Die bekannteste äthiopische Zeitung „Addis Standard“ wird zunehmend zum Objekt staatlicher Repressalien. Zuletzt wurde Chefredakteur Yonas Kedir entführt.
Informationsfreiheit unter Druck: Männer lesen 2016 in einem Café in Addis Abeba Zeitungen
Mulugeta Ayene/ap/dpa
Äthiopien ist für Journalisten ein schwieriges Pflaster. In dem autoritär regierten Vielvölkerstaat mit 140 Millionen Einwohnern sind Transparenz und Informationsfreiheit weitgehend unbekannt. Unabhängige Berichterstattung außerhalb der Hauptstadt ist kaum möglich – vor allem seit dem Krieg zwischen der Zentralregierung und der rebellischen Nordregion Tigray von 2020 bis 2022, der bis heute schwelt und zu dem sich weitere Konflikte gesellen. Auf dem globalen Index der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (RSF) liegt Äthiopien auf 148 von 180 Plätzen, zwischen Usbekistan und Kasachstan, aber immerhin vor Ägypten, Sudan und Schlusslicht Eritrea.
Das liegt auch an mutigen Journalisten in der Hauptstadt Addis Abeba, die von dem als Modernisierer angetretenen jungen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed bisher halbwegs geduldet wurden. Am bekanntesten ist der Addis Standard. Gegründet 2011 von der Journalistin Tsedale Lemma, publiziert das als gedruckte Monatszeitschrift entstandene Medium inzwischen täglich online, sowohl auf Englisch – mit globaler Leserschaft – als auch auf Äthiopiens Amtssprache Amharisch und der meistverbreiteten Sprache Oromo.








