PfadnavigationHomePanorama„Maischberger“„Habe volles Verständnis dafür, wenn viele Menschen nicht zufrieden mit dieser Regierung sind“Von Tonci PetricStand: 05:44 UhrLesedauer: 5 MinutenMaischbergerQuelle: WDR/Oliver ZiebeKarl Lauterbach (SPD) und Tilman Kuban (CDU) diskutieren bei „Maischberger“ über die Führungsqualität des Kanzlers, die missglückte Kabinettsumbildung und den nächsten Streit der Koalition: die geplante Rentenreform. Bei der Debatte um Jens Spahn fällt die Glaubwürdigkeitsfrage.Mit einem Satz bringt Tilman Kuban in der neuen Ausgabe von „Maischberger“ das Problem um Jens Spahn auf den Punkt: „Es geht um Glaubwürdigkeit.“ Der ehemalige Unionsfraktionschef hatte mit seinem Ehemann in den USA mithilfe einer Leihmutter ein Kind bekommen – während er sich politisch gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen hatte. Spahn geriet zunehmend unter Druck und trat am 18. Juli als Fraktionschef der Union zurück. Kubans Fazit: Hätte Spahn sich früher „klarer positioniert, wäre die Situation womöglich eine andere gewesen“. Doch nun sei es „am Ende auch vergossene Milch“.Maischberger erinnert daran, dass die CDU auf ihrem Parteitag im Februar 2026 ihren Kurs gegen die Leihmutterschaft ausdrücklich bekräftigt hatte. Zu diesem Zeitpunkt, so die von ihr aufgeworfene Frage, musste das Kind von Jens Spahn bereits unterwegs gewesen sein. Trotzdem habe Spahn dem Parteitagsbeschluss zugestimmt. Lesen Sie auchKuban weicht der Frage aus und versucht, die Abläufe eines Parteitags zu relativieren. Hunderte Anträge würden dort abgestimmt, manche ausführlich diskutiert, andere kaum wahrgenommen. „Ich weiß nicht, ob er den Antrag vorher gesehen hat und es bewusst entschieden hat, sich dazu nicht zu äußern, oder ob er ihn vielleicht auch einfach nicht gesehen hat.“Wie groß der Schaden ist, will Maischberger wissen. „Für die Regierung hält sich der Schaden in Grenzen“, sagt Lauterbach und mahnt aber: „Unsere Glaubwürdigkeit wird ja jeden Tag angegriffen und uns wird Lügerei und Bestecherei und so weiter unterstellt. Wenn dann so etwas passiert, schadet das natürlich den demokratischen Parteien in der Gänze.“Lesen Sie auchMaischberger stellt die Glaubwürdigkeitsfrage nicht nur mit Blick auf Spahn, sondern konfrontiert Linnemann mit seinem eigenen Widerspruch. Er habe 2025 nach der Wahl noch wortreich erklärt, warum er nicht (Gesundheits-)Minister werden wolle. „Nur um einmal Minister zu sein, dass das irgendwo bei Wikipedia steht, das ist nicht mein Ding.“Lesen Sie auchLinnemann habe seine frühere Haltung nicht aus taktischen Gründen geändert, argumentiert Kuban, sondern damals tatsächlich geglaubt, als CDU-Generalsekretär den größten Nutzen für die Partei zu haben. Erst durch die veränderte politische Situation habe sich seine Einschätzung geändert. „Im Endeffekt hat er auch eingeräumt, dass er sich da einarbeiten muss. Das hat er klargemacht, und Herr Lauterbach hat ihm angeboten, dass man zusammen Tischtennis spielt.“Maischberger will Kuban hier mit seiner eigenen früheren Einschätzung von Merz konfrontieren: „Sie waren ein Fan von Friedrich Merz. Sie haben 2021 gesagt, CDU-Chef Merz würde der Demokratie guttun, er würde dafür sorgen, dass die Ränder kleiner würden. Wie sehen Sie das heute?“ Kuban räumt ungewöhnlich offen ein, dass seine frühere Einschätzung von Kanzler Merz nicht aufgegangen ist und dass diese Erwartung nicht erfüllt wurde.„Ich habe volles Verständnis dafür, wenn viele Menschen in unserem Land nicht zufrieden sind mit dieser Regierung. Die CDU in weiten Teilen ist es auch“, sagt Kuban. Diese Einschätzung wird auch deutlich in einem am Dienstag veröffentlichten „Trendbarometer“ von RTL und ntv des Instituts Forsa: Nur noch 13 Prozent der Bürger sagen, sie seien mit der Arbeit des Bundeskanzlers zufrieden – ein Tiefstand. Eine große Mehrheit von 85 Prozent ist mit Merz’ Arbeit unzufrieden. Auch im eigenen Lager stellen 54 Prozent der Unionsanhänger Merz ein schlechtes Zeugnis aus, bei den SPD-Anhängern sind es 83 Prozent. Unter Anhängern der Grünen (92 Prozent) sowie Linken und der AfD (je 98 Prozent) kann Merz fast niemanden mehr überzeugen.