In der Pause an nichts eingebüsst: Simon Ehammer gewinnt im Weitsprung Silber und schreibt die Erfolgsgeschichte dieser Saison weiterBeide sind Weltklasse, beide mussten in den vergangenen Wochen verletzt pausieren. Nun enden die EM unterschiedlich für Ditaji Kambundji und Simon Ehammer: Mit einem vierten Rang – und mit der ersten Schweizer Medaille an diesen EM.12.08.2026, 01.49 Uhr4 LeseminutenAktualisiertSimon Ehammer springt an den Leichtathletik-EM in Birmingham zu Silber.Tolga Akmen / EPAZehn Minuten, zwei Hundertstel, 15 Zentimeter? Es sind kleine und grössere Abstände, die am zweiten Abend der Leichtathletik-EM in Birmingham den Unterschied ausmachten. Innert zehn Minuten fielen die Entscheidungen im Hürdensprint der Frauen und im Weitsprung der Männer. Zehn Minuten, die darüber entschieden, wer den wochenlangen Wettlauf gegen die Zeit gewonnen hat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ditaji Kambundji, 24, und Simon Ehammer, 26, waren mit einer ähnlichen Ausgangslage nach Birmingham gereist. Beide kamen aus einer Verletzungspause, sechs Wochen waren es bei Kambundji, vier Wochen bei Ehammer. Vor dem Saisonhighlight wussten deswegen beide nicht recht, wo sie standen.Am Ende sicherte sich Ehammer die Silbermedaille, Kambundji verpasste Bronze um zwei Hundertstel. Das passt zum Jahr der beiden Spitzenathleten: Ehammer erlebt die beste Saison seiner Karriere, Kambundji eine schwierige. Bei Ehammer war da der Weltrekord im Hallen-Mehrkampf an den WM diesen März und ein Sieg mit überragendem Zehnkampf in Götzis Ende Mai, inklusive eines Riesensatzes auf 8,51 m im Weitsprung. Schon damals sagte er: Eigentlich sei es egal, was jetzt noch passiere in diesem Jahr.Die Entscheidung für den Weitsprung war richtigAm Diamond-League-Meeting in Monaco im Juli wollte der 26-Jährige unbedingt die Weite bestätigen, war etwas verkrampft. In einem Sprung zog er sich einen Muskelfasereinriss mit leichter Zerrung zu, da war es noch exakt ein Monat bis zum ersten Einsatz an den EM. Allzu fest hat ihn die Verletzung nicht beeinträchtigt, typisch Ehammer strich er früh die positiven Aspekte heraus: Ja, es war eine Verletzung – aber «die minimalste und am besten Ort», sagte er Ende Juli am Telefon, die Sehne wurde nicht verletzt. Und ja, er musste zwei Wettkämpfe absagen, aber erstens sei die erste Saisonhälfte lange und intensiv gewesen, das spiele keine Rolle. Und vielleicht habe es ja gut getan, anders am Körper zu arbeiten, filigraner.Während der Pause kam ihm entgegen, dass er sich entschieden hatte, an den EM am Weitsprung teilzunehmen, nicht am Zehnkampf – beides ging aus zeitlichen Gründen nicht. So konnte er sich darauf konzentrieren, den Speed zu behalten, ohne etwa an die längeren Laufdisziplinen zu denken.In Birmingham sicherte sich Ehammer seine achte Medaille an internationalen Meisterschaften der Aktiven. An den EM hatte er bereits 2022 Silber im Zehnkampf geholt und 2024 Bronze im Weitsprung. Natürlich war die Goldmedaille das Ziel gewesen, «aber mit einer Medaille muss man immer zufrieden sein, vor allem mit der Vorgeschichte». Der Grieche Miltiadis Tentoglou war einmal mehr der härteste Herausforderer gewesen — und mit 15 Zentimetern mehr in der Endabrechnung deutlich besser.Ein wenig trauerte Ehammer ein paar vergebenen Zentimetern nach. Doch trotz diesen vermutlichen zehn Zentimetern weniger war er mit seinem weitesten Satz auf 8,29 m bei 2,7 m/s Gegenwind höchst zufrieden. Vor allem, weil es ihm bestätigt, dass seine Leistungen im Weitsprung konstanter werden, obwohl er so viel in den Zehnkampf investiert. «Es geht von Jahr zu Jahr aufwärts, das zeigt, wie gut wir arbeiten», sagte er spätabends beim Stadion, bevor er ein Pub suchte, wo er mit seinem Team und Freunden feiern konnte.Eine Saison, aus der Kambundji lernen kannWeniger nach feiern zumute war Ditaji Kambundji, nachdem sie die Medaille über 100 m Hürden um zwei Hundertstelsekunden verpasst hatte. Wobei – so ganz genau in Worte fassen konnte sie ihre Gefühlslage kurz nach dem Rennen nicht. Denn da war einerseits Zufriedenheit, dass sie nach acht Wochen ohne Rennen und sechs Wochen nach einer Zerrung im Oberschenkel wieder an der Spitze mitrennen konnte. Aber in den letzten Gang konnte sie nicht schalten, etwas fehlte noch, vielleicht bloss ein, zwei Wochen mehr Vorbereitung.Aber es war nicht nur die Enttäuschung über den vierten Platz. «Ich habe von der ganzen Saison mehr erwartet», sagte sie. Das ist verständlich. Ende der Saison 2025 hatte sie sich in Tokio sensationell zur Weltmeisterin gekürt. Einen solchen Erfolg zu verdauen, kostet aber Substanz. Kambundji machte bewusst lange Ferien, sechs, sieben Wochen, damit sich der Körper und der Kopf richtig erholen. Um neue Motivation zu finden, nachdem ein so grosses Ziel bereits früh in der Karriere erreicht wurde.Diese Motivation fand sie schnell, sie blieb in der Saisonvorbereitung gesund, konnte gut trainieren. An den Diamond-League-Meetings im Mai in China startete sie in einer Phase, in der sie noch voll im Aufbau-Training steckte, den gelaufenen Zeiten mass sie noch keine grosse Bedeutung bei. Das Ziel war es, während der Saison regelmässig um die 12,30 bis 12,40 zu laufen statt wie bisher zwischen 12,40 und 12,60, so dass auch wieder Exploits wie an den Weltmeisterschaften möglich sind. Doch dann kam die Verletzung – und anstatt Gas zu geben, musste sie warten und geduldig sein.Kambundji sagte in Birmingham, dass sie die Lehren aus den schwierigeren Zeiten mitnehmen wolle für die Zukunft. Etwa, dass sie mit solchen Situationen zurechtkomme und trotz suboptimaler Vorbereitung um Medaillen mitlaufen könne. Auch wenn sie den EM-Steigerungslauf über Bronze (2022) und Silber (2024) in diesem Jahr noch nicht vergolden konnte.Passend zum Artikel
Leichtathletik-EM: Simon Ehammer gewinnt Silber, Mujinga Kambundji bleibt ohne Medaille
Beide sind Weltklasse, beide mussten in den vergangenen Wochen verletzt pausieren. Nun enden die EM unterschiedlich für Ditaji Kambundji und Simon Ehammer: Mit einem vierten Rang – und mit der ersten Schweizer Medaille an diesen EM.













