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Energie: Drei Milliarden Euro mehr – RWE schraubt Investitionen hoch Die schwankenden Energiepreise bescheren dem Energiekonzern aus Essen einen Gewinnsprung. Mit Blick auf den Stromnetzausbau will RWE mehr investieren.
RWE-Chef Markus Krebber: Der Manager richtet den Energiekonzern auf Erdgas und Erneuerbare aus. Foto: dpaDüsseldorf. Der Essener Energiekonzern RWE profitiert im ersten Halbjahr gleich von mehreren Faktoren: schwankenden Preisen für Strom, Öl und Gas, besseren Windbedingungen in Europa, Entschädigungszahlungen aus den Niederlanden, Ausbau der grünen Energiekapazitäten. Insgesamt steigert sich der Gewinn (Ebitda) in den ersten sechs Monaten damit im Vergleich zum Vorjahr um eine Milliarde Euro.„Dank unseres breiten Portfolios aus erneuerbaren Energien, flexibler Erzeugung, Speichern, Energiehandel und Netzinfrastruktur können wir von der weltweit steigenden Stromnachfrage und dem erforderlichen Ausbau des Energiesystems profitieren“, kommentierte RWE-Chef Markus Krebber die Ergebnisse am Donnerstagmorgen.Der Energiekonzern kann in allen Segmenten ein deutliches Wachstum verzeichnen. Einen großen Sprung machte auch die Sparte „Energiehandel“: Das Ebitda stieg von 16 Millionen auf 134 Millionen Euro. Das liegt vor allem an den stark schwankenden Preisen für Strom, Kohle, Öl und Gas, mit denen die seit Jahren erfolgreiche Trading-Abteilung in Essen gewinnbringend handelt.Auch in der Stromerzeugung läuft es gut: Bessere Windbedingungen sorgten sowohl auf See als auch an Land für einen Ergebnissprung. Am stärksten stieg das Ebitda in der „Flexiblen Erzeugung“ – von knapp 600 Millionen im Vorjahreszeitraum auf mehr als eine Milliarde Euro.Ausschlaggebend dafür war vor allem eine Entschädigungszahlung in Höhe von 332 Millionen Euro. 2022 hatte die niederländische Regierung dem Kohlekraftwerk in Eemshaven aufgrund gesetzlicher CO2-Obergrenzen Produktionsbeschränkungen auferlegt. Die RWE-Anlage konnte dadurch nur eingeschränkt Strom produzieren. Dafür hat der niederländische Staat RWE im März entschädigt.Höhere Investitionen in den StromnetzausbauEin weiterer Faktor: RWE hat seine Beteiligung an dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion massiv aufgestockt. Im Sommer hatte das Unternehmen seine Anteile in zwei Tranchen auf insgesamt 55,5 Prozent erhöht. Der Kaufpreis belief sich auf 3,6 Milliarden Euro. Der Einstieg bei Amprion ist neben der Einmalzahlung aus den Niederlanden ein Grund für die angehobene Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2026.Statt wie bislang 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro soll das Ebitda am Ende des Jahres nun zwischen 5,7 und 6,3 Milliarden Euro erreichen. Außerdem kündigte Krebber am Donnerstag eine deutliche Anhebung der geplanten Investitionen an: Statt sechs bis acht Milliarden sollen nun neun bis elf Milliarden Euro in den Stromnetzausbau investiert werden.Energie Deutsche Konzerne profitieren massiv vom Boom der Rechenzentren „Durch die Aufstockung unseres Anteils an Amprion auf eine Mehrheitsbeteiligung erweitern wir unsere Präsenz in einem weiteren attraktiven Wachstumsfeld“, sagte Krebber. Bis 2031 sollen insgesamt 42 Milliarden Euro netto investiert werden.Dass RWE jetzt die Mehrheit an einem Übertragungsnetzbetreiber hält, stößt nicht nur auf Zustimmung. Mehrere Ökostromanbieter fordern eine genaue Überprüfung des Deals durch die Bundesnetzagentur. Die Aufstockung des RWE-Anteils an Amprion verstärke die ohnehin schon problematische Marktkonzentration im Stromsektor und könnte zulasten von Wettbewerb und Verbrauchern gehen, heißt es in einem Schreiben, das dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.„Die Trennung von Netz und Energiehandel ist einer der Grundpfeiler der Strommarkt-Liberalisierung. Die geplante Übernahme von Amprion durch RWE widerspricht diesem Unbundling-Prinzip entscheidend und würde eine weitere Marktkonzentration im Stromsektor bedeuten“, sagte Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender des Versorgers Naturstrom.Das Unbundling-Prinzip soll verhindern, dass Energiekonzerne ihre Kontrolle über Netze nutzen, um Wettbewerber bei Erzeugung oder Vertrieb zu benachteiligen. Deshalb sind Netzbetrieb und wettbewerbliche Geschäfte regulatorisch getrennt.Die grundsätzliche Marktmacht von RWE steht schon länger im Fokus, weil der Konzern im deutschen Strommarkt trotz Entflechtung bereits vor dem Amprion-Deal zu viel Marktmacht hatte. Zu diesem Schluss kam vor wenigen Monaten eine Untersuchung des Bundeskartellamts.An großen Leitwarten halten Übertragungsnetzbetreiber Stromerzeugung und -verbrauch im Gleichgewicht. Foto: Handelsblatt Verwandte Themen RWEBundesnetzagenturNiederlandeEuropaUntersucht worden war, wie häufig ein Stromerzeuger unverzichtbar für die Deckung der Stromnachfrage ist. Überschreite der Anteil eine Schwelle von fünf Prozent der Jahresstunden, spreche dies für eine marktbeherrschende Stellung, so die Behörde aus Bonn. RWE lag nach den Ergebnissen der Untersuchung deutlich über dieser Schwelle.„Gerade weil der stockende Netzausbau inzwischen sogar als Begründung dafür dient, den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen, müssen Netzbetreiber unabhängig handeln und alle Marktteilnehmer gleichbehandeln“, forderte Nils Müller, Vorstand des Stromanbieters Green Planet Energy. Die Bundesnetzagentur sollte deshalb in einem neuen Zertifizierungsverfahren gründlich prüfen, ob diese Unabhängigkeit weiterhin zweifelsfrei gewährleistet sei.Das Bundeskartellamt hatte den Deal bereits Mitte Juli freigegeben. „Unsere Prüfung hat ergeben, dass sich durch den Erwerb weiterer Anteile an Amprion durch RWE die Anreize und Möglichkeiten für eine Bevorzugung nicht verändern. Hinzu kommt, dass Unternehmen, die sowohl in der Energieerzeugung als auch im Betrieb von Stromnetzen tätig sind, einer sektorspezifischen Regulierung unterliegen“, begründete Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, die Entscheidung. RWE betont, dass Amprion weiterhin ein unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber bleibe. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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