren Buffett, Stanley Druckenmiller, David Tepper und andere Ausnahmekönner der Investmentbranche geben einen raren Einblick in ihr Portfolio. Gemäss den neusten SEC-Unterlagen sind das ihre Aktienfavoriten. Auf diesen Moment wird in der Investmentbranche jeweils mit Spannung gewartet: Einmal pro Quartal müssen professionelle Anleger gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC ihre Positionen an den amerikanischen Aktienmärkten offenlegen. Damit bietet sich die seltene Gelegenheit, einen Blick ins Portfolio der klügsten Köpfe Wallstreets zu erhaschen.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Freitagabend nach Handelsschluss in New York war es so weit. Warren Buffett, Stanley Druckenmiller, Seth Klarman und andere Top-Anleger informierten darüber, wo sie neue Beteiligungen aufgebaut haben und welche Positionen reduziert oder vollständig veräussert worden sind. The Market hat die wichtigsten Veränderungen in ihren Portfolios analysiert.Dazu vorab ein Hinweis. Die SEC-Dokumente, offiziell «13F Filings» genannt, sind eine Momentaufnahme per Ende März. Das ist deshalb wichtig, weil das Stichdatum fast punktgenau mit einem radikalen Stimmungswechsel an den Märkten zusammenfällt. Erste Signale aus dem Weissen Haus für eine potenzielle Entschärfung des Kriegs im Nahen Osten lösten damals eine rekordverdächtige Rally aus.Seither feiern Aktien aus dem Technologiesektor ein fulminantes Comeback. Die Begeisterung für das Thema künstliche Intelligenz kennt kaum mehr Grenzen. Vom Stimmungsumbruch haben besonders Anlagestrategien profitiert, die auf Aktien mit hoher Kursdynamik (Momentum) und/oder mit Aussichten auf kräftiges Wachstum setzen. Demgegenüber hat das Interesse an günstig bewerteten Unternehmen (Value) abrupt nachgelassen.Wie die Ausnahmekönner der Investmentbranche auf diese Veränderungen im Marktumfeld reagieren, lässt sich den SEC-Unterlagen leider nicht entnehmen. Dennoch lassen sich daraus Anhaltspunkte gewinnen, welche Sektoren, Branchen und Einzelunternehmen ihrer Ansicht nach am meisten Potenzial versprechen.Wichtig ist ebenso, dass die 13F-Daten nur einen Teil ihrer Investitionen berücksichtigen. Call- und Put-Optionen müssen gegenüber den US-Aufsichtsbehörden deklariert werden. Angaben zu Leerverkäufen oder zu anderen Anlagen wie Anleihen und Rohstoffen lassen sich den Daten hingegen nicht entnehmen.Die folgende Analyse konzentriert sich zudem ausschliesslich auf echte Stock Picker. Investoren also, die sich zumeist mit einer Wachstums- oder Value-Strategie in einer beschränkten Anzahl Aktien engagieren, für die sie besonders zuversichtlich sind. Ihr Depot ist stark konzentriert, die zehn grössten Positionen machen in der Regel rund 60 bis 70% der Gewichtung aus.Andere prominente Anlageprofis wie George Soros, Mario Gabelli oder Paul Tudor Jones, die einen breit ausgerichteten Ansatz verfolgen, werden nicht berücksichtigt. Dies, weil sich ihr Portfolio aus Hunderten oder sogar Tausenden verschiedener Titel zusammensetzt und einzelne Bewegungen weniger gut interpretierbar sind.Warren Buffett, Berkshire Hathaway Wenn die 13F-Dokumente veröffentlicht werden, will die gesamte Investmentwelt jeweils als Erstes wissen, was sich im Aktienportfolio von Berkshire Hathaway getan hat (hier eine Analyse zum Unternehmen). Die Spannung im Vorfeld war dieses Mal besonders gross, zumal Warren Buffett Anfang Jahr die operative Leitung seines Unternehmens abgegeben hat und sich seither auf das Amt des Chairman beschränkt.Der «Weise von Nebraska» beteiligt sich zwar auch im Alter von 95 Jahren weiterhin an der Bewirtschaftung des Berkshire-Portfolios. Die Hauptverantwortung trägt aber nun der neue CEO, Greg Abel. Dieser hatte bereits in seinem Brief an die Aktionäre in groben Umrissen skizziert, welche Strategie er bei den Aktienanlagen des Konglomerats fortan verfolgen wird. Vier Positionen bezeichnete er dabei als «Kernanlagen»: Apple, American Express, Coca-Cola und Moody’s.Wie sich den SEC-Dokumenten entnehmen lässt, hat sich an diesen Beteiligungen konsequenterweise nichts verändert. Bei den anderen Top-Positionen gibt es ebenfalls nur zwei grössere Bewegungen. Das Engagement bei den A-Aktien des Google-Mutterkonzerns Alphabet (Börsenkürzel: GOOGL) wurde um mehr als 200% auf 15,6 Mrd. $ ausgebaut. Neu sind ausserdem