Es waren dramatische Minuten an Bord des Ryanair-Fluges 1879 am 10. Juli: Die Maschine war auf dem Weg von Thessaloniki in Griechenland nach Memmingen, als es an Bord der Boeing 737-800 einen Notfall gab. Die Insassen hörten auf etwa 4880 Metern Höhe über Nordmazedonien einen lauten Knall. Plötzlich war ein Fenster zerborsten. Der Passagier auf Sitz 11F wurde durch den Druckabfall fast aus der Maschine gesogen.Der Kopf und die Schultern des Mannes befanden sich nach Aussage einer Mitreisenden außerhalb des Fliegers. Ihn rettete vermutlich, dass er seinen Sicherheitsgurt angelegt hatte. Andere Reisende konnten ihn wieder ins Innere ziehen. Der Mann erlitt schwere Verletzungen, die übrigen 154 Insassen blieben unverletzt. Die Maschine kehrte nach Thessaloniki um.Unklar war bisher, wie es zu dem Unglück kam. Jetzt liegt ein vorläufiger Untersuchungsbericht der US-Flugsicherheitsbehörde (NTSB) vor. Griechenland hatte die Untersuchung gemäß den internationalen Luftfahrtregeln an das National Transportation Safety Board übertragen. Demnach gab es ein schweres Problem mit dem Triebwerk.Es gibt aber noch offene Fragen, denen das NTSB nachgehen wird.Jeff Guzzetti, ehemaliger Ermittler des NTSBEine sogenannte Fanschaufel habe sich gelöst, bei zwei weiteren seien die Spitzen abgebrochen. „Dabei wurden Triebwerksteile gegen den Rumpf und das rechte Höhenleitwerk geschleudert.“ Ein Teil zerschlug demnach das Fenster, sodass es zum Druckverlust kam. Die NTSB weist darauf hin, dass es Hinweise auf einen Ermüdungsbruch gebe.Der Behörde zufolge wurden zudem Vogelreste, darunter Federn, in verschiedenen Bereichen des Triebwerks gefunden. Diese werden nun im Feather Identification Lab der Smithsonian Institution in Washington untersucht, wie das Portal „Aero Telegraph“ schreibt.Das NTSB weist auch darauf hin, dass Crews in den zwölf Monaten vor dem Vorfall vier mutmaßliche Vogelschläge an dem Triebwerk gemeldet hatten. „Bei den anschließenden Wartungsarbeiten wurden keine Schäden festgestellt“, schreibt die Behörde allerdings dazu. „In zwei Fällen wurden Berichten zufolge Vogelreste gefunden.“ Die am Freitag veröffentlichte Analyse ist vorläufig, die vollständige Untersuchung des Vorfalls kann bis zu zwei Jahre dauern.Jeff Guzzetti, ein ehemaliger Ermittler des National Transportation Safety Board (NTSB) und der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA), der den vorläufigen Bericht geprüft hat, sagte der Nachrichtenagentur AP, die vorgeschriebenen Wartungsarbeiten seien offenbar fristgerecht durchgeführt worden.Die Ermittler würden jedoch wahrscheinlich untersuchen, wie die Inspektionen durchgeführt wurden und ob die zuvor vermuteten Vogelschläge zu bereits vorhandenen Schäden beigetragen haben. „Wir wissen, was passiert ist, und bis zu einem gewissen Grad sogar, warum es passiert ist. Es gibt aber noch offene Fragen, denen das NTSB nachgehen wird“, sagte Guzzetti.