Maga ohne Trump? Tucker Carlson und Marjorie Taylor Greene liebäugeln mit der Gründung einer DrittparteiKeine Kriege und keine Schulden: Mit diesen Kernforderungen wollen enttäuschte Trump-Anhänger eine neue Partei gründen. Kann der Versuch, die Maga-Bewegung zu spalten, gelingen?12.08.2026, 05.30 Uhr3 Leseminuten2022 war die Maga-Welt noch in Ordnung: Donald Trump und seine damaligen Verbündeten Tucker Carlson und Marjorie Taylor Greene wohnen in New Jersey einem Golfturnier bei.Rich Graessle / GettyVor einem Jahr wäre es noch undenkbar gewesen, dass Tucker Carlson und Marjorie Taylor Greene offen über die Gründung einer Drittpartei diskutieren. Der bekannte TV-Moderator und die ehemalige Abgeordnete im Repräsentantenhaus gehörten zu den einflussreichsten und loyalsten Persönlichkeiten in Donald Trumps «Make America great again»-Bewegung (Maga).Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seither aber haben sowohl Carlson als auch Greene mit dem Präsidenten und der republikanischen Partei gebrochen. Nun wälzen sie sogar Pläne, Trump direkt herauszufordern. Carlson erklärte jüngst, er wolle beim Aufbau einer Drittpartei mithelfen. Die einstige «Maga-Queen» Greene verriet, es seien «ernsthafte Gespräche» über eine Parteigründung im Gang. Als «Third Party» oder Drittpartei bezeichnet man in den USA jede politische Partei oder unabhängige Kandidatur, die nicht zu den beiden dominierenden Grossparteien gehört.Keine Kriege und keine SchuldenAusgelöst hat das Zerwürfnis der Iran-Krieg. Greene hatte bereits als Reaktion auf die Bombenangriffe vom letzten Jahr erklärt, der Präsident habe die Maga-Prinzipien verraten. Carlsons Bruch mit Trump folgte nach dem Start der Operation «Epischer Zorn» Ende Februar.Ein neues Manifest mit zehn Programmpunkten, das Carlson vor wenigen Tagen veröffentlicht hat, steht für einen kompromisslosen «America First»-Kurs. Es richtet sich gegen Kriege im Ausland, kritisiert den Einfluss von proisraelischen Lobbygruppen und fordert eine stärkere Fokussierung auf inländische Probleme. Eine Reverenz an die «Make America healthy again»-Bewegung (Maha) ist die Forderung nach gesünderen Lebensmitteln.Ein direkter Angriff auf Trump und seine Entourage sind derweil der Ruf nach harten Strafen für Regierungsbeamte, die die Öffentlichkeit belügen, sowie die Kritik an der Umbenennung des Verteidigungsministeriums in «Kriegsministerium». Ein anständiges Land führe Kriege nur zur reinen Selbstverteidigung, argumentiert Carlson.Carlson und Greene stellen sich auch gegen die Schuldenwirtschaft. In einem Interview mit dem britischen TV-Moderator Piers Morgan erklärte Greene, die Republikaner bezeichneten sich als konservativ, sie blähten aber in Tat und Wahrheit die Staatsschulden auf. Tatsächlich summieren sich die Schulden inzwischen auf 32 Billionen Dollar, was in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA entspricht.Kaum Chancen für DrittparteiOffensichtlich wollen Carlson und Greene auch die wachsende Zahl von Amerikanern abholen , welche den Iran-Krieg und die Unterstützung für Israel kritisch sehen. Umfragen legen nahe, dass inzwischen rund 60 Prozent der Bevölkerung eine negative Meinung zu Israel haben.Der Sinneswandel trägt dazu bei, dass bei den Demokraten linkspopulistische Kandidaten aus dem Umfeld der Democratic Socialists of America (DSA) im Aufwind sind. Republikanische Wähler unterstützten Israel zwar mehrheitlich, doch bei den unter 50-Jährigen ist es nur noch eine Minderheit. Zudem nimmt nun auch in der Maga-Basis, die Trump anfänglich treu die Stange gehalten hatte, die Unterstützung für den Iran-Krieg spürbar ab.Dennoch sind die realpolitischen Chancen für eine Drittpartei äusserst klein. Die Republikaner und die Demokraten haben zwar ein sehr schlechtes Image. Insgesamt würden fast zwei Drittel der Amerikaner eine neue Drittpartei begrüssen, doch wäre nur eine kleine Minderheit bereit, eine solche Partei auch zu wählen.Denn das Mehrheitswahlrecht begünstigt den Zweikampf zwischen den beiden grossen Parteien. Darum verpufft eine Stimme für eine Kleinpartei ohne Wirkung. Oder sie führt zur Zersplitterung der Stimmen wie im Jahr 2000. Bei der damaligen Präsidentschaftswahl grub der grüne Kandidat Ralph Nader dem Demokraten Al Gore im Duell mit George W. Bush entscheidende Stimmen ab.Noch ist der Schritt von der Ankündigung zur Gründung der neuen Maga-Partei nicht vollzogen. Dennoch spekulieren amerikanische Medien bereits, dass sich das Szenario von 2000 wiederholen und dass die neue Drittpartei den Republikanern die Präsidentschaftswahl 2028 kosten könnte.Fest steht, dass die Parteigründung für die Zwischenwahlen im November zu spät käme. Doch könnten Carlsons und Greene mit ihrer unerbittlichen Kritik an der Trump-Regierung bereits dann dazu beitragen, dass enttäuschte Maga-Anhänger am Wahltag nicht wählen gehen, sondern zu Hause bleiben.Passend zum Artikel
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