C-Aktien (GOOG, ohne Stimmrecht) im Wert von gut 1 Mrd. $ im Depot. Bei Chevron sind etwas mehr als ein Drittel der Titel verkauft worden.Mehr Veränderung gibt es in den hinteren Rängen. Darunter befinden sich neu das Kaufhaus Macy’s und Delta Air Lines. Erstmals seit der Covid-Pandemie ist damit eine Fluggesellschaft wieder im Portfolio. Ferner wurden die Beteiligungen am Häuserbauer Lennar und an der «New York Times» erhöht. Da dies allesamt kleinere Positionen sind, dürften sie auf das Konto von Ted Weschler gehen, der das Depot mit Buffett und Abel bewirtschaftet und für rund 6% der Anlagen verantwortlich ist.Demgegenüber sind mehr als ein Dutzend Positionen abgestossen worden. Mit insgesamt rund 11 Mrd. $ per Ende 2025 machten sie gut 4% des Depots aus. Es dürfte sich um Anlagen von Todd Combs handeln. Er stand Buffett zusammen mit Weschler bis im Dezember als Portfoliomanager zur Seite und wechselte dann zur Grossbank JPMorgan. Zu den prominenteren Verkäufen zählen Visa, Mastercard, Amazon, UnitedHealth, Dominos Pizza und Formula One Group, die Rechteinhaberin der Formel-1-Weltmeisterschaft.Buffett sass bei der Berkshire-Generalversammlung in Omaha vor zwei Wochen zwar erstmals nur als Zuschauer im Publikum. Am Rand sagte er aber, die heutigen Finanzmärkte glichen einer «Kirche, an die ein Casino angeschlossen ist». Seiner Meinung nach befinden sich die Marktteilnehmer derzeit in einem historisch beispiellosen Spekulationsfieber.Entsprechend wartet Berkshire mit grösseren Zukäufen weiterhin ab. Das zeigt der Bestand an flüssigen Mitteln. Mit mehr als 397 Mrd. $ beläuft er sich per Ende des ersten Quartals auf fast 32% der Bilanzsumme bzw. 39% der Marktkapitalisierung.Stanley Druckenmiller, Duquesne Family Office Immer spannend ist ein Blick über die Schulter von Stanley Druckenmiller. Der vormalige Portfoliomanager von George Soros ist einer der charismatischsten Akteure in der Welt des Investierens und ein passionierter Spekulant, wie er selbst sagt. Mit dem Duquesne Family Office verwaltet er heute überwiegend sein eigenes Vermögen.Wie oft hat sich im Portfolio von «Druck» einiges getan. Gemäss den 13F-Formularen hat er bei seiner Top-Position Natera deutlich zugekauft. Das Diagnostik-Unternehmen, das auf nicht-invasive Gentests spezialisiert ist und mit einer Marktkapitalisierung von 28 Mrd. $ bewertet wird, macht nun über 18% des Depots aus. Kräftig zugelangt hat er auch beim argentinischen Energiekonzern YPF und beim europäischen Halbleiterhersteller STMicroelectronics.Hinzu kommt eine Reihe neuer Beteiligungen. Passend zum Engagement in YPF zählt dazu der Global X MSCI Argentina ETF (ARGT). Weitere Positionen wurden beim KI-Chipdesigner Broadcom, bei der Diagnostikfirma Caris Life Sciences und beim Biotech-Unternehmen Revolution Medicines eröffnet. Hinzu kommen Call-Optionen auf den Invesco S&P 500 Equal Weight ETF (RSP), der alle fünfhundert Aktien im US-Leitindex gleich gewichtet.Grössere Abstriche hat Druckenmiller beim Biotech-Unternehmen Insmed vorgenommen, das aber weiterhin weit oben rangiert. Getrimmt wurden ausserdem der Generikahersteller Teva Pharmaceutical sowie der südkoreanische Online-Händler Coupang, lange Druckenmillers grösste Beteiligung. Besonders interessant: Während Berkshire das Engagement an Alphabet signifikant erhöht hat, sind die Aktien bei Duquesne aus dem Depot verschwunden. Die Position in Amazon wurde zudem fast vollständig veräussert.David Tepper, Appaloosa Management David Tepper beweist immer wieder ein besonders feines Gespür für die Märkte. Unter den erfolgreichsten Hedgefonds-Managern war vermutlich niemand so gut für den Stimmungsumschwung an den US-Börsen positioniert wie er. Das Aktiendepot des Gründers von Appaloosa Management gleicht derzeit einer riesigen Wette auf den KI-Boom.Zu den Top-Positionen zählten Ende März die Halbleiterkonzerne Micron Technology, TSMC und Nvidia. Der Speicherchiphersteller Micron ist seither 114% vorgeprescht. Bei Sandisk, einem weiteren Highflyer aus dem Memory-Segment, ging Tepper zudem eine neue Beteiligung ein. Der Kurs preschte seit dem Stichdatum mehr als 120% vor. Das Investment im iShares MSCI South Korea ETF (EWY), eine indirekte Wette auf die südkoreanischen Branchenriesen Samsung Electronics und SK Hynix, hat sich ebenfalls reichlich