Prachtvolle Gebäude in Frankreichs Hauptstadt sind kein Zeugnis goldener Zeiten. Damals wie heute: Reichtum entsteht durch Unterdrückung.

Paris, ein wenig protzig

Tom Nicholson/Reuters

I ch kann mir schöne Gebäude nicht lange angucken. Ich frage mich irgendwann, wer sie gebaut hat und woher die Steine kamen“, sagt J., mit ihren gebräunten Beinen auf der Kaimauer. Früher Abend am Canal Saint-Martin im 10. Arrondissement der französischen Hauptstadt. Vor den Straßencafés quetschen sich die schönen Menschen auf bunte Rattanstühle. Auf einer Brücke spielt jemand einen Swing von Django Reinhardt und alles schreit laut Klischee in den königsblauen Himmel.

Ich bin für einen Sprachkurs in Paris. Das letzte Mal war ich vor vielen Jahren hier, erinnere mich noch an das Hotelzimmer, in dem wir rauchen durften und an die Menschen in arabischen Gewändern an der Rezeption. Ob es das Hotel noch gibt, weiß ich nicht. Und auch wenn heute alles zu teuer und schick ist, muss ich zugeben, dass die Stadt wirklich so malerisch aussieht wie auf den Postkarten, wie Van Goghs Sternenhimmel über der Seine im Film „Midnight in Paris“ von Woody Allen.