PfadnavigationHomePanoramaNach PlagiatsvorwürfenUmstrittener Cambridge‑Professor kurz nach Rücktritt tot aufgefunden – Familie erhebt VorwürfeStand: 03:10 UhrLesedauer: 3 MinutenJason Arday im Jahr 2012Quelle: Joe Giddens/PA Images/picture allianceWenige Tage nach seinem Rücktritt ist Jason Arday tot aufgefunden worden. Der 41‑jährige Cambridge‑Professor stand zuletzt wegen Plagiaten und fragwürdigen Angaben zu sportlichen Leistungen und Spendenaktionen massiv unter Druck. Seine Familie spricht von Mobbing und Schikane.Der britische Soziologe Jason Arday ist tot. Das berichtet der britische „Telegraph“ (gehört wie WELT zu Axel Springer). Der 41-Jährige, der einst als jüngster schwarzer Professor in der Geschichte der Universität Cambridge gefeiert worden und vor wenigen Tagen zurückgetreten war, wurde demnach tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Polizei gehe derzeit nicht von einem Verbrechen aus, heißt es. Die Polizei wurde nach eigenen Angaben vom Rettungsdienst alarmiert, nachdem ein Mann in einem Gebäude im Stadtteil Battersea nicht ansprechbar aufgefunden worden sei. „Leider wurde der 41-jährige Mann vor Ort für tot erklärt.“ Der Tod sei als unerwartet eingestuft worden. Es werde nicht von einem verdächtigen Hintergrund ausgegangen. Obwohl die Londoner Polizei wie üblich keine Namen nannte, war laut Medienberichten klar, dass es sich bei dem Toten um Arday handelte.Dies bestätigte in der Nacht auch Ardays Familie, die mit Blick auf die Vorwürfe gegen den 41-Jährigen von Mobbing und Schikane sprach. „Die Desinformationskampagne war einfach zu viel für Jason“, hieß es in einer Erklärung, die über seinen Verlag Simon & Schuster veröffentlicht wurde. „Er war ein sanftmütiger Mensch, der in jedem stets das Gute sehen wollte.“ Die Familie zeigte sich „zutiefst erschüttert über den Verlust dieses wunderbaren Vaters, Partners, Bruders, Onkels und Sohnes.“Auch die Vizekanzlerin der Universität, Deborah Prentice, zeigte sich „zutiefst betrübt über diese tragische Nachricht“. In einer kurzen Erklärung hieß es weiter: „Unser tiefstes Mitgefühl gilt der Familie und den Freunden von Jason Arday in dieser unglaublich schweren Zeit.“Lesen Sie auchVorausgegangen waren wochenlange Vorwürfe wegen Plagiaten in seinen wissenschaftlichen Arbeiten sowie Fragen zu seinen Angaben über sportliche Leistungen und Erfolge bei der Anwerbung von Spenden. So hatte Arday gesagt: „Auch wenn Kritik ein unvermeidlicher Teil des akademischen Lebens ist, ging das, was ich erlebt habe, weit über wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten hinaus. Die unaufhörlichen Anschuldigungen, Spekulationen und öffentlichen Äußerungen haben mich und meine Angehörigen schwer belastet.“Lesen Sie auchSeit 2023 war Arday Professor für Bildungssoziologie an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Cambridge. Bei Ardays Ernennung stand seine persönliche Geschichte im Vordergrund. Nach Angaben der Universität war er mit drei Jahren mit einer Form von Autismus diagnostiziert worden, konnte bis zum Alter von elf Jahren nicht sprechen und sei bis ins späte Jugendalter Analphabet gewesen.In einer aufwendig bebilderten Mitteilung der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät hieß es zudem, Arday habe sich mit 27 Jahren während seiner Promotion Ziele an die Schlafzimmerwand seines Elternhauses geschrieben – eines davon: „Eines Tages werde ich in Oxford oder Cambridge arbeiten.“ Die Pressemitteilung wurde mittlerweile gelöscht.Lesen Sie auchKritische Fragen zu Ardays Qualifikationen wurden im vergangenen Monat öffentlich von Nathan Cofnas aufgeworfen. Cofnas war zuvor Forscher im Bereich Philosophie in Cambridge. Er hatte die Universität verlassen, nachdem seine Kritik an Programmen für Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion heftige Proteste ausgelöst hatte.Am 24. Juli veröffentlichte die „Times“ eine Analyse von Ardays Dissertation aus dem Jahr 2015. Darin wurden zahlreiche Textpassagen aufgezeigt, die nach Angaben der Zeitung „identisch oder nahezu identisch“ mit einer früheren Arbeit eines anderen Forschers waren. Britische Medien hinterfragten zudem Ardays Angaben, er habe durch sportliche Leistungen – etwa den Lauf von 30 Marathons in 35 Tagen oder über eine Strecke von 600 Meilen in sechs Tagen – 5,5 Millionen Pfund (7,4 Millionen US-Dollar) für wohltätige Zwecke gesammelt. Damit stehen genau jene Angaben infrage, mit denen Arday über die Wissenschaft hinaus bekannt geworden war.Eine Untersuchung der John-Moores-Universität in Liverpool, an der Arday seine Doktorarbeit verfasst hatte, hatte ihn im vergangenen Jahr von Plagiatsvorwürfen freigesprochen.nw /saha mit AP/afp
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Wenige Tage nach seinem Rücktritt ist Jason Arday tot aufgefunden worden. Der 41‑jährige Cambridge‑Professor stand zuletzt wegen Plagiaten und fragwürdigen Angaben zu sportlichen Leistungen und Spendenaktionen massiv unter Druck. Seine Familie spricht von Mobbing und Schikane.











