Die Zahl der Cyberangriffe steigt und trifft immer häufiger sensible Bereiche. Nach einem Cyberangriff auf einen Anbieter medizinischer Software sind in Polen die persönlichen Daten von fast 19 Millionen Menschen abgeflossen. Polens Digitalminister Krzysztof Gawkowski sprach von „einem der größten“ Vorfälle in der Cybersicherheit, der jemals in der Geschichte des 37 Millionen Einwohner zählenden Landes registriert worden sei. Seinen Angaben zufolge deutete zunächst nichts darauf hin, dass „Russland oder ein anderer Staat“ hinter dem Angriff stehen könnte.Dem Minister zufolge war ein finanzielles Motiv der Angreifer wahrscheinlicher. Er schloss zugleich jegliche Zahlungen aus und kündigte an, dass die Angreifer „unermüdlich“ verfolgt würden.Die gestohlenen Daten haben eine Größe von etwa zwei Terabyte und enthalten Informationen über medizinische Untersuchungen, Verordnungen und andere Dokumente der Patienten. Gawkowski kündigte die Einrichtung eines Portals an, über das sich Bürger erkundigen können, ob sie von dem Datendiebstahl betroffen sind. Etwa 12.000 medizinische Einrichtungen in Polen nutzen die Anwendungen des betroffenen Dienstleisters.Daten von Immobilienbesitzern geklautUnterdessen hat es in Frankreich einen Cyberangriff auf das Informationssystem der französischen Finanzämter gegeben. Infolge des „unbefugten Zugriffs“ sei es den Tätern schon Ende Juni möglich gewesen, die Daten von Privatpersonen und Gewerbetreibenden einzusehen und herunterzuladen, teilte das Wirtschaftsministerium in Paris mit.Welche Daten und wie viele Steuerpflichtige von dem Angriff betroffen waren, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Die Internetseite French Breaches, die Cyberangriffe in Frankreich dokumentiert, berichtete von fast 678.500 betroffenen Steuerpflichtigen, von denen ungefähr 393.000 Privatpersonen seien. Die Daten würden für mehrere tausend Euro zum Kauf angeboten.Das französische Wirtschaftsministerium kündigte an, die betroffenen Nutzer über mögliche Schutzmaßnahmen informieren zu wollen. Ein Vertreter von French Breaches teilte am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur AFP zudem mit, dass bei einem weiteren Datenleck der Steuerbehörde die Daten von fast zwei Millionen Immobilienbesitzern abgeflossen seien. Die Cyberpiraten hätten Namen, Adressen und Steueridentifikationsnummern sowie weitere Informationen erbeutet.Die nun gemeldeten Angriffe in Polen und Frankreich reihen sich in einer Reihe von Attacken in der jüngeren Vergangenheit in Europa auf teils hochsensible Daten. So wurde zuletzt bekannt, dass Angreifer eine wichtige Eigentümer-Datei im Fürstentum Liechtenstein gekapert haben. Zuvor war öffentlich geworden, dass Angreifer in Rumänien ein zentrales Immobilienregister gelöscht haben und den entsprechenden Markt vorübergehend außer Kraft gesetzt hatten.„Schwerwiegenden Angriff professioneller IT-Krimineller“In Deutschland ist wiederum die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten das Ziel eines Cyberangriffs geworden. Bei dem sogenannten Ransomware-Angriff seien durch Eindringen in die internen IT-Systeme Daten mit einer speziellen Software verschlüsselt worden, teilte die Stiftung vor einigen Tagen in Oranienburg mit.Wie bei solchen Attacken üblich, sei eine Textdatei mit der Aufforderung zur Kontaktaufnahme mit dem Ziel hinterlassen worden, eine Zahlung für die Entschlüsselung der Daten zu fordern. Nach aktuellem Stand werde auch davon ausgegangen, dass Daten von den Angreifern heruntergeladen wurden, hieß es.Durch diesen Datenabfluss könne es nun vermehrt zu Phishing- und Spammails oder zu Versuchen von Rechnungsbetrug kommen. Daher werde um erhöhte Aufmerksamkeit bei verdächtigen E-Mails gebeten, insbesondere solchen, die die Stiftung als vermeintlichen Absender ausweisen.Der Vorfall sei am 5. August festgestellt worden. Betroffen seien sowohl die Gedenkstätten an allen sieben Standorten als auch die Geschäftsstelle. Der Besuch der Gedenkstätten sei jedoch weiterhin ohne Einschränkungen möglich. Zur Stiftung gehören unter anderem die KZ-Gedenkstätten Sachsenhausen und Ravensbrück.Stiftungsdirektor Axel Drecoll betonte, durch den „schwerwiegenden Angriff professioneller IT-Krimineller“ sei das gesamte IT-System derzeit außer Funktion. Das Ausmaß des entstandenen Schadens, insbesondere hinsichtlich von möglichen Datenverlusten und Datenabflüssen, sei momentan noch nicht absehbar. An der sicheren Wiederherstellung der Systeme werde mit Hochdruck gearbeitet.