In Pereira hat das verheerende Erdbeben die meisten Leben gekostet. Immer noch suchen Menschen ihre Lieben dort im Schutt. Offizielle Hel­fe­r*in­nen sind rar.

S ilencio! Ruhe!“ Ein Arm geht nach oben. Diese Geste sagt: Jetzt kann nur Stille helfen. Stille, damit der Mann mit den riesigen weißen Kopfhörern und dem Gerät mit dem audiosensiblen Senor in die Tiefe lauschen kann. Stille, in der der Rettungshund schnüffeln kann, ob irgendwo unter dem Schuttberg noch Leben ist. Keine Bewegung, kein Wort. Nur: „Silencio total!“

Doch wie bekommt man Hunderte Menschen zum Schweigen, die auf einem Schuttberg herumklettern, parat stehen, um zu arbeiten, zu helfen. Kolumbianer*innen, die generell gesprächig sind – und jetzt in der Not, wenn das Herz überquillt, erst recht. Die im Park gegenüber um Hilfsgüter anstehen, ein Notlager aufgeschlagen haben. Die ihrem Leben nachgehen, um zu überleben.

Es ist Mittwoch, Tag drei – und ein Wettlauf gegen die Zeit. Nach den ersten 72 Stunden nach einem Erdbeben, so wissen Expert*innen, sinken die Chancen, Opfer lebendig zu finden, auf 2,5 Prozent.

Am Montag um 7.34 Uhr bebte in Kolumbien die Erde mit Stärke 7,4. Das Epizentrum in San José del Palmar, Departamento Chocó. Es war das schwerste Beben seit Jahrzehnten. Mehr als 53.000 Menschen seien betroffen, 140 Gebäude komplett eingestürzt und Zehntausende Wohnungen beschädigt worden. Präsident Abelardo de la Espriella kündigte die Ausrufung eines „wirtschaftlichen Notstands“ an, um schneller über Mittel für den Wiederaufbau verfügen zu können.