PfadnavigationHomePanoramaNach PlagiatsvorwürfenUmstrittener Cambridge‑Professor kurz nach Rücktritt tot aufgefundenStand: 22:14 UhrLesedauer: 2 MinutenJason Arday im Jahr 2012Quelle: Joe Giddens/PA Images/picture allianceWenige Tage nach seinem Rücktritt ist Jason Arday tot aufgefunden worden. Der 37‑jährige Cambridge‑Professor stand zuletzt wegen Plagiaten und fragwürdigen Angaben zu sportlichen Leistungen und Spendenaktionen massiv unter Druck.Der britische Soziologe Jason Arday ist tot. Das berichtet der britische „Telegraph“ (gehört wie WELT zu Axel Springer). Der 37-Jährige, der einst als jüngster schwarzer Professor in der Geschichte der Universität Cambridge gefeiert worden und vor wenigen Tagen zurückgetreten war, wurde demnach tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Polizei gehe derzeit nicht von einem Verbrechen aus, heißt es. Vorausgegangen waren wochenlange Vorwürfe wegen Plagiaten in seinen wissenschaftlichen Arbeiten sowie Fragen zu seinen Angaben über sportliche Leistungen und Erfolge bei der Anwerbung von Spenden. So hatte Arday gesagt: „Auch wenn Kritik ein unvermeidlicher Teil des akademischen Lebens ist, ging das, was ich erlebt habe, weit über wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten hinaus. Die unaufhörlichen Anschuldigungen, Spekulationen und öffentlichen Äußerungen haben mich und meine Angehörigen schwer belastet.“Lesen Sie auchSeit 2023 war Arday Professor für Bildungssoziologie an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Cambridge. Bei Ardays Ernennung stand seine persönliche Geschichte im Vordergrund. Nach Angaben der Universität war er mit drei Jahren mit einer Form von Autismus diagnostiziert worden, konnte bis zum Alter von elf Jahren nicht sprechen und sei bis ins späte Jugendalter Analphabet gewesen.In einer aufwendig bebilderten Mitteilung der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät hieß es zudem, Arday habe sich mit 27 Jahren während seiner Promotion Ziele an die Schlafzimmerwand seines Elternhauses geschrieben – eines davon: „Eines Tages werde ich in Oxford oder Cambridge arbeiten.“ Die Pressemitteilung wurde mittlerweile gelöscht.Lesen Sie auchKritische Fragen zu Ardays Qualifikationen wurden im vergangenen Monat öffentlich von Nathan Cofnas aufgeworfen. Cofnas war zuvor Forscher im Bereich Philosophie in Cambridge. Er hatte die Universität verlassen, nachdem seine Kritik an Programmen für Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion heftige Proteste ausgelöst hatte.Lesen Sie auchAm 24. Juli veröffentlichte die „Times“ eine Analyse von Ardays Dissertation aus dem Jahr 2015. Darin wurden zahlreiche Textpassagen aufgezeigt, die nach Angaben der Zeitung „identisch oder nahezu identisch“ mit einer früheren Arbeit eines anderen Forschers waren. Britische Medien hinterfragten zudem Ardays Angaben, er habe durch sportliche Leistungen – etwa den Lauf von 30 Marathons in 35 Tagen oder über eine Strecke von 600 Meilen in sechs Tagen – 5,5 Millionen Pfund (7,4 Millionen US-Dollar) für wohltätige Zwecke gesammelt. Damit stehen genau jene Angaben infrage, mit denen Arday über die Wissenschaft hinaus bekannt geworden war.nw mit AP