In Kirchwalsede nutzt der Bürgermeister das N*-Wort, aus Spaß, wie er sagt. Der Gemeinte zeigt ihn an – und die Dorfgemeinschaft kann das gut verstehen.

Daniela Barth

Im niedersächsischen Kirchwalsede, einem Dorf mit 1.250 Einwohnern, hängen bunte Banner gegen Rassismus. Aufgehängt von Menschen aus dem Ort, die offenbar fanden, dass etwas gesagt werden müsse. Auf einem steht: „Worte sind nicht harmlos.“ Dass sie hier zu solchen Mitteln greifen, ist keine Randnotiz, denn wäre alles halb so wild, hingen diese Banner nicht.

Halb so wild – so soll der Fall aber wirken: Der dortige Bürgermeister hat zu einem Schwarzen Mitbürger öffentlich das N-Wort gesagt, hinterher soll es „Necken“ gewesen sein. Nur ist das N-Wort eine rassistische Beleidigung, aufgeladen mit der Geschichte von Kolonialismus, Entmenschlichung und Gewalt. Wer dieses Wort benutzt, ruft diese Geschichte mit auf – ganz gleich, wie jovial er sich dabei selbst vorkommen mag.

Der beleidigte Mann ist Daniel Osei-Kwaku, 46, ehrenamtlicher Fußballtrainer und Schiedsrichter im örtlichen Sportverein. Er arbeitet als pädagogischer Sozialassistent in der Kita Lummerland – in der Jim-Knopf-Gruppe. Das gibt der Sache ein extra Geschmäckle, denn das N-Wort fiel zuletzt bei einer öffentlichen Veranstaltung eben dieser Kita. Also an einem Ort, der für Schutz, Bildung und Respekt stehen müsste.