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Dichter Rauch eines Waldbrands im Hürtgenwald zieht über Gey. Dieser Ortsteil wurde am Freitagmorgen evakuiert. Foto: Federico Gambarini/dpa Wirtschaft von oben #417 – Brand Hürtgenwald: Feuerwehr in Düren zieht die „Bordeaux-Option“ Die Evakuierungen verdeutlichen die Gefahrenstufe des Waldbrands bei Düren. Muss die Feuerwehr bald mit Notrodungen reagieren? Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.
Der Waldbrand im Hürtgenwald im nordrhein-westfälischen Düren ist mit 300 Hektar Brandfläche bereits jetzt eine Mammutaufgabe für die Einsatzkräfte. Und die Einsatzleitung vor Ort geht davon aus, dass die Brandbekämpfung noch mehrere Tage dauern wird. Nach den Großfeuern in Frankreich, Spanien und Griechenland ist die Waldbrandsaison damit auch in Deutschland mit voller Wucht angekommen.Nach ungezählten kleineren Bränden in der Republik lodert nun, tief im Westen von Nordrhein-Westfalen, der nach Angaben von NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) größte Waldbrand seit Gründung des Bundeslandes. Und es gebe dabei Parallelen zu den jüngsten Großbränden im Süden der EU, sagt Christopher Benkert, Katastrophenschützer und Mitglied der ehrenamtlichen Hilfsorganisation @fire Internationaler Katastrophenschutz Deutschland, die mit Fachleuten für Waldbrandbekämpfung ebenfalls bei Düren im Einsatz ist.„Wir haben in weiten Teilen Europas eine ausgeprägte Risikosituation: Es ist sehr, sehr heiß, und gleichzeitig ist es auch sehr, sehr trocken“, erklärt er. Das bedeutet, Böden und Vegetation wird das Wasser entzogen, während zeitgleich die Niederschläge fehlen. Eine besonders kritische Lage liege dabei vor, wenn die sogenannte 30er-Regel erfüllt ist. Das heißt, die Temperatur liegt über 30 Grad Celsius, die relative Luftfeuchte liegt unter 30 Prozent und der Wind weht mit über 30 Kilometern pro Stunde. Dann ist die Gefahr für einen Vegetationsbrand am höchsten. In Düren sind bei aktuell 35 Grad, mit bis zu 14 Kilometern pro Stunde schnellen Winden und einer Luftfeuchtigkeit von unter 20 Prozent bereits zwei Faktoren erfüllt.Im Vergleich zur Situation etwa im französischen Bordeaux in den vergangenen Wochen gibt es im Hürtgenwald auch wichtige Unterschiede: Während in Frankreich landwirtschaftliche Monokulturen und eine flache Topografie die Brandregion kennzeichneten, haben es die Einsatzkräfte in Deutschland mit Mischwald und den Ausläufern des Mittelgebirges Eifel und der Ardennen zu tun. Zwar könnten Mischwälder Benkert zufolge verglichen mit Monokulturen die Brandausbreitung tendenziell hemmen. Andererseits wirkten steile Hänge wie am Rand des Hürtgenwaldes eher als Brandbeschleuniger. Die vom Feuer aufsteigende Wärme trockne darüber liegende Bereiche weiter aus, sodass diese umso schneller Feuer fangen.Aktuelle Brandausbreitung auf Basis von Satelliten-Daten des European Forest Fire Information System (EFFIS) Foto: WirtschaftsWoche/AirbusAnhand von Satellitendaten des von der EU betriebenen European Forest Fire Information System (EFFIS) lässt sich die aktuelle Entwicklung gut verfolgen. Seit Freitagmittag hat sich der Feuerbereich demnach vor allem weiter nach Norden ausgebreitet. Das Feuer frisst sich also weiter in den Wald und damit in für die Einsatzkräfte schwerer zu erreichendes Gelände.Wohin und wie schnell sich das Feuer ausbreitet, sind dabei laut Benkert wichtige Faktoren, die die Art der Brandbekämpfung leiten. Das hänge sowohl von der Vegetation als auch von Wetterveränderungen ab. Anhand von Auswertungen durch Spezialisten werde entschieden, wo welche Maßnahmen der Brandbekämpfung sinnvoll seien, so der @fire-Experte. „Für uns als Brandbekämpfer gilt es, taktische Fenster zu finden, in denen unsere Maßnahmen effizient sind.“Der Experte betont dabei, dass es immer mehrere Maßnahmen sind, die zusammenwirken müssen, um Feuer effektiv einzudämmen. Die Möglichkeiten richten sich dabei nach der Flammenlänge, von Feuerpatschen aus nächster Nähe, über Wasserschläuche und handgeführte Strahlrohre bis zu Wasserwerfern oder Hubschraubern und Löschflugzeugen. Im Fall von Flugzeugen, mahnt Benkert jedoch an: „Brandbekämpfung aus der Luft wird nie solitär gelingen.“ Sie könne das Feuer zwar eindämmen und wichtige Zeit verschaffen, jedoch benötige es dann auch immer noch Kräfte am Boden.Waldbrände Und dann sind da auch noch Raketen im Feuer Extremhitze, Dürre, Megabrände: Was Südeuropa bereits erlebt, droht auch Deutschland – doch die Wirtschaft ist darauf nicht eingestellt. von Thomas KuhnIn der Eifel kommt zudem noch ein Risiko hinzu, das sonst vorwiegend aus Ostdeutschland bekannt ist: Altmunition im Boden. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fand in der Region eines der letzten großen Verteidigungsgefechte des NS-Staats statt. Über viele Wochen wüteten in den Waldgebieten des Hürtgenwaldes blutige Gefechte, derentwegen die Region bis heute auch „Hölle in der Eifel“ genannt wird. Und deren Hinterlassenschaften noch heute für die Einsatzkräfte lebensgefährlich werden können. Im Lauf der ersten Brandnacht sei, berichten Anwohner, immer wieder explodierende Munition in den Wäldern zu hören gewesen.Benkert betont deshalb den Eigenschutz: „Nur wenn wir uns selbst schützen, können wir auch anderen helfen.“ Im Fall von Munition heißt das im Zweifel, einen bis zu 1000 Meter weiten Sicherheitsabstand zu halten – auch nach oben. Löschbemühungen durch Hubschrauber werden dadurch stark in ihrer Wirkung gebremst.










