Es ist im Jahr 2026 ist noch zu früh, um ein ganzes Jahrhundert der Staatsverschuldung auszurufen. Aber sicher ist, dass sich im ersten Viertel dieses Jahrhunderts finanzpolitisch etwas Grundsätzliches geändert hat. Die Staatsverschuldung ist nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) von wenig mehr als 60 Prozent der weltwirtschaftlichen Jahresleistung auf zuletzt rund 95 Prozent gestiegen.Bis zum Jahr 2029 prognostiziert der IWF, dass die Marke von 100 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts überschritten sein wird. Die globale Staatsverschuldung liegt in etwa wieder auf dem Niveau, das am Ende des Zweiten Weltkriegs erreicht war.Die Entwicklung verläuft in den einzelnen Ländern nicht einheitlich. Deutschland zum Beispiel stand in den 2010er-Jahren weitgehend für fiskalische Solidität und schwenkte erst in diesem Jahr auf einen Kurs höherer Verschuldung um. Treibende Kräfte des Schuldenaufbaus sind die Vereinigten Staaten und China.Eine kleine fiskalische KrisenkundeDie politisch Verantwortlichen rechtfertigen den Anstieg der Staatsverschuldung üblicherweise mit den großen Krisen dieses Jahrhunderts, als da wären die globale Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 bis 2009, die Corona-Pandemie der frühen 2020er-Jahre, der Energiepreis- und Inflationsschock nach Russlands Angriff auf die Ukraine und die Dringlichkeit, die Verteidigungsbereitschaft des Westens angesichts der russischen Bedrohung schnell zu stärken. All das sind Situationen, in denen demokratisch gewählte Politiker schnell das Scheckbuch zücken, um wirtschaftliche Nöte einzelner Wählergruppen finanziell zu lindern.Unabdingbar sei es in solchen Notlagen, die Staatsverschuldung zu erhöhen, heißt es dann. Schon die Formulierung erstickt jeden Gedanken daran, dass höheren Schulden immer eine andere Entscheidung vorausgeht: die Entscheidung, im Staatshaushalt nicht zwischen Ausgaben umzuschichten. Wenn bestehende Staatsausgaben für sakrosankt erklärt werden und höhere Steuern sich gerade in Krisenzeiten verbieten, erfordern neue Ausgaben immer neue Schulden.Hinter den steigenden Staatsschulden steckt aber mehr als die Reaktion auf die großen Krisen. Das fiskalische Gebaren der Regierungen hat sich im vergangenen Vierteljahrhundert verändert. Der politische Wille, sich zurückzuhalten, auf einen soliden Staatshaushalt zu setzen und die Staatsschuld zu stabilisieren, lässt nach. Das belegen nicht nur die seit Jahren dringlicher werdenden Mahnungen des IWF, sondern auch neue Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel (BIZ).Der Schlendrian greift um sichDanach gingen steigende Staatsschulden in den Jahren von 1980 bis 2000 mit im Trend steigenden Primärüberschüssen (vor Schuldendienst) in den Staatshaushalten einher. Das ist als ein Indiz dafür zu sehen, dass damals die Regierungen mehrheitlich erkannten, wie wichtig es ist, die Staatsschulden zu stabilisieren und nicht ins Unendliche wachsen zu lassen.In den Jahren seit der Jahrhundertwende sei der Zusammenhang zwischen steigenden Schulden und höheren Primärüberschüssen verschwunden, schreiben die Ökonomen der BIZ. Im Klartext heißt das: Die Regierungen und Parlamentarier sind über steigende Schulden weniger besorgt und versuchen nicht mehr, gegenzusteuern.Auch an anderer Stelle hat gemäß den BIZ-Berechnungen der fiskalische Schlendrian Einzug gehalten. Regierungen reagieren demnach mit der Fiskalpolitik auf konjunkturelle Schwankungen zunehmend prozyklisch. Sie versuchen nicht nur in wirtschaftlich schlechten Zeiten, mit schuldenfinanzierten Ausgaben die Wirtschaft zu stabilisieren.
Auf dem Weg in den Schuldenstaat
Krisen liefern Regierungen stets einen Anlass für neue Schulden. Doch die wahren Gründe liegen tiefer.