„Das war handwerklich schlecht gemacht“Maischberger spricht die jüngste Kabinettsumbildung unter Friedrich Merz an und will von Kuban wissen, wie er diesen Vorgang politisch bewertet. Denn Merz hat in der Kabinettsumbildung den bisherigen Verkehrsminister Patrick Schnieder entlassen bzw. abgelöst. Gleichzeitig gelang es offenbar nicht, rasch einen Nachfolger zu präsentieren. Dadurch entstand ein politisch und öffentlich problematischer Schwebezustand. Kuban wird ungewöhnlich deutlich. Auf Maischbergers Frage „Ist das Führung?“ antwortet er schlicht: „Nein, das war handwerklich schlecht gemacht.“Lesen Sie auchNach Kubans Eingeständnis fragt sie: „Wie kann das passieren?“ Kuban zieht zunächst eine Grenze: „Das müssen Sie den Bundeskanzler fragen, nicht mich.“ Doch dann wird auch er konkret. Patrick Schnieder habe in der Fraktion weiterhin große Rückendeckung, gerade weil er bei der Verwendung des Sondervermögens für die Verkehrsinfrastruktur Positionen vertreten habe, die viele Unionsabgeordnete teilten. Dass auf eine Zusage für die Nachfolge schließlich wieder eine Absage folgte, sei „mehr als unglücklich“ gewesen und habe „am Ende auch nicht geholfen“.Politik müsse nicht nur inhaltlich überzeugen, sondern auch personell glaubwürdig und souverän auftreten, sagt Karl Lauterbach (SPD): „Wenn Politik überfordert und nicht glaubwürdig ist, dann interessiert das die Leute“, sagt er und führt weiter aus: Die Politik müsse dringend daran arbeiten, dass man souveräner rüberkomme, glaubwürdiger sei, klarer kommuniziere und Konflikte miteinander austrage.„Sie öffnen damit die Büchse der Pandora“, warnt Tilman KubanDann ging es um die Rentenreform. Maischberger stellt hier die Rentenfrage als weiteren Test für die Führungsfähigkeit der Bundesregierung. „Jetzt kommen drei Ministerpräsidenten aus den ostdeutschen Bundesländern hinzu, einer davon macht Wahlkampf in Sachsen-Anhalt, und sie sagen, die Rente mit 63 soll doch bitte bleiben.“Die Ministerpräsidenten forderten aus seiner Sicht keine generelle Rückkehr zur „Rente mit 63“, sondern Ausnahmen für besonders belastete Berufsgruppen, erklärt Kuban. Gleichzeitig müsse die Finanzierbarkeit des Rentensystems gesichert werden, da immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner aufkommen. Deshalb brauche es einen fairen Ausgleich zwischen jüngerer und älterer Generation.Lesen Sie auchNicht die politische Stabilität der Regierung sollte bestimmen, ob eine Reform verändert wird, sondern die Qualität und soziale Gerechtigkeit der Reform, sagt dagegen Lauterbach. Besonders stark ist sein Hinweis auf die politische Realität: Wenn mehrere Ministerpräsidenten Zweifel anmelden und gleichzeitig 80 Prozent der Bevölkerung die Regelung ablehnen, sei das für ihn ein legitimer Grund, noch einmal über den Entwurf nachzudenken. Nach dem veröffentlichten „Trendbarometer“ von RTL und ntv des Instituts Forsa lehnt eine Mehrheit der Bürger die von der Regierung geplante Abschaffung der „Rente mit 63“ für besonders langjährig Versicherte ab. 74 Prozent halten die Abschaffung für falsch, 22 Prozent für richtig.„Sie öffnen damit die Büchse der Pandora“, sagt Tilman Kuban zu den geforderten Änderungen an der Rentenreform. So werde das Paket „zerfleddert“ und „am Ende keine große Reform“. Der Vorschlag der Rentenkommission sei „ein großer Wurf“.
„Maischberger“: „Habe volles Verständnis dafür, wenn viele Menschen nicht zufrieden mit dieser Regierung sind“ - WELT
Karl Lauterbach (SPD) und Tilman Kuban (CDU) diskutieren bei „Maischberger“ über die Führungsqualität des Kanzlers, die missglückte Kabinettsumbildung und den nächsten Streit der Koalition: die geplante Rentenreform. Bei der Debatte um Jens Spahn fällt die Glaubwürdigkeitsfrage.






