Nur wenige Monate vor der Parlamentswahl in Neuseeland hat Ministerpräsident Christopher Luxon ein zweites Mal seinen möglichen Sturz verhindert. Wie der Regierungschef erklärte, hatte er bei einem Vertrauensvotum seiner Parteifraktion offenbar die Mehrheit der Stimmen erhalten. Er habe die „volle Unterstützung“ seiner Fraktion, sagte er am Mittwoch in der Hauptstadt Wellington vor der Presse.Zuvor waren die Gerüchte über eine anstehende Ablösung Luxons durch Fraktionsmitglieder lauter geworden. Da der Parteivorsitzende der führenden Koalitionspartei in Neuseeland in der Regel auch Regierungschef ist, hätte er infolge einer verlorenen Abstimmung voraussichtlich auch das Regierungsamt abgeben müssen. Seine Partei, die konservative National Party, wäre dann auch mit einem anderen Spitzenkandidaten in die Wahl am 7. November gegangen.Schon im April hatte Luxon eine Vertrauensabstimmung überstanden. In beiden Fällen hatte er sie jeweils selbst initiiert, nachdem sich Spekulationen über eine mögliche Herausforderung gemehrt hatten. Hintergrund sind die schlechten Meinungsumfragen für seine Partei und für ihn selbst. Unter anderem machen eine hohe Arbeitslosenquote und Inflation den Neuseeländern zu schaffen.Referendum über das auf deutschem Vorbild beruhende Wahlrecht?Mit der Regierungsübernahme durch Luxons National Party von der sozialdemokratischen Labour Party vor rund drei Jahren war die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung verbunden. Den meisten Umfragen zufolge liegt die National Party derzeit nun knapp hinter Labour. Eng ist auch Luxons Vorsprung bei den persönlichen Beliebtheitswerten vor Labour-Führer Chris Hipkins, der bei der Wahl im Jahr 2023 unterlegen war.Luxon, ein ehemaliger Chef der Fluggesellschaft Air New Zealand, hatte mit verschiedenen Äußerungen zuletzt Kritik auf sich gezogen. Wirtschaftsvertretern hatte er geraten, „erwachsen zu sein“, anstatt Hilfen der Regierung in Anspruch zu nehmen. Außerdem hatte sich Luxon offen für ein Referendum über das neuseeländische Wahlrecht gezeigt. Das Wahlrecht begünstige ihm zufolge kleinere Parteien und führe zu kleinteiligen Koalitionen, die ein entschiedenes Regierungshandeln verhinderten.Die Neuseeländer hatten sich schon im Jahr 2011 dafür entschieden, das in den Neunzigerjahren nach deutschem Vorbild reformierte Wahlsystem beizubehalten. Luxon selbst regiert in einer Koalition mit der rechtskonservativen ACT Party und New Zealand First, der Partei des populistischen Außenministers Winston Peters. Peters hat den Vorschlag eines Referendums über das Wahlsystem brüsk zurückgewiesen.Sollte die Wahl so knapp ausgehen wie vorausgesagt, könnten wieder schwierige Koalitionsgespräche folgen. Den jüngsten Umfragen zufolge könnte auch zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten eine neue Partei ins Parlament einziehen. Demzufolge könnte die zentristische Opportunity Party erstmals die Fünfprozenthürde nehmen. Luxon hat eine Zusammenarbeit mit der Partei aber wegen grundlegender Differenzen insbesondere in der Steuerpolitik schon ausgeschlossen.