ausgezahlt.Im Gegensatz zu Druckenmiller ist Tepper gegenüber Amazon wesentlich optimistischer gestimmt. Er hat den E-Commerce-Konzern und weltgrössten Cloud-Infrastrukturanbieter sogar zu seinem grössten Engagement gemacht. Deutlich aufgestockt hat sein Hedgefonds ebenso bei Uber, wobei sich die Titel des Fahrdiensts allerdings weniger gut entwickelt haben. Das Gleiche gilt für Vistra, einen der grössten unabhängigen US-Stromproduzenten.Bei der Analyse der SEC-Dokumente von Appaloosa Management fällt weiter auf, dass das Exposure gegenüber China beträchtlich reduziert worden ist. Von Alibaba über PDD und JD.com bis hin zum KraneShares CSI China Internet ETF (KWEB) hat Tepper Positionen getrimmt. Getrennt hat er sich ausserdem von den Fluggesellschaften American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines sowie von den US-Aktienzertifikaten der Deutschen Bank.Seth Klarman, Baupost Group Seth Klarman gehört zu den prominentesten Vertretern aus der Zunft der Value-Investoren. Der Kernpfeiler seiner Philosophie basiert auf dem Prinzip der «Margin of Safety»: ein disziplinierter, risikoaverser Ansatz mit striktem Fokus auf Unternehmen, die zu einem deutlichen Abschlag bewertet sind. Das «Sicherheitspolster» ist damit ausreichend gross, dass es gegen Fehlüberlegungen und unvorhersehbare Marktereignisse schützen soll.Umso bemerkenswerter ist, dass sich unter den Kernpositionen in Klarmans Portfolio gleich zwei der grössten Kaliber aus dem Technologiesektor befinden. Sein Hedgefonds Baupost Group hat den Anteil an Amazon im Berichtszeitraum um 47% auf mehr als 3 Mrd. $ erhöht, womit der Online-Riese nun wie bei Tepper sogar an erster Stelle rangiert. Ebenso hat er Aktien von Alphabet zugekauft, auf die – wie oben erwähnt – auch Berkshire Hathaway setzt.In den 13F-Unterlagen des «Orakels von Boston» tauchen drei grössere Neuerwerbungen auf: der Finanzdienstleister Aon, das Kreditkarten-Netzwerk Visa und Teleflex, ein Medtech-Unternehmen, das auf medizinische Instrumente für chirurgische Eingriffe spezialisiert ist. Ausgebaut wurde zudem das Engagement beim Klimatechniker Ferguson Enterprises sowie bei Americold Realty, dem zweitgrössten US-Betreiber von gekühlten Lagerhäusern.Deutlich getrimmt hat Klarman die Positionen beim Versicherungsbroker Wills Towers Watson, beim Zementkonzern Eagle Materials und bei der Mediengruppe Liberty Global. Die Beteiligungen am Discounter Dollar General, am Baustoffhersteller CRH sowie an den Fintech-Unternehmen Fidelity National Information Services und Fiserv wurden vollständig veräussert.David Einhorn, Greenlight CapitalWer weit abseits des Mainstreams nach Ideen für Investments sucht, kann sich das Aktienportfolio von David Einhorn näher ansehen. Der Gründer des Hedgefonds Greenlight Capital investiert vorab in weniger bekannte Namen und hatte im ersten Quartal mit Engagements im Bereich Edelmetalle einen guten Lauf. Doch als puristischer Value-Investor dürfte es ihm in den vergangenen Wochen weniger gut ergangen sein.Neu zum Greenlight-Portfolio zählt Versant Media. Das TV-Netzwerk ist ein Spin-off des Kabelbetreibers Comcast und strahlt die Sender MS Now (vormals MSNBC), CNBC und USA Network aus. Wie Einhorn in seinem Investorenbrief schreibt, findet er vor allem Versants Fokus auf Nachrichten und Live Events attraktiv. Erstmals in den SEC-Formularen finden sich ausserdem der Schuhverkäufer Crocs und SLM, ein auf Studentendarlehen spezialisiertes Kreditinstitut.Der passionierte Pokerspieler hält auch diverse Energieunternehmen im Depot. Zugekauft hat er zuletzt bei BKV, einem Förderer von Erdgas mit eigenem Pipeline-Netzwerk. Das Unternehmen gilt zudem als Pionier bei der kommerziellen Abscheidung von CO2. Weitere Namen aus dem Energiesektor sind der Kohleförderer Core Natural Resources und DHT, ein Betreiber von Öltankerflotten. Einhorn hat beide Positionen jedoch getrimmt.Ganz verabschiedet hat er sich von der ehemaligen IBM-Tochter Kyndryl und der Mediengruppe Warner Bros. Discovery, die vom Branchennachbarn Paramount übernommen wird. Auch den VanEck Gold Miners ETF (GDX) hat er vollumfänglich veräussert. Wie Einhorn im Investorenbrief vermerkt, hat er einen Teil seiner Gewinne im Edelmetallsektor im Januar realisiert. Er hält aber weiterhin eine grössere Position in Gold.






