Die jüdischen Gemeinden sind zu Trutzburgen geworden. Die antisemitische Welle, die seit dem 7. Oktober 2023 und dem Gazakrieg zu einem globalen Phänomen geworden ist, hat die Gläubigen kalt erwischt. Die Angst vor Übergriffen und Anschlägen ist gewachsen, die Gemeinden rüsten deswegen auf. Sie erhöhen die Zahl der Sicherheitsmitarbeiter und bauen die Videoüberwachung aus. Sie sehen dazu keine Alternative.Dazu kommt, dass viele Juden heute immer gezielter nach Schutzräumen, nach „Safe Spaces“, suchen. Sie wenden sich ab von einer Außenwelt, die sie als bedrohlich wahrnehmen. Sie werden angegriffen – verbal, aber immer öfter auch körperlich. Und sie werden als „Stellvertreter“ eines Staates und einer Regierung wahrgenommen, die in Gaza einen brutalen Krieg führte, die gewalttätige Siedler hofiert, die sich undiplomatisch und unnachgiebig zeigt im Ringen um Frieden. Dass viele deutsche Juden diese Regierung selbst scharf kritisieren? Geschenkt.Nichtjuden trifft man nur noch selten in den GemeindezentrenWenn die Hessische Landesregierung in diesem giftigen Klima ihre Mittel, mit denen sie die jüdischen Gemeinden finanziell unterstützt, nun verdoppelt, ist das ein gutes Zeichen. Dass das Geld nicht nur genutzt werden soll, um die Sicherheitsmaßnahmen noch weiter hochzufahren, sondern auch, um jüdische Religiosität und Kultur zu fördern und bekannter zu machen, ein noch viel besseres.Denn auch das ist eine bittere Wahrheit der vergangenen Jahre: dass Nichtjuden die Gemeinden häufiger meiden. Bei Lesungen, Konzerten oder Ausstellungseröffnungen in den jüdischen Gemeindezentren bleiben die Gläubigen mittlerweile so gut wie unter sich. Aber etwa auch das Interesse an Führungen durch die Frankfurter Westend-Synagoge hat einen Tiefstand erreicht. So entsteht kein Austausch, kein Dialog. Und auch keine Solidarität.So wichtig es ist, über den Gazakrieg und die Siedlergewalt im Westjordanland zu streiten, so falsch ist es, die deutschen Juden dafür in Haft zu nehmen. Sie haben kein Stimmrecht in Israel, sie haben der Netanjahu-Regierung nicht zur Macht verholfen. Doch sie werden wegen des Gazakriegs angefeindet – und zu Bekenntnissen gedrängt.Verloren gegangen ist die Neugierde. Was unterscheidet die jüdische Religion von den christlichen und muslimischen Glaubensgemeinschaften? Was verbindet sie? Welche Traditionen sind Juden wichtig? Und welche verlieren an Bedeutung? Was bewegt junge jüdische Künstler? Darüber kann man viel erfahren. Wenn man die Gemeinden besucht.
Klares Zeichen: Hessen erhöht Zuschüsse für jüdische Gemeinden
Das Bundesland Hessen erhöht seine Zuschüsse an die jüdischen Gemeinden kräftig. Das ist ein wichtiges Zeichen. Es geht dabei nicht nur um Sicherheit, sondern auch um Austausch.







