Auf Dauer sei es kein tragfähiger Zustand, sagt der hessische Finanzminister Alexander Lorz (CDU): „Die Haushaltslage ist einfach schlecht.“ Wie außerordentlich schlecht sie ist, belegt der Geschäftsbericht für das Jahr 2025, den Lorz am Freitag vorgestellt hat. Darin werden nicht nur, wie in der kameralen Buchführung, Ausgaben und Einnahmen aufgeführt. Die doppische Betrachtungsweise ermöglicht eine vollständige Darstellung von Vermögen, Schulden und künftigen Verpflichtungen.Der Unterschied wird am Beispiel des Schuldenstands deutlich. In der kameralen Betrachtung ist festgehalten, dass 2025 eine Milliarde Euro neue Haushaltsschulden aufgenommen wurden. Weil die Doppik wie ein Unternehmen kaufmännische Kriterien anwendet, zeigt sich angesichts der in die Zukunft gerichteten Perspektive jedoch ein Jahresfehlbetrag in der Höhe von 15 Milliarden Euro.Die Schonungslosigkeit der DoppikDie transparente und umfassende Schonungslosigkeit der kaufmännischen Betrachtungsweise sei ein hessisches Alleinstellungsmerkmal, so Lorz. Nur wenige andere Bundesländer näherten sich der Doppik an. Der Bund sei weit davon entfernt.Den Fehlbetrag von 15 Milliarden Euro führte der Minister vor allem darauf zurück, dass die Besoldung der Beamten im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent erhöht worden und der Personalaufwand auf insgesamt 26,4 Milliarden Euro gestiegen sei.Zwar sei zugleich das Anlagevermögen des Landes um 0,7 Milliarden Euro auf 36,16 Milliarden Euro gestiegen. Aber auch die Kreditschulden seien um 2,1 Milliarden Euro auf 46,4 Milliarden Euro gewachsen. Dass zudem die Rückstellungen für Pensionen und Beihilfen um 11,5 Milliarden Euro gestiegen sind, erhellt sich in seiner ganzen Tragweite erst aus der Gesamtsumme von mehr als 125 Milliarden Euro.Wohin die Transparenz führtEs ist eine Konsequenz der Transparenz, dass diese Zahlen als künftige Belastungen aufgeführt werden. Während die Rückstellungen in Unternehmen vollständig durch Vermögen gedeckt sind, gilt das für den Staat nicht. So stehen im hessischen Haushalt gegenwärtig nur zirka sechs Prozent der 125 Milliarden Euro zur Verfügung.Sie befinden sich auf dem sogenannten Alterssparbuch, einem 1999 vom Land gegründeten Sondervermögen zur Beamtenversorgung. Vereinfacht gesagt: Die dreistellige Milliardensumme, die Hessen früher oder später benötigt, ist zum allergrößten Teil noch nicht in der Kasse. Das Personal wächst dem Finanzminister über den Kopf.Errechnet wird die Höhe der Rückstellungen, indem die Zahl der Staatsbediensteten und der Pensionäre mit Statistiken zur Lebenserwartung kombiniert wird. Aber auch die aktiven Beschäftigten schlagen zu Buche. Der Personalbestand ist nach den Angaben des Finanzministers in den zurückliegenden acht Jahren um 20.000 Beschäftigte auf rund 181.000 im vergangenen Jahr gestiegen. 2024 lag er bei zirka 179.500.Der Bedarf an Lehrern steigtDen bei weitem größten Anteil machen 70.000 Lehrer aus. Dass es mehr geworden sind, führt Lorz auf die steigenden Schülerzahlen zurück. Seit vielen Jahren werde immer wieder die bevorstehende „demographische Rendite“ angekündigt, so der frühere Kultusminister. Aber er glaube diesen Prognosen inzwischen nicht mehr.Den zweitgrößten Posten im Personalbestand bilden die in den Hochschulen Beschäftigten, gefolgt von denen in Polizei und Justiz. Dass man den Stellenzuwachs bislang nur habe abbremsen können, liege daran, dass man den Anspruch habe, den Auftrag des Gemeinwesens in Bildung, Wissenschaft und Sicherheit zu erfüllen, erklärt Lorz.Trotzdem hält er eine „strukturelle Konsolidierung des Haushalts“ für dringend erforderlich. Dazu soll in den Ministerien nur noch jede dritte frei werdende Stelle neu besetzt werden, im nachgeordneten Bereich lediglich zwei von drei Stellen. Ausgenommen von der Sperre sind unterrichtswirksame Stellen in Schulen und Hochschulen sowie Justiz, Polizei, Verfassungsschutz, der Landesbetrieb Hessen Mobil und geprüfte Anwärter und Auszubildende.Neben dem Personal sind nach den Worten des Ministers die Ausgaben für soziale Zweck „der zweite große Brocken“ im Haushalt. Über die Frage, welche Einsparungen bei Transferleistungen wie Bürgergeld und Subventionen möglich sind, macht sich seit einem guten Jahr eine „Fördermittelkommission“ Gedanken. Sie besteht aus hohen Beamten der Ministerien für Finanzen, Wirtschaft und Entbürokratisierung.