Man möchte doch eigentlich meinen, dass einen die Aussicht auf ein oder zwei Wochen Urlaub fröhlich und gelassen stimmen. Und erst recht, dass man am Ende seiner Ferien überdurchschnittlich erholt und entspannt ist. Offenkundig ist für zunehmend viele Menschen eine Reise jedoch der pure Stress.Immer wieder liest oder hört man davon, dass sich ein Passagier an Bord eines Flugzeugs danebenbenommen hat. Mindestens pöbelt er, seltener sie, in solch einem Fall herum, beschimpft und beleidigt andere Fluggäste und vor allem das Personal, manchmal wird diese Person auch handgreiflich. Es kommt auch vor, dass sich zwei Passagiere in die Wolle kriegen. Oft gibt es da eine Vorgeschichte, in der Regel eine Ehe.Wenn man schon sonst nirgends der Erste ist, dann wenigstens in der WarteschlangeEs scheinen also eine ganze Reihe Passagiere ziemlich geladen oder frustriert an Bord zu gehen. In der Flugzeugkabine sucht sich diese explosive, oft mit Alkohol aufgegossene Gemütslage ein Ventil, weshalb es in der Luft zu einem lokalen Druckabfall rund um den Sitzplatz 14C oder 31A kommt. Die Turbulenzen, die das zur Folge hat, sind für niemanden schön. Es mussten schon Flugzeuge umkehren oder zwischenlanden wegen eines Randalierers.Das sabotiert dann natürlich die Urlaubsgefühle der übrigen 140 Passagiere an Bord erheblich. Mit vier Stunden Verzögerung am Ferienziel anzukommen oder auf dem Rückweg einen Anschlussflug zu verpassen, weil irgendein Trottel sich nicht so weit Griff hat, um gewährleisten zu können, dass seinetwegen die Sicherheit des Luftverkehrs nicht gefährdet wird, gehört definitiv zu den ärgerlichsten Gründen für eine Verspätung. Am liebsten würde man so jemandem eine reinhauen. Tut es aber natürlich nicht.Wobei: Zuletzt gab es zwei Meldungen, wonach es Vorfälle mit nicht nur einem oder zwei Problempassagieren gegeben hat, sondern sich Konflikte zu regelrechten Massenraufereien hochgeschaukelt haben. Eine erste fand an Bord eines Ferienfliegers statt, der auf dem Weg von Teneriffa nach Liverpool war. Eine halbe Stunde nach dem Start war ein Streit zu einer Schlägerei eskaliert, an der sich letztlich etwa zehn Fluggäste beteiligten. Was den Piloten veranlasste, umzukehren und die kanarische Polizei ihre Arbeit verrichten zu lassen. Auf diese Weise verlängerten einige Briten zwar ihren Aufenthalt auf der Ferieninsel. Ob sie dort aber noch ein paar schöne Stunden oder Tage hatten, darf bezweifelt werden.Kolumne „Hin und weg“:Der Traum vom FliegenEin Kanadier hat sich Hunderte Flugtickets bei amerikanischen Airlines ergaunert. Nun hat der Hochstapler eine Bruchlandung erlitten. Eigentlich schade.Gar nicht erst ans Ziel gelangten unterdessen elf Passagiere, die von Nürnberg aus in den Urlaub fliegen wollten. Im Check-in-Bereich des Flughafens kam es zu einer Auseinandersetzung, deren Anlass die Polizei nachträglich mit „Unstimmigkeiten um den Anstellplatz“ beschrieb. Nach einigen vorausgegangenen Beschimpfungen schlug ein Mann einem zweiten ins Gesicht, woraufhin es bald darauf zuging wie stets vor den Toren des gallischen, von Römern belagerten Dorfes von Asterix und Obelix.Rund zwanzig Personen waren an der Keilerei beteiligt. Die Hälfte von ihnen wurde daraufhin von ihren Flügen ausgeschlossen, die Polizei ermittelt wegen Körperverletzungsdelikten. Und warum das alles? Schneller eingecheckt zu haben, bedeutet ja nur, dann früher am Gate zu sein und dort länger warten zu müssen. Darum kann es also nicht gehen. Sondern: Man hat sich nichts gefallen lassen. Aus Prinzip. Und wenn es den Urlaub kostet.Der Autor hat ab und an Gewaltfantasien, lebt sie aber nicht aus. Bernd Schifferdecker (Illustration)