Plötzlich ist da nur noch eine Tür, durch die sich die Menschen aus beiden Richtungen zwängen. An der meistfrequentierten Stelle des Münchner Hauptbahnhofs, die tagtäglich von zigtausenden Reisenden und Pendlern passiert wird – auf dem Weg hinauf ins Vorfeld der Gleishalle und hinab zur Weiterreise mit U- und S-Bahn. Am Dienstagmorgen aber blockierte ein Brandschutztor den Übergang vom Zwischengeschoss zu den Treppen und Rolltreppen an die Oberfläche am nördlichen Ausgang zur Arnulfstraße. Übrig blieben nur eine winzige, etwa ein Meter breite Tür in der Brandschutzmauer – und dichtes Gedränge auf beiden Seiten der urplötzlich aufgetauchten Barriere.Es ist nicht das erste Mal, dass es auf der Mega-Baustelle Hauptbahnhof zu bedrohlichen Menschenansammlungen gekommen ist. Die Platzverhältnisse am zentralen Bahnknoten der Landeshauptstadt sind insbesondere aufgrund des Neubaus des Empfangsgebäudes, der sich noch bis Ende kommenden Jahrzehnts hinziehen wird, derart beengt, dass immer wieder brenzlige Stationen entstehen.Ende Mai kam es im Starnberger Flügelbahnhof zu chaotischen Szenen zwischen den Gleisen und der Baustelle. Foto: privatEnde Mai wurden Hunderte Menschen zwischen den Gleisen und der Baustelle am Starnberger Flügelbahnhof eingezwängt. Die Deutsche Bahn (DB) musste damals eingestehen, dass ihr Sicherheitssystem mit Videoüberwachung am Bahnhof versagt hatte. Ähnliche Szenen ereigneten sich nur wenige Wochen später am Gleis 19. Auch damals gab es für Hunderte Reisende kein Vor und Zurück mehr. Wegen eines Polizeieinsatzes bei Augsburg konnten keine Züge mehr Richtung Westbayern abfahren und von dort in München einfahren, sodass sich immer mehr Menschen am Hauptbahnhof stauten.Und auch an diesem Montagabend staute es sich erneut. Diesmal auf Gleis 11, über das Reisende zum Holzkirchner Bahnhof gelangen, von dem die Regionalzüge nach Ost- und Südostbayern abfahren.Am Dienstagmorgen aber waren es weder überfüllte Züge, Bahnsteige noch Notarzteinsätze, die im Zwischengeschoss teils chaotische Zustände verursachten. Eine Augenzeugin berichtet der SZ, sie habe das dichte Gedränge auf dem Weg vom Zug Richtung S-Bahn bereits von Weitem erkannt – und dann den Umweg über den südlichen Ausgang an der Bayerstraße genommen. Sie habe sich nicht in Gefahr bringen wollen.Auslöser des Vorfalls war einer DB-Sprecherin zufolge der Defekt einer Brandmeldeanlage im Bereich der ehemaligen Rewe-Fläche unterhalb der Rolltreppen ins Zwischengeschoss. Durch diesen fiel das Brandschutztor zu und blockierte den Übergang vom Zwischengeschoss zum Aufgang Richtung Gleisvorfeld. Öffnen ließ sich nur noch die schmale Tür im Brandschutztor. Durch diese zwängten sich in der Folge die Reisenden.Am Vormittag konnte das Tor zumindest teilweise wieder geöffnet und der Engpass dadurch beseitigt werden. „Techniker arbeiten mit Hochdruck daran, den Fehler zu identifizieren und zu beseitigen“, teilte die Bahn-Sprecherin mit. Mitarbeiter des Bahnhofsmanagements hätten Reisenden zudem alternative Wege ins S-Bahn-Zwischengeschoss gezeigt. Gegen Mittag hatte sich die Situation wieder entspannt.