Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat am Freitag eine 43 Jahre alte Frau wegen Unterstützung der Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Deutsche Nadine D. habe sich um prominente inhaftierte IS-Terroristen in Deutschland, Österreich und Frankreich gekümmert, ihnen Spendengeld und Zuspruch zukommen lassen, damit sie dem IS die Treue halten. Sie habe eine verfestigte dschihadistische Einstellung, befürworte ein Kalifat und die Scharia in der Auslegung des sogenannten Islamischen Staats (IS), urteilte das Gericht.Nadine D., die 2007 zum Islam konvertiert war, betrieb von Düsseldorf aus jahrelang die Onlineplattform „Free our Sisters“ („Befreit unsere Schwestern“), mit der sie die ideelle und materielle Unterstützung von dschihadistischen Gefangenen und ihrer Angehörigen organisierte.Nadine D. korrespondierte unter anderem mit Jennifer W., die sich dem IS angeschlossen und nichts dagegen unternommen hatte, dass ihr Ehemann ein als Sklavin gehaltenes Mädchen im Irak in der Sonne festkettete und sterben ließ. W. wurde 2023 zu 14 Jahren Haft verurteilt. Zudem sammelte Nadine D. im Namen von „Free our Sisters“ mehrere Tausend Euro, die sie an verurteilte Mitglieder des IS oder deren Angehörige weiterleitete.Sie beteuerte ihre UnschuldIm Prozess hatte D. bis zuletzt ihre Unschuld beteuert. Sie streite nicht ab, geholfen zu haben, doch habe ihr Kanal nie der Terrorfinanzierung gedient. Die im Düsseldorfer Prozess als Zeugin geladene Jennifer W. belastete Nadine D. allerdings schwer. D. habe den IS „richtig und unterstützenswert“ gefunden, so W. Und alle, die durch „Free our Sisters“ Hilfe erhielten, hätten einen Bezug zum IS gehabt.„Free our Sisters“ zählte bis zur Inhaftierung von D. zu den bedeutsamen Gefangenenhilfsorganisationen in der deutschsprachigen Dschihadistenszene. Im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht 2023 hieß es, die Organisation verfolge das Ziel, „einer Resozialisierung von Inhaftierten … entgegenzuwirken und eine Bindung an die extremistisch-salafistische Szene zu festigen“.Mädchen und Frauen spielten im Salafismus entsprechend der strikt patriarchalen Ausrichtung der Ideologie lange eine nachgeordnete Rolle. Doch als in den vergangenen Jahren Hunderte männliche Dschihadisten in den Fokus der Sicherheitsbehörden gerieten und häufig zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, wuchs die Bedeutung der Frauen in der Szene.Mittlerweile nehmen Frauen bei der Verbreitung von salafistischer Propaganda über Messengerdienst und soziale Netzwerke eine entscheidende Rolle ein. Sie treten längst auch als „Ideologieproduzentinnen“ auf, wie der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz schon vor einiger Zeit formulierte.