Die Inflation in Deutschland ist zurück - und könnte bald ordentlich zulegenIm Juli haben vor allem die Preise für Energie deutlich angezogen. Neben dem Krieg im Nahen Osten bedroht die Trockenheit die Stabilität.Cornelius Welp, Frankfurt12.08.2026, 17.39 Uhr3 LeseminutenAn deutschen Tankstellen zahlen Autofahrer seit Juli wieder deutlich mehrImagoEin Liter Super E 10 kostete an deutschen Tankstellen zuletzt durchschnittlich 2,13 Euro, für einen Liter Diesel waren 2,20 Euro fällig. Autofahrer mussten deutlich mehr als Ende Juni bezahlen, als Super durchschnittlich 1,92 Euro und Diesel 1,86 Euro kostete. Mit dem Ende des von der Berliner Bundesregierung Ende April eingeführten Tankrabatts sind die Preise nach oben geklettert. Und mit ihnen die Inflation.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das ist seit Mittwoch offiziell. Da bestätigte das Statistische Bundesamt, dass die Lebenshaltungskosten in Deutschland im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent gestiegen sind. Die Zahl hatte das Amt zuvor bereits vorläufig gemeldet. Die Inflationsrate lag damit höher als in den beiden Vormonaten: Im Mai hatte sie auf Jahressicht 2,6 Prozent betragen, im Juni 2,3 Prozent. Das Risiko ist gross, dass sie in nächster Zeit noch zulegt. Denn zusätzlich zum weiterhin knappen Öl können Trockenheit und Hitze die Preise treiben.Mit gut acht Prozent legten die Energiekosten gegenüber 2025 weit überdurchschnittlich zu, bei Kraftstoffen fiel der Anstieg mit 23 Prozent besonders hoch aus. Das lag zum einen daran, dass sich Rohöl erheblich verteuerte. Noch stärker aber schlug das Auslaufen der staatlichen Erleichterungen zu Buche.Der Rabatt kostete 1,6 Milliarden EuroDie Regierung in Berlin hatte ab Anfang Mai die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für zwei Monate um gut 14 Cent gesenkt. Da damit automatisch die Mehrwertsteuer sank, wurden pro Liter rund 17 Cent weniger fällig. Viele Ökonomen hatten den Eingriff in den Markt schon vorab kritisiert. Sie bemängelten unter anderem, dass wohlhabende Haushalte von dem Rabatt überdurchschnittlich profitierten und dass angesichts der angespannten Haushaltslage wenig Spielraum für derartige Entlastungen bestehe.Die Kosten der Aktion zum Wohle der Autofahrer hatte die Regierung Ende April auf 1,6 Milliarden Euro beziffert. In welchem Umfang diese bei den Konsumenten angekommen sind, ist umstritten.Das Münchner Ifo-Institut hat verglichen, wie sich die Preise in anderen Ländern entwickelten. Auf dieser Grundlage kamen die Ökonomen zu dem Schluss, dass die Mineralölkonzerne den Rabatt bei Super nahezu komplett, bei Diesel aber nur teilweise an die deutschen Autofahrer weitergegeben haben. Die Monopolkommission kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass der Rabatt die Konsumenten zwar «überwiegend, aber nicht vollständig» erreicht habe. Er habe sich als teuer und wenig zielgenau erwiesen und zudem wichtige Preissignale gedämpft. Es sei deshalb richtig, ihn nicht zu verlängern.Die 12-Uhr-Regel hat nichts bewirktSeit Ende Juni wird über mögliche neue Entlastungen diskutiert, etwa in Form von Direktzahlungen an einkommensschwache Haushalte oder einer höheren Pendlerpauschale. Vorerst aber erreichen die schwankenden Marktpreise deutsche Autofahrer ohne dämpfenden staatlichem Schutz.Eine ebenfalls Ende April eingeführte Regel hat ihr gewünschtes Ziel verfehlt. Wie zuvor schon in Österreich dürfen deutsche Tankstellen die Preise nur noch einmal am Tag um 12 Uhr mittags erhöhen. Nach einer Auswertung des ADAC hat die Vorgabe dazu geführt, dass die Preise stärker als zuvor schwanken. Und statt am Abend liegen sie nun am späten Vormittag besonders niedrig. Im Tagesdurchschnitt ist das Niveau aber nicht niedriger als zuvor.In den kommenden Wochen könnte die Preise weiter steigen. Denn eine Einigung zwischen den USA und Iran ist nicht in Sicht, Transporte durch die Strasse von Hormuz bleiben unsicher. In den vergangenen Tagen hat sich Rohöl deshalb verteuert. Dass die Internationale Energieagentur und die Opec ihre Prognose zur Nachfrage nach unten revidiert haben, hat den Trend allenfalls verlangsamt.Neben der Lage im Nahen Osten könnte ihn noch ein anderer Faktor beschleunigen. Das Niedrigwasser behindert die Binnenschifffahrt und damit den Transport über Flüsse wie den Rhein. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erklärte bereits, dass höhere Transportkosten zu höheren Tankstellenpreisen führten. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit regionaler Versorgungsengpässe deutlich gestiegen.Die höheren Transportkosten könnten noch weitere Güter verteuern. Für Lebensmittel erwarten das viele Ökonomen schon seit Ausbruch des Krieges, weil dieser unter anderem Dünger stark verteuert hat. Im Juli war davon aber noch nichts zu spüren. Mit einem Anstieg von 0,4 Prozent lagen die Preise nahezu stabil.Es spricht aber viel dafür, dass das nicht so bleibt. Denn Hitze und Trockenheit können hier leicht für einen Schub sorgen. Sie erfordern mehr Kühlung und erhöhen so den Energieverbrauch. Und vor allem im Süden belasten sie die Landwirtschaft erheblich. Betroffen sind vor allem Erzeugnisse wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. Da viele Wiesen vertrocknet sind, dürfte sich zudem das Tierfutter verteuern. Die Konsumenten dürften es zu spüren bekommen.Passend zum Artikel