SZ-Magazin: Herr Sassenberg, manche Menschen reden mit ihren Eltern nicht mehr über Migration oder mit Freunden nicht mehr über den Krieg in Gaza. Und manche reden sogar gar nicht mehr miteinander. Warum ist unsere Gesellschaft so gespalten?Kai Sassenberg: Wir sind aktuell mit schnell aufeinander folgenden Krisen konfrontiert. Das führt zu Unsicherheit, wodurch sich das Denken verengt: Man berücksichtigt weniger alternative Perspektiven und kategorisiert schneller in Schwarz und Weiß. Wenn jemand dann eine Meinung äußert, die der eigenen Weltanschauung widerspricht, kann das als Bedrohung der eigenen Identität und der eigenen Werte erlebt werden. Und wer sich bedroht fühlt, schützt sich und seine Meinung. Das erfüllt auch erst mal eine wichtige Funktion: Wer jeden Informationsstrom ungefiltert aufnimmt, würde ständig die eigene Meinung ändern und wäre handlungsunfähig.
Streit bei Familienfeier? Wie man die Gegenseite zum Nachdenken bringt
Gaza, AfD, Klimakrise: Ständig ist von der Spaltung der Gesellschaft die Rede. Wie bleibt man miteinander im Gespräch? Der Psychologe Kai Sassenberg setzt auf Fragen statt Argumente – und auf einen Trick mit der Verneinung.







