„Alles Gute zum Schulstart!“ steht über dem Bild. Sonne, Herz, Papierflieger, mittendrin eine blonde Dame, dazu vier Kinder, eine Tafel mit der Aufschrift „Viel Freude, Neugier und Erfolg!“ und Schultüten sind zu sehen. In Rheinland-Pfalz, dem Heimatland der CDU-Politikerin Julia Klöckner, sind die Sommerferien zu Ende gegangen. Das Bild, das sie dazu auf Instagram veröffentlicht, ist von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt. So steht es dort auch geschrieben. Trotzdem ist die Aufregung groß. Klöckner ist indes nicht die erste Politikerin, die KI-Bilder einsetzt. Schon 2023 startete die AfD damit, wie die F.A.Z. aufdeckte.Auf den KI-Bildern der AfD waren damals zu sehen: ein blondes Mädchen mit Blutspritzern im Gesicht, ein brüllender Klimaaktivist auf der Straße, eine Gruppe Migranten mit wutverzerrten Mienen. Abgeordnete der Partei gaben zu, solche Bilder zu erstellen, damit „Stereotype bedient werden“. Er sei „sehr, sehr dankbar“ für die neue Technologie, wurde ein AfD-Politiker 2023 zitiert.Klöckners Reaktion wirkt nicht gerade souveränDaher mag man 2026 fragen: Warum gibt es die Aufregung über Klöckner? Nun, zunächst will man, was man von der AfD gewöhnt ist, nicht unbedingt von einer CDU-Politikerin sehen, die als Bundestagspräsidentin ein Staatsamt bekleidet. Entscheidend ist indes, dass Klöckners Reaktion auf im Netz geäußerte Rüffel unsouverän wirkt. Als der Künstler Oliver Schäfer das KI-Bild auf Instagram kritisiert, wird sein Kommentar gelöscht, er wird von Klöckner blockiert. Schäfer schrieb: „Ganz ehrlich, Ihre Posts sind ein Schlag ins Gesicht jedes Kreativschaffenden in Deutschland. Warum dieser Mist? Machen Sie doch entweder echte Fotos mit Kindern oder stellen Sie einen Grafikdesigner ein. Ansonsten kann Ihren Job ja künftig auch die KI übernehmen.“Als Schäfer das Löschen seines Kommentars öffentlich macht, geht das Thema viral. „Ausgerechnet ein Künstler, dessen Arbeit von KI betroffen ist, soll also besser schweigen?“, heißt es auf Social Media, und es kommt der Hinweis, dass KI bei Kreativen raube, um trainiert zu werden. Für Menschen wie Schäfer sei diese Entwicklung existenzbedrohend. Schäfer sagt: „KI-Bildgeneratoren wurden mit Millionen Werken von Fotografen, Illustratoren und Designern trainiert. Das sind Menschen mit jahrelangen Ausbildungen, die von dieser Arbeit leben.“ Er werde weiterhin Kunst schaffen, mit echten Farben und auf echten Leinwänden.Auf Anfrage der F.A.Z. sagt das Bundestagsbüro von Klöckner, der Verzicht auf die Darstellung realer Schulkinder schütze im konkreten Fall deren Identität und Persönlichkeitsrechte. Sollten Schulbesuche gepostet werden, würden für Fotoaufnahmen immer erst die Einverständnisse eingeholt. Überdies sei der Post „bewusst fast in Comicform überzeichnet“. Die Verwendung von KI auch in den sozialen Medien sei mittlerweile üblich „und wird dort auf zahlreichen Kanälen praktiziert, von Politikern aus Regierung, Opposition, Koalition sowie von Unternehmen, Journalisten und Künstlern“, schreibt das Büro von Klöckner. Ihr Account setze KI sehr zurückhaltend ein, als eine Darstellungsform unter vielen.Gegenüber der F.A.Z. berichtet Schäfer, inzwischen habe das Büro von Klöckner direkten Kontakt mit ihm aufgenommen. In einer Nachricht hieß es, Klöckner wolle sich über die Aspekte rund um KI und Kreativschaffende austauschen. Ob er für einen Austausch bereit ist, lässt Schäfer bei einem Telefonat mit der F.A.Z. offen. Momentan sei er jedenfalls noch blockiert auf Klöckners Instagram-Seite. Dort habe er den Austausch begonnen, und das sei unterbunden worden.Später ergänzt Schäfer in einer E-Mail an die F.A.Z.: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles um mich herum KI-generiert ist. (…) Als drittreichstes Land dieser Erde möge man mir nicht mit dem Argument kommen, dass für faire Bezahlung kein Geld da sei … KI wurde ungefragt mit den Arbeiten unzähliger Menschen gefüttert. Auf deren Rücken basiert diese Technologie. Ist das fair?“ Im Kunst- und Kulturbereich sei man massiv von Kürzungen betroffen. „Wenn wir jetzt noch diese drittklassigen KI-generierten Beiträge normalisieren, haben wir ein großes Problem.“