PfadnavigationHomePanoramaMonchi von Feine Sahne Fischfilet„Einige müssen sich selber Faschisten erschaffen, damit sie sich als stabile Antifaschisten fühlen“Stand: 19:56 UhrLesedauer: 3 MinutenJan „Monchi“ Gorkow, Sänger der Punkband Feine Sahne FischfiletQuelle: Stefan Sauer/dpa„Alle Leute, die in der Provinz leben, wissen, dass es unmöglich ist, sich ständig aus dem Weg zu gehen“ – Monchi von der Punkband Feine Sahne Fischfilet setzt auf Normalisierung im Umgang mit AfD-Wählern – und spottet über die linke Szene und deren Internetblasen.Einst führte der Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern die Politpunkband Feine Sahne Fischfilet wegen ihrer „explizit anti-staatlichen Haltung“ auf. Die Gruppe um Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow hatte sich wiederholt gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie engagiert. „Antifaschismus ist für uns keine hohle Phrase. Es ist uns bewusst, dass die Neonazis, egal wie modern und bürgernah sie sich geben, barbarisch und menschenverachtend bleiben. Dem gilt es entgegenzuwirken!“, zitierte der Nachrichtendienst damals.Wenige Wochen vor der Landtagswahl in seinem Heimatbundesland liegt die AfD in Führung. Im Interview mit dem „Tagesspiegel“ blickte der Sänger deutlich moderater auf den Umgang mit der Partei im Osten. „Es sind nicht alles komplette Volldullis, die hier die AfD wählen“, heiße es in seinem Buch „Jenseits der Brandmauer“. „Ich beschreibe einfach die Realität“, erklärte Gorkow dazu. „Es ist auf jeden Fall das Gegenteil dieser linken Blasen, die sich im Internet einen darauf runterholen, dass sie recht haben.“Im alltäglichen Leben in der Provinz ließe sich der Kontakt zur AfD-Wählerschaft ohnehin nicht vermeiden. „Wir veranstalten seit Jahren unser ‚Wasted in Jarmen’-Festival, da macht das halbe Dorf mit. Wir bauen einen Skatepark für junge Leute. Wenn AfDler mitmachen, ist es eben so. Ganz vielleicht nehmen sie von unseren Aktionen ja was mit“, schilderte Monchi. „98 Prozent der Leute, deren Überzeugungen ich vielleicht ablehne, treffe ich beim Bäcker oder an der Tanke wieder. Alle Leute, die in der Provinz leben, wissen, dass es unmöglich ist, sich ständig aus dem Weg zu gehen.“Lesen Sie auch„Wann habt ihr das letzte Mal einen Fascho gesehen, also pur, nicht auf einer Demo, wo die Polizei dazwischensteht? Wann habt ihr nicht bloß aus der Ferne gerufen, dass Nazis scheiße sind?“, habe er unlängst Freunde gefragt, die aus dem Bundesland weggezogen waren. „Ja, der Ball ist rund, die AfD ist Mist, das haben wir verstanden. Applaus, Applaus! Aber danach kommt nichts außer heißer Luft. Diese Attitüde ist die Kapitulation.“In gewisser Weise schilderte Gorkow im Gespräch eine Entfremdung von der linken Szene. Skeptisch blickte er etwa auf den „Aufstand der Anständigen“, der sich Anfang 2025 auch gegen die Union gerichtet hatte. „Würde ein 16-jähriger Monchi heute zu den Anständigen gehen, bei denen ich mir erstmal überlegen muss, wie ich alle richtig anspreche? Da klingt doch jede Weihnachtsfeier der Jungen Union interessanter.“Lesen Sie auchÄhnlich blickte der Musiker auch auf die Umweltbewegung. „Für den 16-jährigen Monchi wär nichts schlimmer gewesen als ‚Fridays for Future‘, wo du Applaus von den Eltern kriegst, wenn du die Schule schwänzt. Ich wollte früher, dass meine Eltern durchdrehen, wenn ich ’ne Anzeige wegen Landfriedensbruch nach Hause gebracht hab’.“Lesen Sie auch„Vor zehn Jahren hätte ich vielleicht auch auf dieser Demo gestanden, auf der der Podcaster Paul Ronzheimer als Nazi beschimpft und weggetrieben wurde“, ergänzte Gorkow. „Den kannst du scheiße finden, aber das soll ein Nazi sein? Ich glaube, einige Lappen müssen sich selber Faschisten erschaffen, damit sie sich als stabile Antifaschisten fühlen.“doli
Monchi von Feine Sahne Fischfilet: „Einige müssen sich selber Faschisten erschaffen, damit sie sich als stabile Antifaschisten fühlen“ - WELT
„Alle Leute, die in der Provinz leben, wissen, dass es unmöglich ist, sich ständig aus dem Weg zu gehen“ – Monchi von der Punkband Feine Sahne Fischfilet setzt auf Normalisierung im Umgang mit AfD-Wählern – und spottet über die linke Szene und deren Internetblasen.







