Erster Besuch auf den Kurilen: Putin verärgert den Nachbarn JapanMit seiner Reise auf die umstrittene Inselgruppe demonstriert der russische Präsident geopolitische Entschlossenheit. Dass Putin nach Monaten in Moskau wieder vermehrt die russische Provinz besucht, hat aber auch innenpolitische Gründe.13.08.2026, 16.31 Uhr3 LeseminutenWladimir Putin trifft auf der Kurileninsel Iturup mit Schülern zusammen.Gavriil Grigorov / APWährend Monaten hat sich Wladimir Putin kaum aus der Hauptstadt fortbewegt. Nun besucht der russische Präsident sogar einen der entlegensten Zipfel seines Riesenreichs. Zum ersten Mal überhaupt ist Putin am Donnerstag auf eine der Kurilen-Inseln am Pazifischen Ozean gereist. Auf Iturup im Süden der Inselgruppe besuchte er ein Spital, eine Schule und eine Fischfabrik.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Protest aus JapanDie japanische Regierung hat umgehend Protest gegen die Visite eingereicht. Tokio erkennt die russische Hoheit über die Südkurilen, die in Japan als «Nördliche Territorien» bezeichnet werden, nicht an. Die Sowjetunion hatte gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die gesamte Inselgruppe unter ihre Kontrolle gebracht. Zuvor war sie unter japanischer Verwaltung gestanden. Die Kurilen liegen strategisch günstig zwischen Hokkaido, der nördlichsten Hauptinsel Japans, und der russischen Halbinsel Kamtschatka.Der ungelöste Territorialkonflikt ist der Hauptgrund, weshalb Moskau und Tokio bis heute keinen Friedensvertrag unterzeichnet haben. «Die Nördlichen Territorien, einschliesslich der Insel Etorofu, sind historisch und rechtlich untrennbar mit Japan verbundenes Territorium», schreibt das Aussenministerium in Tokio in einer Stellungnahme. Etorofu ist der japanische Name für Iturup.Mit seinem Besuch auf der umstrittenen Inselgruppe sendet Putin ein Zeichen der Entschlossenheit aus: Nicht nur in der Ukraine, auch im Fernen Osten bleibt Russlands Position unverändert. Am Tag vor dem Besuch auf Iturup wohnte Putin einem Manöver der russischen Pazifikflotte vor der Insel Sachalin bei.Mit den Auftritten in der russischen Provinz geht Putin gegen die sinkenden Zustimmungswerte vor. Auf den Kurilen liess er sich auch ein Spital zeigen.Gavriil Grigorov / APImagepflege vor den WahlenNur um Geopolitik geht es Putin im Fernen Osten aber nicht. Der Abstecher auf die Kurilen ist Teil einer Reise durch den Osten des Landes, die den russischen Präsidenten auch nach Nowosibirsk, der grössten Stadt Sibiriens, und in die Hauptstadt der Teilrepublik Burjatien, Ulan-Ude, geführt hat. Wenige Wochen zuvor war er bereits in den westsibirischen Provinzen Omsk und Krasnojarsk, in Irkutsk und in Kasan an der Wolga gewesen.Mit seiner Reise durch die Provinz versucht Putin gegen sinkende Zustimmungswerte und eine spürbare Unzufriedenheit im Land über Kriegsfolgen wie die Benzinkrise vorzugehen. Vom 18. bis zum 20. September finden in Russland Parlamentswahlen statt.Die neu entdeckte Reiselust steht in krassem Kontrast zu den Monaten zuvor. Laut dem unabhängigen Polit-Newsletter «Faridaily» hatte sich Putin bis zur Reise nach Kasan Mitte Juni während sieben Monaten gar nicht in den Regionen des Landes sehen lassen. Die einzigen Aufenthalte ausserhalb Moskaus führten ihn, neben zwei Auslandreisen, nach St. Petersburg. Auch in der Hauptstadt schränkte er seine öffentlichen Auftritte stark ein.Ein wichtiger Grund dafür dürfte Putins Furcht vor Anschlägen sein, etwa durch Drohnen. Die Onlinezeitschrift «Waschnije Istorii» publizierte im Mai den Bericht eines europäischen Geheimdiensts, laut dem die Sicherheitsmassnahmen um den Präsidenten seit Jahresbeginn massiv ausgebaut wurden.Potemkinsche Dörfer in SibirienPunkto persönlicher Sicherheit geht Putin auch weiterhin nicht leichtfertig vor. Es ist kein Zufall, dass die Reisen vor allem in Regionen jenseits des Urals führen, wo es nur sehr selten zu ukrainischen Drohnenangriffen kommt. Zudem gelten während Putins Aufenthalt in einer Stadt strenge Sicherheitsmassnahmen.Lokale Medien berichten von abgeschalteten Mobilnetzen und Aufrufen, nicht auf die Strasse zu treten oder sich am Fenster aufzuhalten, wenn der Konvoi des Präsidenten vorbeifährt. Die Treffen mit der Bevölkerung sind meist von langer Hand geplant. Die Kinder, unter die sich Putin in Nowosibirsk scheinbar spontan mischte, sollen zwei Stunden auf den Präsidenten gewartet haben.Die Besuche haben aber auch positive Nebeneffekte. In mehreren Städten senkten Tankstellenbetreiber vor Putins Ankunft die Benzinpreise spürbar, teilweise um mehr als 20 Prozent. Nach der Abreise stiegen die Treibstoffkosten wieder auf das ursprüngliche Niveau.In einem Effort, der an Fürst Potjomkin erinnert, der im 18. Jahrhundert die Dörfer und Städte entlang der Reiseroute von Katharina der Grossen ans Schwarze Meer herausputzen liess, wurden in Nowosibirsk eiligst Schlaglöcher ausgebessert und Rasenflächen angelegt, damit der Präsident die Stadt im besten Licht zu sehen bekommt.Dazu passt ein kurzer Wortwechsel zwischen Putin und einer Bewohnerin der Kurilen. Als der Präsident das gute Wetter auf der für ihr harsches Klima bekannten Inselgruppe lobte, antwortete die Frau: «Wir dachten, das hätten Sie so organisiert.»Passend zum Artikel