Vor der römischen Invasion im ersten Jahrhundert könnte die Gesellschaft in Britannien stark matriarchal geprägt gewesen sein. Darauf deuten DNA-Untersuchungen von Proben aus Gräbern in England hin, berichtet ein Team um den Genetiker David Reich von der Universität Harvard auf dem Wissenschaftsportal »Biorxiv« .

Die Archäologin Rachel Pope von Universität in Liverpool bezeichnet die Studie gegenüber dem »New Scientist« als revolutionär. Sie werde die »Sichtweise auf die Eisenzeit grundlegend verändern«. Bislang erschien die Studie jedoch nur als sogenannter Preprint; unabhängige wissenschaftliche Gutachten stehen aus.Zwar kommen in historischen Texten mächtige Frauen aus der Eisenzeit vor, darunter die Heerführerin Boudicca, die einen Aufstand gegen die römischen Invasoren anführte. Im 20. Jahrhundert setzte sich allerdings unter Anthropologen die Sicht durch, dass die Gemeinschaften in der Eisenzeit patriarchal waren.

Wegzug der MännerDie Forschenden untersuchten nun Proben von mehr als 500 Individuen aus der sogenannten Arras-Kultur, die aus verschiedenen Grabstätten stammen. Die Arras-Kultur war vom fünften bis zum ersten Jahrhundert vor Christus im Nordosten Englands verbreitet. Ihre Toten bestattete sie mitunter zusammen mit deren Streitwagen.Das Team fand zahlreiche Belege, dass Männer, die aus einem Ort stammten, Kinder in einem anderen zeugten. Während Frauen also in ihrem Geburtsort blieben, zogen die Männer um. Fachleute sprechen von einer matrilokalen Struktur.